Mit einer Reportage bei eurotransportTV, einem Kampagnensong und einer internationalen Ausspielung in elf Sprachen ist am 19. April die neue Aktion „Respekt an der Rampe – Hellwach für Menschlichkeit“ gestartet. Getragen wird sie von Hellwach mit 80 km/h e. V., DocStop für Europäer e. V. und dem ETM Verlag.
Im Zentrum steht ein Thema, das in der Branche seit Jahren bekannt ist, aber oft nur am Rand verhandelt wird: der Umgang mit Berufskraftfahrern an der Rampe. Lange Wartezeiten, fehlende Infrastruktur, Zusatzarbeiten beim Be- und Entladen und ein herablassender Ton gelten vielerorts als Alltag. Genau dort setzt die Kampagne an.
Nicht Straße gegen Rampe – sondern Stress gegen Sicherheit
Der Ansatz der Initiative ist klar: Stress an der Rampe bleibt nicht an der Rampe. Er fährt mit.
In der zwölfminütigen TV-Reportage, die den Kampagnenstart begleitet, beschreibt Dieter Schäfer, Sprecher von Hellwach mit 80 km/h, die Wirkungskette so:
„Stress wirkt sich auf das vegetative Nervensystem aus. Dadurch fühlt sich der Fahrer unwohl. Unwohlsein führt zu Schlaflosigkeit, Schlaflosigkeit führt zu Müdigkeit und Müdigkeit führt zu Sekundenschlaf.“
Damit knüpft die Kampagne an das bisherige Engagement des Vereins an. Hellwach mit 80 km/h ist seit Jahren mit Präventionsarbeit zu Themen wie Null Promille, Sekundenschlaf und Ablenkung im Straßenverkehr präsent.
Schäfer selbst hat sich auch bei trans.iNFO mehrfach als Sicherheitsexperte geäußert: LKW-Unfälle: Unfallzahlen steigen. Experte warnt vor Fehleinschätzungen
Die neue Aktion erweitert diesen Fokus nun um einen Punkt, der im Fahreralltag unmittelbar davor liegt: die Situation beim Be- und Entladen.
Die Rampe als täglicher Reibungspunkt
Der Filmbeitrag schildert die Rampe als einen der häufigsten Stressfaktoren im Fahreralltag. Es geht nicht nur um Warten, sondern auch um fehlende Wertschätzung.
Henrik Müller, Transportunternehmer aus Mannheim und Hauptfigur der Reportage, beschreibt einen Satz, den er aus Gesprächen mit Fahrern immer wieder höre:
„Da will ich nicht mehr hinfahren, da werde ich schlecht behandelt.“
Er berichtet von Paletten, die quer durchs Lager gezogen werden sollen, von Zusatzarbeiten, die nicht zum eigentlichen Aufgabenbereich gehören, und von einem Umgangston, der bei Fahrern das Gefühl hinterlasse, „dass du weniger bis nichts wert bist, wenn du da mit deinem LKW kommst“.
Genau an diesem Punkt setzt der Kampagnenslogan an: „An der Rampe fängt’s an.“ Gemeint ist damit nicht nur Respekt, sondern auch Sicherheit.
Wertschätzung als Prävention – nicht als Nebenthema
Die Initiatoren verknüpfen das Thema ausdrücklich mit Unfallprävention. Im Film heißt es, Stress und Ärger an der Rampe seien mitverantwortlich für schwere Verkehrsunfälle.
Schäfer verweist dabei auf eine Umfrage der Europäischen Transportföderation unter mehr als 2.500 Bus- und LKW-Fahrern. Demnach hätten 27 Prozent angegeben, innerhalb von zwölf Monaten mindestens einmal bis zu dreimal am Steuer eingeschlafen zu sein.
Die Kampagne zieht daraus keinen monokausalen Schluss, aber sie macht einen Zusammenhang stark, der in der Praxis plausibel ist: Wer stundenlang wartet, herablassend behandelt wird, keine Toilette findet und Zusatzaufgaben übernehmen muss, fährt nicht unbelastet weiter.
Ein Fahrer formuliert es in der Reportage so:
„Wenn ich freundlich behandelt werde, gehe ich gern hin. Wenn ich unmenschlich behandelt werde, frisst das und nagt das an mir. Und dieses Gefühl nehme ich mit in die Nacht und kann unruhig dadurch schlafen. Und am nächsten Tag bin ich müde.“
Ein Thema, das trans.iNFO bereits aufgegriffen hat
Ganz neu ist das Problem nicht. trans.iNFO hatte bereits 2025 über die Belastungen beim Be- und Entladen berichtet.
Im Oktober vergangenen Jahres ging es in einem Artikel um die Forderung von Branchenverbänden nach EU-weiten Reformen beim Be- und Entladen sowie beim Palettentausch. Schon damals stand im Mittelpunkt, dass Fahrer in Europa noch immer Aufgaben übernehmen, die nicht zu ihrem eigentlichen Job gehören – mit Folgen für Gesundheit, Sicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit von Transportunternehmen.
Auch die Entwicklung in Italien wurde bei trans.iNFO bereits aufgegriffen. Dort sind seit Mai 2025 neue Regeln zu LKW-Wartezeiten und Zahlungsverzug in Kraft. Unter anderem wurde eine automatische Entschädigung bei überlangen Standzeiten eingeführt. Beide Themen zeigen: Die Frage, was an der Rampe passiert, ist längst kein weiches Sozialthema mehr, sondern Teil der betriebswirtschaftlichen und sicherheitsrelevanten Realität im Straßengüterverkehr.
Zwischen Song, Symbolik und konkretem Nerv
Ungewöhnlich ist die Form, in der die Kampagne jetzt auftritt. Statt Positionspapier oder Verbändeerklärung startet sie mit einem Song, einem Musikvideo und einer filmischen Reportage.
Der Titel „An der Rampe fängt’s an“ stammt von Dieter Schäfer. Das Video wurde von Norbert Boewing umgesetzt. In der Hauptrolle ist Henrik Müller zu sehen, als Nebendarsteller taucht unter anderem der sogenannte Max-Achtzig-Tanklastzug der Fachspedition Weigand aus Sittensen auf. Stefan Weigand, Geschäftsführer des Unternehmens und zugleich im Vorstand des BGL-Landesverbands Niedersachsen aktiv, unterstützt die Initiative ebenfalls.
Der ETM Verlag begleitet die Aktion als Medienpartner. Die Kampagne wird nicht nur auf Deutsch, sondern in weiteren zehn Sprachversionen ausgerollt – ausdrücklich mit Blick auf eine europäische Logistik-Community.
Was die Branche daraus macht
Der Film blendet nicht aus, dass auch Verlader, Lager und Speditionen unter enormem Zeit- und Kostendruck arbeiten. Gerade deshalb zielt die Kampagne nicht auf Schuldzuweisungen, sondern auf einen Mindeststandard im Umgang.
Oliver Trost bringt es in der Reportage auf den Punkt:
„Ein vernünftiges menschliches Miteinander an der Rampe – das ist das, was wir fordern und was sicherlich auch helfen würde.“
Die Kampagne formuliert daraus eine einfache Botschaft: Sicherheit beginnt nicht erst auf der Autobahn und nicht erst beim Assistenzsystem. Sie beginnt dort, wo Fahrer täglich als Menschen behandelt werden – oder eben nicht.
Wenn die Initiative einen Nerv trifft, dann genau diesen: Die Branche diskutiert seit Jahren über Fahrermangel, Attraktivität des Berufs und Sicherheit. Seltener spricht sie so direkt über den Alltag an der Rampe. „Respekt an der Rampe“ tut genau das – und dürfte deshalb auf viel Resonanz stoßen.
Zum Musikvideo

Das Musikvideo wurde parallel zum Kampagnenstart veröffentlicht. Einen ersten Eindruck der Kampagne und der mehrsprachigen Umsetzung bietet eine Playlist auf YouTube.









