Die wichtigsten Punkte
- Ab dem 5. Januar 2027 soll die dänische Maut für Güterfahrzeuge mit einer technisch zulässigen Gesamtmasse von mindestens 3.501 Kilogramm gelten.
- Für diese neue Gewichtsklasse sind je nach CO2-Emissionsklasse Mautsätze zwischen 0,13 und 0,78 dänischen Kronen je Kilometer vorgesehen.
- Emissionsfreie Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse von 3.501 bis 4.250 Kilogramm sollen von der Maut befreit werden.
- Der Entwurf sieht drei Bußgeldstufen vor: 2.000, 4.000 oder 9.000 dänische Kronen – abhängig von der Art des Verstoßes.
- Für die Mautpflicht soll ausschließlich die Masse des Zugfahrzeugs maßgeblich sein, nicht das Gesamtgewicht von Fahrzeug und Anhänger.
Dänemark bereitet damit die nächste Stufe seiner Mautreform vor. Das derzeitige, seit dem 1. Januar 2025 geltende System betrifft schwere Güterfahrzeuge ab einer technisch zulässigen Gesamtmasse von 12 Tonnen. Ab 2027 soll die Regelung auch deutlich leichtere Fahrzeuge erfassen.
Der Entwurf für Änderungen an den dänischen Vorschriften zur Straßenmaut und zur Zulassungssteuer wurde am 18. September 2026 veröffentlicht. Die neuen Bestimmungen sollen am 1. Januar 2027 in Kraft treten, während die erweiterte Mautpflicht ab dem 5. Januar gelten soll. Bis zum Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens sind noch Änderungen möglich.
Maut ab 3.501 kg: Das Anhängergewicht entscheidet nicht
Die wichtigste Neuerung ist die niedrigere Gewichtsgrenze. Mautpflichtig werden sollen motorisierte Güterfahrzeuge, deren technisch zulässige Gesamtmasse mindestens 3.501 Kilogramm beträgt. Entscheidend ist dabei die Masse des Motorfahrzeugs selbst – nicht das Gesamtgewicht der gesamten Fahrzeugkombination.
Ein Lieferwagen mit 3,5 Tonnen, der einen Anhänger zieht, würde somit nicht allein deshalb mautpflichtig, weil das kombinierte Gewicht über 3,5 Tonnen liegt.
Ein Güterfahrzeug mit einer zulässigen Gesamtmasse von 4 Tonnen würde dagegen grundsätzlich unter die neue Regelung fallen.
Den Erläuterungen zum Gesetzentwurf zufolge gibt es in Dänemark rund 44.000 zugelassene Lkw. Etwa 7.500 davon gehören zur Gewichtsklasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. Die Änderungen betreffen außerdem ausländische Transportunternehmen, die mautpflichtige Straßen in Dänemark nutzen.
Für emissionsfreie Fahrzeuge ist eine besondere Ausnahme vorgesehen. Fahrzeuge mit einer technisch zulässigen Gesamtmasse zwischen 3.501 und 4.250 Kilogramm, die keine Abgase ausstoßen, sollen vollständig von der Maut befreit werden.
Damit soll dem zusätzlichen Batteriegewicht elektrischer Transporter Rechnung getragen werden. Diese Fahrzeuge übernehmen häufig dieselben Lieferaufgaben wie konventionelle Transporter mit einem Gewicht von bis zu 3,5 Tonnen.
Was kostet die Maut? Neue Tarife für leichte Lkw
Fahrzeuge mit einem Gewicht zwischen 3.501 und 11.999 Kilogramm sollen eine eigene Mautkategorie erhalten. Die Höhe der Gebühr richtet sich nach der CO2-Emissionsklasse.
| CO2-Emissionsklasse | Mautsatz je Kilometer | Zuschlag in Umweltzonen |
|---|---|---|
| Klasse 1 | 0,78 dänische Kronen | 0,39 dänische Kronen |
| Klasse 2 | 0,70 dänische Kronen | 0,35 dänische Kronen |
| Klasse 3 | 0,62 dänische Kronen | 0,31 dänische Kronen |
| Klasse 4 | 0,41 dänische Kronen | 0,21 dänische Kronen |
| Klasse 5 | 0,13 dänische Kronen | 0,07 dänische Kronen |
Quelle: Entwurf zur Änderung der dänischen Mautvorschriften, veröffentlicht am 18. September 2026.
Am teuersten wäre die Maut für Fahrzeuge der CO2-Emissionsklasse 1. Für 100 Kilometer auf einer mautpflichtigen Straße würden vor einem möglichen Umweltzonenzuschlag 78 dänische Kronen anfallen.
In Umweltzonen steigt die Belastung. Bei einem Fahrzeug der Klasse 1 läge der kombinierte Satz bei 1,17 dänischen Kronen je Kilometer. Für 100 Kilometer wären damit 117 dänische Kronen zu entrichten.
Außerdem soll die CO2-Einstufung von Fahrzeugen der Klassen 2 und 3 regelmäßig überprüft werden. Eine Neubewertung wäre dem Entwurf zufolge alle sechs Jahre ab der Erstzulassung vorgesehen.
Neue Bußgeldstaffel: Nicht jeder Verstoß kostet 9.000 dänische Kronen
Mit der Ausweitung des Mautsystems soll sich auch die Ahndung von Fehlern bei der Zahlung ändern.
Bislang galt ein Bußgeld von 9.000 dänischen Kronen. Der neue Entwurf legt Fälle fest, in denen ein geringerer Betrag verhängt werden kann. Ausschlaggebend sind die Art des Verstoßes und die bei der Kontrolle festgestellten Umstände.
Vorgesehen sind drei Bußgeldstufen:
- 9.000 dänische Kronen – unter anderem bei Fahrten ohne Bordgerät oder gültiges Streckenticket sowie wenn das Gerät zwar dem Fahrzeug zugeordnet ist, die erforderlichen Daten aber nicht innerhalb der vorgegebenen Frist übermittelt wurden.
- 4.000 dänische Kronen – wenn ein gültiges Streckenticket vorhanden ist, die Fahrt aber über einen mautpflichtigen Abschnitt führt, der nicht vom gebuchten Streckenverlauf erfasst ist.
- 2.000 dänische Kronen – in bestimmten Fällen bei Abweichungen vom Gültigkeitszeitraum des Tickets oder bei verspäteter Datenübermittlung durch das Bordgerät.
Treten innerhalb von 24 Stunden mehrere Verstöße auf, soll nur ein Bußgeldbescheid erlassen werden. Maßgeblich wäre dabei der schwerwiegendste Verstoß.
Bei besonders mildernden Umständen könnten die Behörden zudem auf ein Bußgeld verzichten. Wenn die Maut tatsächlich entrichtet wurde und lediglich ein geringfügiger Fehler vorliegt – etwa eine falsch eingetragene Zulassungsnummer –, könnte der Bescheid aufgehoben werden.
Für einen Einspruch gegen einen Verwaltungsbescheid sollen Transportunternehmen 60 Tage Zeit haben. Nach dem Entwurf müssten Einwände künftig elektronisch eingereicht werden.
Diese Änderung ist besonders relevant, weil es schon kurz nach dem Start des dänischen Mautsystems zu Problemen bei der Durchsetzung kam. Trans.INFO berichtete zuvor über Tausende Einsprüche gegen Bußgelder und eingefrorene Geldbeträge, während die Verfahren noch nicht abgeschlossen waren.
Das dänische KmToll-Portal verweist bereits auf eine individuelle Prüfung von Verstößen und auf die Vorbereitung eines Verfahrens für früher verhängte Bußgelder.
KmToll-Streckentickets lassen sich künftig leichter ändern
Die geplanten Änderungen betreffen auch digitale KmToll-Streckentickets. Sie bieten eine Alternative zur Abrechnung über ein Bordgerät. Derzeit muss ein Ticket vor Fahrtbeginn gekauft werden und ist ab der angegebenen Abfahrtszeit 24 Stunden lang gültig.
Nach den neuen Vorgaben könnten Transportunternehmen die Startzeit vor der Aktivierung des Tickets ändern, ohne es zu stornieren und ein neues zu kaufen. Die Anpassung wäre allerdings auf denselben Kalendertag begrenzt. Soll die Fahrt auf einen anderen Tag verschoben werden, müsste das ursprüngliche Ticket weiterhin storniert und ersetzt werden.
Das könnte den Verwaltungsaufwand reduzieren, wenn sich die Beladung verzögert oder die geplante Abfahrtszeit kurzfristig ändert. Die Pflicht, vor der Einfahrt auf eine mautpflichtige Straße die korrekte Gebühr zu entrichten, bleibt jedoch bestehen.
Höhere Transportkosten erwartet – Kritik aus der Branche hält an
Die geplante Ausweitung ist Teil der anhaltenden Diskussion über die Kosten des Transportbetriebs in Dänemark. In einem Interview mit Trans.INFO erklärte Erik Ostergaard, Generaldirektor des dänischen Transport- und Logistikverbands (DTL), dass die Branche das entfernungsabhängige Mautsystem von Anfang an abgelehnt habe.
Seinen Berechnungen zufolge könnte die Gesamtbelastung der dänischen Wirtschaft durch das System 2028 rund 3,7 Milliarden dänische Kronen erreichen. Die staatlichen Nettoeinnahmen würden sich demnach auf etwa 1,2 Milliarden dänische Kronen belaufen.
Ostergaard zufolge geben Transportunternehmen einen großen Teil der Mautkosten an ihre Kunden weiter. Nicht offiziell erhobene Zahlen, auf die er verwies, deuteten darauf hin, dass die Frachtraten nach Einführung der Gebühren um etwa 8 bis 12 Prozent gestiegen sind. Zugleich betonte er, dass dem Verband keine belastbaren Daten vorliegen, mit denen sich das Ausmaß präzise bestimmen lässt.
Für die Ausweitung auf leichtere Lkw erwartet der DTL-Chef eine ähnliche Kostenentwicklung.
Seiner Einschätzung nach sollten auch kleinere Transportunternehmen die zusätzlichen Kosten an ihre Kunden weitergeben können, anstatt sie vollständig aus der eigenen Marge zu finanzieren.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Kunden jede Preiserhöhung akzeptieren werden. Wie stark die Transportpreise steigen, hängt unter anderem von den bestehenden Vertragsbedingungen und der Möglichkeit zu Nachverhandlungen ab.
Die Einbeziehung von Fahrzeugen ab 3.501 Kilogramm wird auch die regionale und lokale Distribution beeinflussen. Für Unternehmen mit regelmäßigen Zustellungen hängt die zusätzliche Belastung vor allem von der Zahl der auf mautpflichtigen Straßen zurückgelegten Kilometer und der Emissionsklasse des Fahrzeugs ab.
Ab 2028 könnte das gesamte öffentliche Straßennetz erfasst sein
Die Ausweitung im Januar wird nicht der letzte Schritt der dänischen Mautreform sein. Derzeit gilt die Maut auf rund 10.900 Kilometern des Straßennetzes. Erfasst sind damit der größte Teil des nationalen Straßennetzes sowie ausgewählte kommunale Strecken.
Nach den Plänen der dänischen Behörden soll das System ab dem 1. Januar 2028 für das gesamte öffentliche Straßennetz gelten. Laut dem offiziellen KmToll-Portal umfasst dieses Netz etwa 75.000 Kilometer. Für Transportunternehmen wird damit neben dem Kilometerpreis auch die Länge der mautpflichtigen Strecke zu einem wichtigen Faktor bei der Kalkulation.
Der nächste wichtige Termin ist der 16. Oktober 2026. An diesem Tag endet die Konsultation zum Gesetzentwurf. Im anschließenden Gesetzgebungsverfahren sollen die endgültigen Mautsätze, Bußgelder und weiteren Bestimmungen festgelegt werden.









