AdobeStock/Pixavril

Transportmarkt kippt: Mehr Insolvenzen, weniger Kapazität

Lesezeit 5 Min.

Steigende Dieselpreise, sinkende Margen und erste spektakuläre Insolvenzen: Die deutsche Transportbranche steht unter massivem Druck. Verbände schlagen Alarm - und auch europaweit verdichten sich die Krisensignale.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Die Stimmung in der deutschen Transportbranche verschlechtert sich weiter – und das zunehmend sichtbar. Branchenvertreter rechnen mit einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen.

„Bei den derzeitigen Rahmenbedingungen werden die Insolvenzen weiter steigen“, sagte Dirk Engelhardt, Präsident des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), der Deutschen Presse-Agentur. Besonders betroffen seien kleine und mittlere Unternehmen.

Seine Einschätzung fällt ungewöhnlich deutlich aus: „Die Lage ist im Moment katastrophal“, so Engelhardt weiter.

Kosten steigen, Einnahmen schrumpfen – der Druck nimmt zu

Hinter dieser Entwicklung steht vor allem eine Kombination aus steigenden Kosten und schwacher Nachfrage.

Die Kraftstoffpreise haben sich zuletzt deutlich erhöht – insbesondere seit den geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Für viele Transportunternehmen bedeutet das unmittelbaren Kostendruck.

Gleichzeitig ist die wirtschaftliche Ausgangslage bereits seit Monaten angespannt.

„Der Wirtschaft geht es insgesamt sehr schlecht. Weil es ihren Kunden schlecht geht, leidet auch die Logistikbranche“, erklärte Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des DSLV, ebenfalls gegenüber der dpa. „Der Umsatz und die Rendite schmelzen.“

Hinzu kommen strukturelle Probleme, die sich weiter verschärfen. Allen voran der Fahrermangel: Rund 120.000 LKW-Fahrer fehlen laut BGL aktuell – mit steigender Tendenz.

Wenn Kapazitäten verschwinden, bevor sie fehlen

Die Folgen zeigen sich nicht nur in Insolvenzen. Parallel ziehen sich viele Unternehmen schrittweise aus dem Markt zurück.

Nach Angaben von BGL-Präsident Engelhardt reduzieren insbesondere mittelständische Betriebe ihre Kapazitäten – ein Prozess, der in keiner Statistik sichtbar wird, aber erhebliche Auswirkungen haben kann. Sollte die Nachfrage wieder anziehen, könnten Transportkapazitäten kurzfristig fehlen.

Diese Entwicklung gilt in der Branche als besonders kritisch, weil sie leise verläuft – und erst dann sichtbar wird, wenn sie bereits zum Problem geworden ist.

Druck entlädt sich auf der Straße

Wie angespannt die Lage inzwischen ist, zeigt sich auch abseits von Zahlen und Prognosen.

Am 17. April gingen Speditionen und Transporteure in Leipzig mit einem LKW-Konvoi auf die Straße. Unter dem Motto „Speditionen und Transporteure auf die Straße“ machten sie auf steigende Kosten und fehlende Entlastungen aufmerksam.

Ein Fahrer brachte die Situation vor Ort auf den Punkt: „Es ist alles nicht mehr finanzierbar.“ Viele Betriebe lebten aktuell von ihren Rücklagen, heißt es aus Teilnehmerkreisen.

Unterstützung kam auch aus der Wirtschaft: Die Industrie- und Handelskammer Leipzig forderte strukturelle Reformen und warnte vor einer weiteren Verschärfung der Lage für den Mittelstand.

Insolvenzen nehmen zu – erste Namen stehen bereits im Raum

Parallel dazu verdichten sich die Anzeichen für eine steigende Zahl an Unternehmensinsolvenzen.

Mit Betz International ist zuletzt ein bekanntes Transportunternehmen in finanzielle Schieflage geraten. Auch bei anderen Marktteilnehmern wird die Lage zunehmend kritisch bewertet – Beobachter sehen etwa bei größeren Logistikern wie Duvenbeck wachsenden wirtschaftlichen Druck.

Analysen, unter anderem des Softwareanbieters Datev, zeigen: Die Zahl der Insolvenzen im Transportsektor nähert sich wieder dem Vorkrisenniveau an. Besonders betroffen sind mittelständische Betriebe mit begrenzter finanzieller Reserve.

Europa zeigt ein ähnliches Bild – Italien vor Stillstand

Die Entwicklung beschränkt sich dabei nicht auf Deutschland. Auch in anderen europäischen Märkten verschärft sich die Lage.

In Italien etwa warnen Branchenanalysen vor einer möglichen Insolvenzwelle. In der Region Venetien könnten bis zu 800 Transportunternehmen bis Jahresende vom Markt verschwinden.

Als Hauptursachen gelten auch dort steigende Dieselpreise und zunehmende Liquiditätsprobleme. Während Kraftstoffkosten sofort bezahlt werden müssen, erfolgen Zahlungseingänge oft erst nach mehreren Wochen oder Monaten – ein strukturelles Risiko, das sich in der aktuellen Situation deutlich verschärft.

Gleichzeitig spitzt sich die Lage akut zu: Seit heute, dem 20. April, läuft ein landesweiter Streik im Straßengüterverkehr. Die Aktion soll bis zum 25. April andauern und könnte zu einem nahezu vollständigen Stillstand der LKW-Verkehre führen.

Ausgerufen wurde der Streik von der Frachtführervereinigung Trasportounito. Hintergrund sind auch hier die hohen Dieselpreise sowie die begrenzten Möglichkeiten, diese Kosten an Auftraggeber weiterzugeben. Trotz formaler Einwände der Streikaufsicht ist der Ausstand weiterhin im offiziellen Register des Verkehrsministeriums gelistet – eine Absage liegt nicht vor.

Branchenbeobachter rechnen daher mit erheblichen Auswirkungen auf nationale und internationale Lieferketten. Bereits ein regionaler Streik in Sizilien hatte zuletzt gezeigt, wie schnell es zu massiven Störungen kommen kann: Tausende Trailer standen still, Lieferketten gerieten ins Stocken.

Tags:

Auch lesen