Das Deutsche Ifo-Institut hat soeben seine Wirtschaftsprognose aktualisiert. Sie kündigt  an, wann die Lage der deutschen Wirtschaft und ihrer einzelnen Zweige (einschließlich der Logistik) zum Stand vor der Krise zurückkehren wird.

Nach der jüngsten Aktualisierung der Wirtschaftsprognose des Ifo-Instituts wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr sogar um 6,6% schrumpfen. Das ist noch schlimmer als noch Anfang Mai erwartet, als der Rückgang vom BIP auf 6,3% geschätzt wurde. 2009 war selbst die globale Krise weniger schmerzhaft – damals betrug der Rückgang 5,7%. Deutschland wird also in diesem Jahr den größten Einbruch in seiner Nachkriegsgeschichte verzeichnen.

Aber es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Experten des Ifo-Instituts erwarten, dass die Wirtschaft im kommenden Jahr um 10,2% wachsen wird.

„Nach einem kräftigen Einbruch im zweiten Quartal 2020 um 12,4 Prozent dürfte sich damit die Konjunktur bis Mitte nächsten Jahres erholen. Erst dann werden wieder so viele Waren und Dienstleistungen produziert wie in einer Situation ohne Coronakrise“, fügt Wollmershäuser hinzu.

Die Prognose hängt jedoch weitgehend davon ab, wie schnell sich die Geschäftslage der Unternehmen wieder normalisieren wird.

Sie halten im Schnitt [nach Angaben der Befragten – Anm. d. Red.] eine Normalisierung ihrer eigenen Geschäftslage in neun Monaten für den wahrscheinlichsten Fall, sagt Wollmershäuser.

Im besten Fall behaupten die Unternehmen, dass die Normalisierung im Durchschnitt nur fünf Monate dauern kann. Dann würde das BIP in diesem Jahr nur um 3,9 Prozent sinken, und das Wachstum im nächsten Jahr würde 7,4 Prozent betragen.

Zum Vergleich: Polen, das Anfang dieses Jahres zum fünftgrößten Handelspartner Deutschlands wurde (nach der Überholung Italiens und mit einer Handelsbilanz mit Deutschland in Höhe von 21 Milliarden Euro), wird nach der jüngsten Prognose von Fitch Ratings in diesem Jahr einen Rückgang seines BIP um 3,2% verzeichnen. Für das kommende Jahr wird dagegen ein Wachstum von 4,5% erwartet.

Wie schnell werden sich Logistik und Transport in Deutschland erholen?

Nach der Prognose des Instituts dürfte die Logistik- und Transportbranche durchschnittlich acht bis neun Monate brauchen, um sich zu normalisieren. Dies ist nach Meinung der Befragten am wahrscheinlichsten.

Der Straßengüterverkehr dürfte in 9 Monaten zunehmen, wobei das optimistischste Szenario eine Rückkehr zur Normalität in etwa 5 Monaten vorsieht. Im schlimmsten Fall, so die Befragten, könnte dies bis zu 16 Monate dauern.

Die Situation in der Kurier- und Lagerindustrie wird sich etwas schneller verbessern – in 8 Monaten. Der KEP-Sektor könnte sich im besten Fall in etwa 3-4 Monaten erholen, im schlimmsten Fall in 13 Monaten. Die Lagerhausindustrie wird frühestens in 5 Monaten, spätestens in 16 Monaten, zu ihrer Lage vor der Krise zurückkehren.

Die deutsche Automobilindustrie, die für viele Spediteure wichtig ist, wird sich am längsten unter allen anderen Branchen erholen. Die wahrscheinlichste Laufzeit beträgt 12 Monate, die optimistischste etwa 6-7 Monate. Nach dem Worst-Case-Szenario werden die deutschen Automobilhersteller jedoch bis zu 2 Jahre benötigen, um wieder auf die Beine zu kommen und ihre vor der Pandemie herrschende Form wiederzuerlangen.

Die neue Prognose geht davon aus, dass das Coronavirus zwar in den kommenden Monaten nicht besiegt werden kann, seine Ausbreitung jedoch begrenzt und eine zweite Infektionswelle vermieden werden kann. Ifo-Experten schließen eine Insolvenzwelle aus, „sowohl in Deutschland als auch in seinen Absatz- und Beschaffungsmärkten, die zu Verwerfungen im Finanzsystem führen und die eine Neuausrichtung globaler Wertschöpfungsketten erfordern könnte”.

Auch die globale Logistik wird einen Aufschwung erleben

Nach der COVID-19-Pandemie wird erwartet, dass der globale Logistikmarkt von 2 734 Milliarden USD im Jahr 2020 auf 3 215 Milliarden USD im Jahr 2021 wachsen wird. Dies ist ein Wachstum von 17,6% im Vergleich zum Vorjahr.

Die Hauptantriebskräfte dieses Marktes sind das wachsende Interesse an der kontinuierlichen Versorgung mit grundlegenden Waren, die Schaffung von Task Forces zur Stabilisierung der Lieferkette zur Bekämpfung von COVID-19 und die wachsende Nachfrage und Verteilung von persönlicher Schutzausrüstung, so ein Bericht über die Auswirkungen von Coronavirus auf den Logistikmarkt nach Industrie, Verkehrsträger und Region (Global Logistics Supply Chain Industry Market post COVID-19 von Transport Intelligence). Die Faktoren, die den Logistikmarkt begrenzen, sind wiederum der Mangel an Arbeitskräften und das Fehlen von COVID-19-Tests. Experten zufolge wird das Wachstum im nächsten Jahr um etwa 10-15 Prozent geringer ausfallen als vor der Coronavirus-Epidemie geschätzt.

Foto: Pixabay/Giraffew

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