Das Wichtigste im Überblick
- Umsatz und operativer Gewinn steigen: Der Konzernumsatz wuchs im dritten Quartal um 12,6 Prozent auf 22,66 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (EBIT) um 16,2 Prozent auf 1,72 Milliarden Euro.
- Expressgeschäft als Gewinnmotor: DHL Express steigerte das EBIT um 50 Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Auch DHL Global Forwarding legte deutlich zu.
- Deutschlandgeschäft unter Druck: Bei Post & Paket Deutschland sank das operative Ergebnis um fast 30 Prozent. Höhere Personal-, Energie- und Transportkosten belasteten die Sparte.
- eCommerce mit starkem Ergebnisrückgang: Das ausgewiesene EBIT sank um 70,8 Prozent. Dabei spielte allerdings ein hoher positiver Einmaleffekt im Vorjahresquartal eine wesentliche Rolle.
- Prognose angehoben: Für das Gesamtjahr 2026 erwartet DHL ein EBIT von mehr als 7 Milliarden Euro und plant höhere Investitionen.
Expressgeschäft treibt das Konzernergebnis
Die am 5. November veröffentlichten Geschäftszahlen zeigen, dass DHL im dritten Quartal 2026 sowohl den Umsatz als auch die operative Profitabilität gesteigert hat.
Der Konzernumsatz stieg von 20,13 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf 22,66 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis erhöhte sich von 1,48 auf 1,72 Milliarden Euro. Die EBIT-Marge verbesserte sich um 0,3 Prozentpunkte auf 7,6 Prozent.
Auch der Konzerngewinn nach nicht beherrschenden Anteilen legte zu, allerdings weniger stark als das EBIT: Er stieg um 8 Prozent auf 907 Millionen Euro.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei DHL Express. Die Sparte erwirtschaftete einen Umsatz von knapp 7 Milliarden Euro, ein Plus von 19,2 Prozent. Das operative Ergebnis stieg sogar um 50 Prozent auf 1,04 Milliarden Euro. Damit entfielen rund 60 Prozent des gesamten Konzern-EBIT im dritten Quartal auf das Expressgeschäft.
Entscheidend war dabei nicht allein die Zahl der Sendungen. DHL richtete sein Angebot verstärkt auf zeitkritische, schwere Sendungen für Industriekunden aus. Dadurch stieg das transportierte Gewicht, während sich gleichzeitig die Auslastung des internationalen Netzwerks verbesserte.
Hinzu kamen Maßnahmen zur Kostenkontrolle sowie ein konsequenteres Ertrags- und Kapazitätsmanagement. Die EBIT-Marge von DHL Express erhöhte sich entsprechend von 11,8 auf 14,8 Prozent.
Allerdings profitierte die Sparte auch von einer besonderen Marktsituation. Zeitweilige Kapazitätsengpässe im internationalen Luftfrachtmarkt führten zu zusätzlicher Nachfrage, die DHL über sein eigenes Netzwerk bedienen konnte. Nach Konzernangaben ergaben sich daraus im dritten Quartal positive Ergebniseffekte von rund 100 Millionen Euro.
Dieser Betrag ist für die Einordnung der Geschäftszahlen wesentlich: Ein Teil des starken Ergebnisanstiegs geht auf temporäre Marktbedingungen zurück und lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres auf kommende Quartale übertragen.
DHL Global Forwarding profitiert von veränderten Handelsströmen
Auch das internationale Speditionsgeschäft entwickelte sich deutlich besser als im Vorjahr.
DHL Global Forwarding steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 23,4 Prozent auf 5,64 Milliarden Euro. Das EBIT wuchs um 32,7 Prozent auf 259 Millionen Euro. Die operative Marge verbesserte sich von 4,3 auf 4,6 Prozent.
Besonders dynamisch entwickelte sich laut DHL die Luftfracht auf Handelsrouten aus Asien. In der Seefracht sorgten höhere Transportvolumina aus Asien und Europa für Wachstum.
Die Entwicklung verdeutlicht, dass sich veränderte internationale Warenströme nicht zwangsläufig negativ auf global aufgestellte Logistikdienstleister auswirken müssen. Unternehmen mit einem breiten Netzwerk können zusätzliche Transportnachfrage bedienen, wenn Kunden ihre Beschaffungs- und Lieferketten anpassen.
Die Zahlen zeigen allerdings auch Unterschiede in der Ertragskraft: Während DHL Express im dritten Quartal eine EBIT-Marge von 14,8 Prozent erreichte, lag diese im Speditionsgeschäft bei 4,6 Prozent.
Kontraktlogistik wächst – aber die Marge gibt nach
DHL Supply Chain verzeichnete ebenfalls steigende Umsätze. Diese legten im dritten Quartal um 12 Prozent auf 4,94 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis erhöhte sich um 8,1 Prozent auf 301 Millionen Euro.
Allerdings entwickelte sich das Ergebnis langsamer als der Umsatz. Die EBIT-Marge sank von 6,3 auf 6,1 Prozent.
Wachstumsimpulse kamen insbesondere aus Nord- und Südamerika, unter anderem aus den Bereichen Technologie und Konsumgüter. Zudem meldete DHL ein hohes Volumen neuer Verträge, vor allem im Einzelhandel einschließlich E-Fulfillment sowie im Technologiesektor.
Bei der Betrachtung der ersten neun Monate zeigt sich jedoch, dass das Wachstum noch nicht durchgehend in höhere Gewinne umgesetzt werden konnte. Während der Umsatz von DHL Supply Chain im Zeitraum Januar bis September um 9,2 Prozent stieg, sank das EBIT leicht um 1,3 Prozent auf 882 Millionen Euro.
Die Division investiert deshalb weiter in Automatisierung, Digitalisierung und zusätzliche Logistikkapazitäten.
Post & Paket Deutschland: Kosten drücken auf die Profitabilität
Deutlich schwieriger stellt sich die Situation im deutschen Brief- und Paketgeschäft dar.
Post & Paket Deutschland erzielte im dritten Quartal einen Umsatz von 4,25 Milliarden Euro. Das entspricht lediglich einem Wachstum von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Das operative Ergebnis ging dagegen von 218 auf 153 Millionen Euro zurück – ein Minus von 29,8 Prozent. Die EBIT-Marge sank von 5,1 auf 3,6 Prozent.
Nach Angaben des Konzerns belasteten insbesondere höhere Personal-, Energie- und Transportkosten das Ergebnis. Hinzu kommt der anhaltende strukturelle Rückgang der Briefmengen.
Das nationale und internationale Paketgeschäft stützte zwar weiterhin die Geschäftsentwicklung. Allerdings verweist DHL auch auf Belastungen bei den Paketmengen durch die Abschaffung der De-minimis-Regelung in der Europäischen Union zum 1. Juli 2026.
Die Zahlen machen deutlich, dass eine stabile Umsatzentwicklung unter steigenden Betriebskosten nicht ausreicht, um das bisherige Ertragsniveau zu halten.
Auch über die ersten neun Monate betrachtet bleibt die Entwicklung verhalten: Der Umsatz von Post & Paket Deutschland stieg lediglich um 1,3 Prozent, während das EBIT um 16,9 Prozent auf 552 Millionen Euro zurückging.
Trotz des deutlichen Ergebnisrückgangs hält DHL an seiner Jahresprognose für Post & Paket Deutschland fest. Für 2026 erwartet der Konzern weiterhin ein operatives Ergebnis von mehr als 900 Millionen Euro.
DHL eCommerce: Gewinnrückgang trotz organischen Wachstums
Auf den ersten Blick fällt die Entwicklung bei DHL eCommerce noch schwächer aus.
Der ausgewiesene Umsatz sank im dritten Quartal um 6,4 Prozent auf 1,59 Milliarden Euro. Das EBIT ging um 70,8 Prozent auf 51 Millionen Euro zurück. Die operative Marge sank von 10,4 auf 3,2 Prozent.
Die Zahlen bedürfen allerdings einer differenzierten Betrachtung.
Organisch, also bereinigt um Veränderungen im Unternehmensportfolio, erzielte DHL eCommerce ein Umsatzwachstum von rund 6 Prozent. Der Rückgang des ausgewiesenen Umsatzes hängt insbesondere mit der Entkonsolidierung von Geschäftsaktivitäten im Vereinigten Königreich und in Portugal zusammen.
Auch der starke Ergebnisrückgang ist nicht ausschließlich auf das laufende Geschäft zurückzuführen. Im dritten Quartal 2025 hatte die Division von positiven Einmaleffekten in Höhe von 123 Millionen Euro profitiert. Diese erhöhten die damalige Vergleichsbasis erheblich.
Die aktuellen Zahlen zeigen somit zwar einen deutlichen Rückgang des ausgewiesenen Ergebnisses, erlauben für sich genommen aber keinen entsprechenden Rückschluss auf die Entwicklung der operativen Ertragskraft im vergleichbaren Geschäft.
Die Geschäftszahlen der DHL-Divisionen im Vergleich
| Geschäftsbereich | Umsatz Q3 2026 | Veränderung | EBIT Q3 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| DHL Express | 7,00 Mrd. € | +19,2 % | 1.038 Mio. € | +50,0 % |
| DHL Global Forwarding | 5,64 Mrd. € | +23,4 % | 259 Mio. € | +32,7 % |
| DHL Supply Chain | 4,94 Mrd. € | +12,0 % | 301 Mio. € | +8,1 % |
| DHL eCommerce | 1,59 Mrd. € | −6,4 % | 51 Mio. € | −70,8 % |
| Post & Paket Deutschland | 4,25 Mrd. € | +0,3 % | 153 Mio. € | −29,8 % |
Quelle: DHL Group, Finanzkennzahlen Q3 2026. Veränderungen gegenüber dem dritten Quartal 2025.
Höherer Gewinn, aber weniger Free Cashflow im Quartal
Auch die Entwicklung des Cashflows zeigt, dass das Ergebniswachstum nicht in allen Kennzahlen gleichermaßen sichtbar wird.
Der Free Cashflow ohne M&A sank im dritten Quartal auf 901 Millionen Euro, nachdem er ein Jahr zuvor noch bei rund 1,2 Milliarden Euro gelegen hatte.
DHL nennt in diesem Zusammenhang Netto-Mittelabflüsse von 256 Millionen Euro im Zusammenhang mit den US-Zöllen nach dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA).
Über die ersten neun Monate fällt die Bilanz dagegen positiv aus. Der Free Cashflow ohne M&A stieg von 2,3 auf 2,7 Milliarden Euro.
Auch der Konzerngewinn erhöhte sich: In den ersten neun Monaten 2026 erwirtschaftete DHL einen Gewinn nach nicht beherrschenden Anteilen von 2,73 Milliarden Euro, 11,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
DHL investiert stärker in neue Logistikmärkte
Parallel zur Verbesserung des operativen Ergebnisses baut DHL seine Investitionen aus.
In den ersten neun Monaten 2026 investierte der Konzern rund 2,2 Milliarden Euro in erworbene Vermögenswerte. Das waren 532 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum.
Für das gesamte Geschäftsjahr plant DHL inzwischen Investitionen von rund 3,6 Milliarden Euro. Zuvor hatte der Konzern einen Betrag zwischen 3,0 und 3,3 Milliarden Euro vorgesehen.
Im Mittelpunkt stehen neben der Modernisierung und Automatisierung bestehender Netzwerke neue Wachstumsfelder. Dazu zählen die Logistik für die Gesundheitsbranche, neue Energien, E-Commerce und Rechenzentren.
Insbesondere bei der Rechenzentrumslogistik baut DHL Supply Chain zusätzliche Lagerkapazitäten in Nordamerika auf und erweitert seine Präsenz im asiatisch-pazifischen Raum. Der Konzern will dabei Leistungen unterschiedlicher Divisionen miteinander verbinden.
Jahresprognose bestätigt: DHL erwartet mehr als sieben Milliarden Euro EBIT
Bereits am 16. Oktober hatte DHL seine Ergebnisprognose für 2026 zum zweiten Mal angehoben. Nach Veröffentlichung der endgültigen Quartalszahlen bleibt der Konzern bei dieser Einschätzung.
Für das Gesamtjahr erwartet DHL nun ein operatives Ergebnis von mehr als 7 Milliarden Euro. Zuvor lag die Prognose bei mehr als 6,5 Milliarden Euro.
Auch die Erwartung für den Free Cashflow ohne M&A wurde von rund 3 Milliarden auf mehr als 3,2 Milliarden Euro erhöht.
Nach den ersten neun Monaten steht der Konzern bei einem Umsatz von 65,45 Milliarden Euro und einem EBIT von 5,05 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Umsatzwachstum von 7,7 Prozent und einem Ergebnisanstieg von 18,1 Prozent.
Um die prognostizierte EBIT-Schwelle von 7 Milliarden Euro zu überschreiten, müsste DHL im Schlussquartal noch mehr als rund 1,95 Milliarden Euro operatives Ergebnis erwirtschaften.
Der Konzern verweist dabei auf erste Anzeichen einer robusten saisonalen Entwicklung im vierten Quartal.
Die Quartalsbilanz zeigt jedoch auch, wie unterschiedlich sich die einzelnen Logistiksegmente entwickeln. Während Express- und Speditionsgeschäft von internationaler Transportnachfrage und einer besseren Netzauslastung profitieren, belasten steigende Kosten das deutsche Post- und Paketgeschäft. Für DHL bleibt damit nicht nur das weitere Wachstum entscheidend, sondern vor allem die Frage, in welchen Geschäftsbereichen sich zusätzliche Umsätze auch dauerhaft in höhere Gewinne übersetzen lassen.









