Das britische Transportministerium (Department for Transport) schlug eine Reihe von Änderungen in der Straßenverkehrsordnung (“Highway Code”) vor, welche ernste Bedenken bei Vertretern der Transportbranche erwecken. Die neuen Vorschriften bürden den Lastkraftwagenfahrern größere Verantwortung bei Kollisionen auf und platzieren sie in der Hierarchie der Verkehrsteilnehmer ganz unten.

Der britische Güterverkehrsverband (Road Haulage Association, RHA) will seine Beunruhigung nicht verbergen, dass die vom Transportministerium in der Straßenverkehrsordnung vorgeschlagenen Änderungen ausgelöst haben. Der RHA bezeichnet manche von Vorschlägen als gefährlich und unverantwortlich.

Das Transportministerium schlug drei Kernänderungen in der Straßenverkehrsordnung vor:

  • alle Fahrer müssen Fußgängern, welche die Straße überqueren oder auf die Überquerung warten, Vorrang gewähren,
  • Radfahrer haben auf Kreuzungen, wenn sie geradeaus fahren, Vorfahrt,
  • Einführung der Hierarchie von Verkehrsteilnehmern.

In der vorgeschlagenen Hierarchie der Verkehrsteilnehmer haben die Fußgänger den höchsten Rang, dann kommen die Radfahrer, Motorradfahrer, PKW- und Lieferwagenfahrer und die Lastkraftwagenfahrer wurden auf die unterste Stufe gesetzt. Damit geht die größere Verantwortung des Truckers gegenüber den Verkehrsteilnehmer, die in der Hierarchie höher stehen, also eigentlich allen sonstigen, einher.

Der RHA überzeugt in einer offiziellen Mitteilung, an laufenden öffentlichen Abstimmungen zu den vorgeschlagenen Vorschriften, die bis 27. Oktober 2020 dauern, teilzunehmen.

Diese Änderungen würden den einfachen Grundsatz anfechten, dass wir im Straßenverkehr für die eigene und die Sicherheit von allen anderen Teilnehmern verantwortlich sind. Unserer Meinung nach wird diese Verantwortung auf die rechtliche Verantwortung übertragen”, wettert die britische Organisation.

Die Vertreter der Beförderungsbranche, im RHA vereinigt, sehen keinen Grund, die Fahrer der größten Fahrzeuge mit der größten Verantwortung zu belasten.

Warum sollten manche Verkehrsteilnehmer weniger Verantwortung und Pflichten als andere haben?”, fragt der Verband rhetorisch.

Darüber hinaus könnten die vorgeschlagenen Vorschriften in der Praxis gefährlich werden. Nach den neuen Vorschriften sollten Auto- und Motorradfahrer auf einer Kreuzung nicht abbiegen, wenn das zur Folge hätte, dass der geradeaus fahrende Radfahrer dadurch gezwungen würde, anzuhalten. Das bedeutet, dass wenn der Lastkraftwagenfahrer links abbiegen möchte, müsste er einem von hinten fahrenden Radfahrer, der an ihm vorbeizufahren versucht, Vorfahrt gewähren. Laut RHA schafft das eine für den Radfahrer gefährliche Situation und hat zur Folge, dass der Lastkraftwagenfahrer rechtlich verantwortlich ist.

Foto: Trans.INFO

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