Digitalisierung von KV-Netzwerken – direkt und ohne Umwege

Es sind nicht nur ökonomische, sondern auch verkehrs- und umweltpolitische Gründe, die für den Kombinierten Verkehr (KV) sprechen. Die Digitalisierung der intermodalen Lieferketten mithilfe von offenen Plattformen und branchenspezifischen Softwarelösungen verspricht ein enormes Potenzial, derlei Anforderungen noch besser gerecht werden zu können. Diese Technologien erfordern keine großen Investitionen und sind kurzzeitig einsatzbereit.

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Digitalisierung von KV-Netzwerken – direkt und ohne Umwege
Digitalisierung von KV-Netzwerken

Anfang Februar 2022 hat das Statistische Bundesamt (Destatis) frische Zahlen zur Transportleistung im Güterverkehr veröffentlicht. Demnach entfallen 3,2 Milliarden Tonnen Fracht auf inländische Lkw, 320,1 Millionen Tonnen auf die Eisenbahn und 188,0 Millionen Tonnen auf die Binnenschifffahrt. Allein in Anbetracht der ambitionierten Klimaziele der Europäischen Union (EU) ist der anhaltend überproportionale Anteil des Straßengüterverkehrs im Prinzip nicht tolerierbar. Selbst Appelle von Experten oder aus der Politik, verstärkt auch Cargo-Bahnen oder die ebenfalls deutlich umwelt- und klimafreundliche Alternative Binnenschiff zu nutzen, setzten nur ein zögerliches Umdenken in Gang.

Der KV und seine Vorteile

Folgt man einer Definition, die das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) in der 3. Auflage 2020 des „Praxisleitfaden für den Kombinierten Verkehr“ festgehalten hat, wird der Sinn und Zweck einer intelligenten Verknüpfung der Verkehrsträger deutlich: „Der KV ist Teil des Intermodalen Verkehrs, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecken mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.“

Schädliche CO2-Emissionen werden so reduziert, Straßen entlastet und Staus verringert. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist interessant, dass im Kombinierten Verkehr (KV) Personal- und Fahrzeugkapazitäten freigesetzt werden, die anderweitig genutzt werden können. Es fallen weniger Maut-Gebühren an, Lkw im Vor- und Nachlauf können von der Kfz-Steuer befreit werden und es gelten teils Ausnahmeregelungen bei Fahrverboten und höhere Gewichtsgrenzen als im herkömmlichen LKW-Verkehr. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt ist, dass die Transportsicherheit und die gesamte Leistungsfähigkeit der Transportkette steigt, da die Stärken eines jeden einzelnen Transportweges und -mittels durch eine intelligente Verknüpfung optimal genutzt werden können.

Automatisiert und strukturiert statt manuell

Zu bedenken ist jedoch, dass das Management von KV-Netzen hohe Anforderungen an die Kommunikation und Interaktion zwischen zahlreichen Partnern stellen. Angesichts des prognostizierten stetig steigenden Güteraufkommens und der zunehmenden globalen Verflechtung wird diese Aufgabe mittel- bis langfristig konventionell nicht mehr wirtschaftlich und qualitativ zu meistern sein. Dazu tragen auch die exorbitant steigenden Datenmengen bei. Folglich kommt auch die Transportbranche nicht umhin, ihre Prozesse durchgängig und unternehmensübergreifend zu digitalisieren. Das ist allerdings kein Hexenwerk wie oftmals befürchtet und erfordert auch keine kostspielige Erneuerung kompletter IT-Strukturen. Stattdessen können Cloud-basierte offene Plattformen genutzt werden, die via Web oder App jederzeit einfach und direkt und ohne Systembruch zugänglich sind.

Echtzeit-Informationsdrehscheibe

Mithilfe der Planungssoftware cOPERATOR beispielsweise lassen sich Bahnen, Trucker und Terminals einbinden und Transporte zentral planen, sodass das gesamte KV-Netz eines Operators gesteuert werden kann. Buchungen erfolgen durch den Operator oder den Kunden selbst über das integrierte Kundenportal. Kontingente können direkt verwaltet und Auslastungen in Echtzeit gemanagt werden. Zusätzlich werden die kaufmännische Abwicklung sowie Tracking & Tracing-Funktionen unterstützt. Die gesamte Auftragsdaten-Kommunikation läuft dabei automatisch im Hintergrund über die patentierte catkin-Plattform. Während die Organisatoren der Hinterlandnetzwerke bislang nur begrenzt handlungsfähig waren, können sie über cOPERATOR nun auch Vor- und Nachläufe, Terminal-Status u.dgl. in Echtzeit nachverfolgen und ihre Slots – etwa bei Verzögerungen – direkt anpassen. Auch der Spediteur kann jederzeit konkrete Angaben zum Aufenthalt seines Lkw machen, selbst dann, wenn er den Auftrag an einen Subunternehmer vergeben hat. Alle in das KV-Netzwerk involvierten Partner profitieren somit von Transparenz in Verbindung mit validen, unternehmensübergreifenden Informationen. Integriert ist zudem ein Flottenmanagement, mit dem der Ressourceneinsatz insgesamt optimiert werden kann. Darüber hinaus sind eine kommerzielle Betrachtung der durchgeführten Verkehre sowie Auswertungen möglich.

Kollaboration gibt den Ausschlag

Branchenverbände mahnen bereits seit langem, dass der Kombinierte Verkehr europaweit gestärkt werden müsse. Sie fordern in diesem Zusammenhang verstärkt auch auf Digitalisierung und Automatisierung zu setzen, um einerseits einen Beitrag zur Energie- und Verkehrswende zu leisten, gleichzeitig aber auch die Prozesse profitabler zu gestalten. Skeptiker hingegen argumentieren, die intermodalen Lieferketten seien viel zu komplex, sodass sich der damit verbundene Aufwand nicht rechne. Diese Einstellung steht im Widerspruch zum technologisch Machbaren – etwa auf Basis von leicht zugänglichen Plattformen und modernsten Softwarelösungen. Ihr Einsatz setzt jedoch voraus, dass die Partner kollaborativ zusammenarbeiten und ihre Daten vertraulich untereinander teilen. Nur dann kann die Digitalisierung ihre volle Wirkkraft entfalten und die Attraktivität von KV-Konzepten nochmals erheblich steigern.

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