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Traditionsspediteur Euba Logistic unter vorläufiger Gerichtskontrolle

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Die Kostenwelle trifft die europäische Logistikbranche erneut mit voller Wucht. In Deutschland steht nun Euba Logistic im Fokus: Der seit mehr als 76 Jahren aktive Transportdienstleister wurde unter vorläufige gerichtliche Aufsicht gestellt. Als Hauptursachen nennt das Unternehmen vor allem gestiegene Kraftstoff- und Personalkosten.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Der Fall aus Angermünde ist dabei kein Einzelfall. In der deutschen Transport- und Logistikbranche nimmt der Druck spürbar zu: mehr Insolvenzen, engere Margen und weiter steigende Betriebsausgaben.

Etablierter Anbieter gerät unter Druck

Euba Logistic ist seit mehr als 76 Jahren am Markt tätig. Rund 145 Beschäftigte arbeiten für das Unternehmen, der Jahresumsatz liegt bei etwa 18 Millionen Euro. In den vergangenen Monaten hat sich die wirtschaftliche Lage jedoch deutlich verschärft. Vor allem höhere Kraftstoffpreise und steigende Lohnkosten haben die finanzielle Stabilität zunehmend belastet.

Gleichzeitig betont das Unternehmen, dass es bestehende Aufträge weiterhin bedient und der Betrieb uneingeschränkt weiterläuft. Zudem werde mit Kunden über die Fortsetzung der Zusammenarbeit gesprochen.

Kostenanstieg belastet die Liquidität

Nach Angaben des vorläufigen Verwalters ist die Verschlechterung der finanziellen Situation vor allem auf höhere Ausgaben für Kraftstoff und Personal zurückzuführen, die den Haushalt in den vergangenen Jahren zunehmend belastet haben.

Für die Belegschaft ist eine Absicherung über Insolvenzgeld für den Zeitraum von April bis Juni 2026 vorgesehen. Das soll Zeit schaffen, um eine mögliche Sanierung vorzubereiten und den laufenden Betrieb zu stabilisieren.

Transport und Lagerhaltung besonders insolvenzanfällig

Der Vorgang bei Euba Logistic passt in ein größeres Bild. Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass Transport und Lagerhaltung im gesamtwirtschaftlichen Vergleich weiterhin die höchste Insolvenzneigung aufweisen. 2025 wurden in Deutschland 24 064 Insolvenzverfahren registriert – ein Plus von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit 2014.

Besonders auffällig ist der Bereich Transport, Schifffahrt und Logistik:

  • 133 Insolvenzen je 10 tausend Unternehmen in Transport und Lagerhaltung

Zum Vergleich:

  • Gastronomie – 108
  • Bau – 104
  • wirtschaftliche Dienstleistungen – 100

Die Werte machen deutlich, dass Transport und Logistik besonders empfindlich reagieren, wenn Kosten schwanken und der operative Druck steigt.

Immer mehr Unternehmen rutschen in die Risikozone

Mit steigenden Insolvenzzahlen wächst auch die Zahl der Betriebe, die als gefährdet gelten, zahlungsunfähig zu werden. Schätzungen zufolge befinden sich rund 322 tausend Unternehmen in Deutschland in einer erhöhten Risikokategorie – das entspricht 10,3 Prozent aller Unternehmen.

Analysen führen diese Entwicklung auf ein schwächeres konjunkturelles Umfeld und anhaltenden Kostendruck zurück – besonders bei Energie und Logistik.

Sanierung statt Stilllegung

Bei Euba Logistic wurde ein Weg gewählt, der den Fortbestand ermöglichen soll. Statt einer sofortigen Abwicklung läuft ein Aufsichtsverfahren, das dem Unternehmen die Chance geben soll, den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Für den Markt ist das einerseits ein Versuch, Stabilität und Kontinuität zu sichern – andererseits ein Belastungstest für ein Geschäftsmodell im Straßengüterverkehr, das zunehmend von steigenden Betriebskosten geprägt ist.

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