Wohl jeder Logistiker will wissen, wann ein Lkw zum Be- und Entladen eintrifft. Weil Staus und andere Zwischenfälle die Ankunftszeit jederzeit verzögern können, haben IT – Tools Konjunktur, welche die Estimated Time of Arrival (ETA) aus Telematik-, Stau- und Wetterdaten regelmäßig berechnen und aktualisieren.

Seit rund einem Jahr bietet auch die BTK Befrachtungs- und Transport GmbH, Rosenheim, ihren Kunden eine solche Lösung an. Ein IT-kundiger Mitarbeiter hat die Speditionssoftware um eine Applikation ergänzt, welches für den ETA zusätzlich die Ladezeiten an Rampen ermittelt. Das beherrschen andere Systeme nicht. Von einer „selbstlernenden Lösung“ spricht BTK stolz. „Vor allem Touren mit mehreren Stopps können jetzt optimiert werden“, sagt Geschäftsführer Joseph Heiß.

Zwei Konzepte für den Einstieg

Ein solches Highlight ist das Resultat einer konsequenten Digitalisierung, welche BTK vor Jahren eingeleitet hat. Wenn der Logistikbranche heute eine hohe IT-Kompetenz zugesprochen wird, dann haben kleine und mittlere Unternehmen wie das Rosenheimer Unternehmen einen nicht zu unterschätzenden Anteil an diesem Ruf. Zwei Strategien haben sich durchgesetzt. Die meisten Branchenunternehmen rüsten zuerst ihre Lkw-Flotte mit Telematikgeräten aus und investieren dann in Flottenmanagement- und Tourenplanungslösungen. Andere digitalisieren zuerst ihre Buchhaltung und packen anschließend Transport- und Lagerprozesse an.

Gerade eine digitale Buchhaltung sorgt erfahrungsgemäß schnell für einen Aha-Effekt“, weiß Daniel Matthias Giel, Gründer der Unternehmensberatung “Die Speditionsexperten“ in Köln.

Wenn ein Transport abgeschlossen ist, löst diese sofort die Rechnung aus, prüft den pünktlichen Zahlungseingang und verschickt, wenn nötig, Mahnungen.

Mit beiden Strategien können weiterhin auch sehr kleine Unternehmen erfolgreich in die Digitalisierung einsteigen“, resümiert Giel.

Als Konsequenz werden sie sehr schnell wirtschaftlicher arbeiten, wie die bisherigen Erfahrungen fast einhellig zeigen.

Mit einer digitalisierten Buchhaltung stellt der Logistikunternehmer nicht nur sicher, dass Rechnungen pünktlich an Auftraggeber verschickt werden. Außerdem erfüllt er alle Anforderungen des Gesetzgebers an ein ordnungsgemäßes Rechnungswesen und muss nicht bei Betriebsprüfungen Blut und Wasser schwitzen. Mit einer Telematiklösung können er bzw. die Disponenten Fahrzeuge jederzeit an den Bildschirmen ihrer Desktops bzw. Laptops verfolgen und für eine optimale Auslastung und Tourenführung sorgen. Wenn sie den Fahrern unterwegs zusätzliche Aufträge übermitteln, werden sie auch Routen neu planen bzw. Lenk- und Ruhezeiten sowie weitere Eckpunkte berechnen. Alternativ können auch die Fahrer mit dem Smartphone oder der Onboard Unit (OBU) auf Plattformen wie Trans.eu zusätzliche Sendungen und Ladungen abrufen und die optimale Route für die Rückfahrt ermitteln.

Sprechen Sie mit einem Berater über Lösungen, welche für ihr Unternehmen geeignet sind“, rät Giel. Denn die IT-Systeme müssen sorgfältig ausgesucht werden, die Produktvielfalt ist „riesig“ (Giel).

Fördergelder nutzen

Und die Berater selbst können mit Fördergeldern bezahlt werden, wenn ihre Leistungen nachweislich der „Effizienzsteigerung“ des Unternehmens dienen. Das De Minimis-Förderprogramm des Bundesamts für Güterverkehr (BAG) übernimmt dann maximal 80 Prozent der förderfähigen Kosten. Die Zuwendungen selbst müssen bis 31. Dezember 2021 verwendet werden, der Förderhöchstbetrag liegt bei 33.000 Euro und wird in der Regel nur ausgeschöpft, wenn mehrere Förderanträge gestellt werden.

Mit Digitalisierungsmaßnahmen steigern Unternehmen eigentlich immer ihre Effizienz“, macht Giel Mut.

Bei Buchhaltung und Rechnungswesen werden viele Berater auch auf Datev hinweisen. Der 1966 gegründete IT-Dienstleister hat nicht nur für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, sondern auch für deren Mandanten praxisnahe Lösungen entwickelt. Alternativ werben unzählige Softwarehäuser mit Produkten, welche sich vor allem an kleine Unternehmen oder Existenzgründer wenden.

Bei Telematiklösungen ist der Markt noch unübersichtlicher. Weil unternehmensübergreifende Standards fehlen, haben eine Flut von Anbietern Einzelsysteme und Extraschnittstellen entwickelt. Vor allem für Flotten unter zehn Lkw gibt es unzählige Lösungen, die allenfalls nach Fahrzeugklassen ab Transportern aufwärts differieren.

Wenn der Flottenbetreiber zusätzlich Lagerdienstleistungen anbietet, liegt eine Speditionssoftware nahe. Solche Produkte bündeln Auftrags-, Fuhrpark-, Lager- und Dokumentenmanagement in einem System. Das macht Sinn: Erfahrungsgemäß können Speditionen, die in der digitalen Welt schnell Fuß gefasst haben und über ausreichend Investitionsmittel verfügen, auch ihre Angebote für Lagerlogistik rasch ausbauen. Häufig sind sogar anspruchsvolle Kontraktlogistiklösungen für verladende Unternehmen möglich. Weil die meisten Geschäftspartner in Industrie und Handel ihre Betriebsprozesse längst digitalisiert haben, setzen sie solche Erfahrungen auch bei den Dienstleistern voraus. Ausschließlich Bewerber, welche ihre Systeme über Schnittstellen an die Lösungen ihrer künftigen Auftraggeber andocken können, kommen in die engere Wahl.

Mit diesem Vorgehen konnte BTK während der letzten Jahre neue Kunden unter anderem in der Baustoff-, Chemie-, Glas-, Getränke-, Holzwerkstoff- und Lebensmittelindustrie gewinnen. Viele nahmen erst Transportdienstleistungen der Bayern in Anspruch und nutzten dann IT-gestützte Lagerdienstleistungen wie Bestandsmanagement, Kommissionierung, Warenkonfektionierung und Verpackung. BTK bietet diese Dienstleistungen wahlweise am Kundenstandort oder in zwei eigenen Lagern an. Und wenn Kunden einmal eine besondere digitale Applikation wünschen, realisieren BTK-Mitarbeiter diese.

Das ETA-Tool wird kein Einzelfall bleiben“, ist Heiß überzeugt.

Foto: Wikimedia/Travelarz CC SA 3.0

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