Noch Anfang des Jahres 2019 hieß es trotz Schwierigkeiten, dass StreetScooter ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur ‘grünen Null’ und Verkehrswende in Deutschland ist, jetzt hat Deutsche Post DHL Group doch die Einstellung der Produktion angekündigt.

Offiziell heißt es in einer Pressemeldung, dass vor dem Hintergrund der aktuellen weltwirtschaftlichen Unsicherheiten Deutsche Post DHL Group die Sondierungen für eine Partnerschaft zu den StreetScooter-Aktivitäten nicht weiter aktiv verfolgen wird und sich auf den Betrieb der aktuellen StreetScooter-Bestandsflotte konzentrieren will.

Dank StreetScooter haben wir eine der größten elektrisch betriebenen Lieferflotten der Welt und bedeutende Impulse in Sachen Elektromobilität gesetzt. Wir haben immer gesagt, dass wir kein Autohersteller sein wollen. Eine weitere Skalierung ohne den richtigen Partner entspricht nicht unserer langfristigen strategischen Zielsetzung. Die Umstellung unserer Flotte auf E-Mobilität werden wir unabhängig von der heutigen Entscheidung weiter entschieden vorantreiben. Wir stehen zu unserer Mission 2050, das heißt Null-Emissionen-Logistik bis 2050, kommentierte der CEO Frank Appel.

Doch klar ist, dass nicht allein wirtschaftliche Unsicherheiten hinter der Entscheidung des Konzerns stehen, denn die Tochtergesellschaft schreibt seit Jahren rote Zahlen –  im Jahr 2018 hat sie einen Verlust von 70 Millionen Euro und 2019 einen Verlust von rund 100 Millionen Euro eingefahren.

Fakt ist, dass die Street Scooter GmbH ein Sorgenkind des Konzerns ist. Geholfen hat weder eine Generalüberholung des Elektroautos noch permanente Wechsel im Management. Letztens hat CEO Jörg Sommer nach weniger als einem Jahr StreetScooter verlassen. Der Grund waren unterschiedliche Auffassungen zur zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens. Ohne Erfolg ist auch die Suche nach einem Käufer verlaufen. Für Appel war die die Einstellung der Produktion also eine logische Konsequenz.

Mitbegründer des Start-ups kritisiert die Entscheidung des Konzerns

Street Scooter wurde 2010 von Günther Schuh und seinen Studenten an der Universität RWTH Aachen gegründet. Seit 2014 ist das Start-up eine Tochtergesellschafft der Deutschen Post.

In einem Gastbeitrag im „Handelsblatt” kritisierte Schuh die Entscheidung des Konzerns vehement. Er behauptet, dass mir der Beteiligung von DHL eine Phase der „Inkarnation der Langsamkeit” eingetreten ist: „Der externe Vertrieb wurde drei Jahre gestoppt, die Internationalisierung auch, das geplante Re-Engineering-Programm ebenso, normale Beschaffungen wurden verschleppt, das Management wurde rausgeschmissen, Amateure wurden eingesetzt, die Bestellungen der eigenen Post-Flotte minimiert, jegliche Verbesserung wurde verboten – und auf eine Gelegenheit gewartet, das Geschäft unter einem Vorwand einzustellen”, schreibt Schuh.

Zugleich übt er aber auch Kritik an der Innovationspolitik des deutschen Staats aus: „Warum schaffen wir das Unmögliche nicht mehr wie früher? Was ist aus Erfinder-Deutschland geworden, fragt er sich.

Um abschließend festzustellen: „Streetscooter wurde weder eine ausreichende Finanzierung noch ein realistischer Zugang zum Kapitalmarkt gewährt. Schade für Deutschland. Hoffentlich werden dadurch nicht zu viele entmutigt.”.

Foto: Deutsche Post DHL Group

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