Der Spezialist für Bestandssenkung und Lieferfähigkeit Abels & Kemmer hat eine Studie zu den Auswirkungen von Corona auf das Supply Chain Management präsentiert. Diese hat ergeben, dass signifikante Veränderungen der Lieferantenstrukturen auf uns zukommen.

An der von Abels & Kemmner vom 20. April bis 24 April 2020 durchgeführten Umfrage haben 250 deutsche Unternehmenslenker und Supply Chain Experten teilgenommen. Die Umfrageergebnisse deuten auf eine deutliche Verlangsamung bis hin zu einem sogar deutlichen Rückgang des Globalisierungstrends in der Beschaffung hin und eine Etablierung der Tendenz „zurück nach Europa”.

Beschaffung in Europa wird steigen

Den Experten zufolge könnten Beschaffungsregionen wie DACH, EU-Mitgliedsstaaten und Norwegen deutlich an Bedeutung gewinnen, der Ferne Osten dagegen aber abnehmen. Jeder sechste Befragte geht sogar von einer deutlich steigenden Beschaffung in Europa und dem jeweiligen Heimatland aus. Die wirtschaftliche Aggression Chinas Chinas, das erratische Verhalten der amerikanischen Bundesregierung sowie der Brexit könnten diesen Trend zusätzlich noch beschleunigen.Insgesamt haben rund zwei Drittel der Befragten angegeben, dass die Bedeutung der europäischen und nationalen Beschaffungsmärkten wachsen wird. Die Fachleute wiesen auch auf die Notwendigkeit einer Rebalancierung der Lieferketten hin. Die Hälfte der Befragten gab jedoch auch an, dass sich die Bedeutung des Preiskriteriums zukünftig nicht verändern wird. Von einer leichten Abnahme gehen 25 Prozent aus und von einer deutlichen 2 Prozent. Dies ist insofern interessant, dass der Einkaufspreis bisher der Hauptgrund für das Asian Sourcing war.

Darüber hinaus erwarten die Befragten, dass Beschaffungs-, Produktions- und Distributionsketten in der Zukunft schneller werden müssen. „Schnelle und durch regionalere Beschaffung auch kürzere Supply Chains erlauben ein agiles Supply Chain Management, das sich flexibel auf Störungen auf der Beschaffungs- und Nachfrageseite einstellen kann, sofern ausreichende Bestände kurzfristige Störungen abfedern können”, heißt es in der Studie.

Digitalisierung und Automatisierung werden an Bedeutung zunehmen

Auf die Frage, ob die Corona-Krise bei Supply Chain Transparenz und Supply Chain Risk Management zu nachhaltigen Veränderungen führen wird,  waren sich die Befragten relativ einig, dass das Supply Chain Risikomanagement deutlich ausgebaut werden wird, äußerten aber zugleich Zweifel, ob die Supply Chain Transparenz bis ins letzte Lieferglied vorangetrieben werden kann.

Positiv zu deuten ist,  dass knapp zwei Drittel der befragten Experten der Meinung sind, dass die Bedeutung der Automatisierung in der Produktion zunehmen wird. Ein ähnliche Einstellung herrscht hinsichtlich der Digitalisierung: so erwartet die Mehrheit der Befragten    einen Digitalisierungsschub im gesamten Supply Chain Management. 86 Prozent erwarten zudem , dass im Supply Chain Planning die IT-Unterstützung auch nach der Krise voran kommen wird. Dies ist definitiv eine positive Tendenz, denn wie die Autoren der Studie zu Recht betonen, hat der Stresstest der Corona-Krise allen Unternehmen die noch vorhandenen Digitalisierungslücken deutlich gemacht.

Foto: canva

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