Der Beschluss wurde am 23. Februar 2026 vom Rat der EU bestätigt. Damit bleibt der defensive Schutzschirm europäischer Kriegsschiffe in einem der geopolitisch sensibelsten maritimen Korridore der Welt bestehen. Für das kommende Jahr stellt die EU rund 15 Millionen Euro zur Finanzierung der Mission bereit.
ASPIDES war als Reaktion auf die anhaltenden Angriffe auf die Handelsschifffahrt im Roten Meer gestartet worden. Die Mission sichert insbesondere die Seewege rund um die Meerenge Bab al-Mandab und überwacht zudem die Straße von Hormus. Das Einsatzgebiet erstreckt sich über das Rote Meer, den Golf von Aden und Teile des Arabischen Meeres.
Erholung des Schiffsverkehrs – aber weiterhin unter Vorkrisenniveau
Die Wirkung der Mission zeigt sich bereits in den Verkehrszahlen. Bis Juni 2025 hatte sich der Schiffsverkehr im Roten Meer von den Tiefständen nach den Angriffen um rund 60 Prozent erholt. Zwar liegen die Mengen weiterhin unter dem Vorkrisenniveau, doch die Präsenz europäischer Eskorten gilt als wesentlicher Faktor für die Stabilisierung und die Rückkehr ersten Vertrauens globaler Reedereien.
Gleichzeitig bleiben die strukturellen Risiken hoch. Steigende Transportkosten, längere Umroutungen über das Kap der Guten Hoffnung sowie erhöhte Versicherungsprämien belasten weiterhin internationale Lieferketten.
Begrenzte Mittel, hohe Anforderungen
Trotz ihrer strategischen Bedeutung operiert die Mission mit einer vergleichsweise schlanken Flotte. Der ASPIDES-Kommandeur hatte bereits auf die operative Herausforderung hingewiesen, mit einer begrenzten Zahl gleichzeitig verfügbarer Schiffe sowohl Bedrohungen abzuwehren als auch Eskorten durchzuführen.
Während regionaler Spannungsspitzen musste die Mission flexibel reagieren und eine kontinuierliche Präsenz gewährleisten – selbst in Phasen, in denen nationale Behörden ihren Handelsflotten erhöhte Sicherheitswarnungen aussprachen.
Mit einer erneuten strategischen Überprüfung Ende 2026 sendet die EU ein klares Signal: Die Freiheit der Schifffahrt und der Schutz zentraler globaler Handelsachsen bleiben europäische Kerninteressen.
VDR: Verlängerung ist notwendig
Bereits vor der formellen Verlängerung hatte der Verband Deutscher Reeder (VDR) am 11. Februar 2026 die Fortführung der Operation ASPIDES ausdrücklich gefordert.
Vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen den USA und dem Iran mahnte der Verband den konsequenten Schutz der internationalen Handelsschifffahrt im Nahen und Mittleren Osten an.
„Die Handelsschifffahrt erfüllt eine unverzichtbare Funktion für die weltweite Versorgung“, betonte VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger. „Unsere Seeleute und unsere Schiffe dürfen nicht zwischen die Fronten geopolitischer Auseinandersetzungen geraten. Zivile Schifffahrt muss aus militärischen Konflikten herausgehalten und, wo notwendig, geschützt werden.“
Der VDR verweist auf die enorme strategische Bedeutung der betroffenen Seehandelsachsen. Rund 20 Prozent des global gehandelten Rohöls passieren die Straße von Hormus. Gleichzeitig ist die Golfregion ein zentraler Knotenpunkt des Containerverkehrs. Allein der Hafen Jebel Ali in Dubai schlug 2024 rund 15,5 Millionen TEU um, etwa doppelt so viel wie der Hamburger Hafen.
Auch die Route durch das Rote Meer mit der Meerenge Bab al-Mandab und dem Suezkanal bleibt von zentraler Bedeutung: Rund zwölf Prozent des weltweiten Seehandels und etwa 30 Prozent des globalen Containerverkehrs verlaufen über diese Achse.
Nach erheblichen Beeinträchtigungen nutzen einzelne Reedereien ausgewählte Passagen inzwischen wieder auf Grundlage kontinuierlicher Lagebewertungen. Eine Eskalation der regionalen Spannungen könnte die Sicherheitslage jedoch erneut verschärfen.
Der VDR appelliert daher an alle beteiligten Staaten, die freie und sichere Passage auf internationalen Seewegen dauerhaft zu gewährleisten. In Deutschland sind rund 290 Reedereien ansässig, die weltweit tätig sind und zehntausende Seeleute beschäftigen.
Geopolitische Priorität mit haushaltspolitischer Dimension
Die Verlängerung von ASPIDES unterstreicht zudem, dass maritime Sicherheit längst nicht nur sicherheitspolitische, sondern auch wirtschafts- und haushaltspolitische Priorität besitzt. Die Stabilität globaler Seewege entscheidet unmittelbar über Energiepreise, Transportkosten, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit exportorientierter Volkswirtschaften – insbesondere in Europa.
Mitarbeit: Sabina Koll











