Derzeit verschieben sich die Spielregeln für die Globalisierung. Sie sorgen für einen Schub von Veränderungsprozessen, die häufig schon vorher auf dem Weg waren. E-Commerce und die Digitalisierung, die seit Jahren bereits für veränderte Geschäftsmodelle sowie einen erhöhten Flächenbedarf an Lager- und Logistikimmobilien sorgen, werden sich weiterentwickeln. Darüber hinaus braucht es neue Lösungen für lückenlose Wertschöpfungs- und Logistikketten.

Wie uns die vergangenen Monate gezeigt haben, sind die weltweiten Verpflechtungen und Abhängigkeiten aufgrund der langjährigen Globalisierungsstrategie vieler Branchen und Unternehmen sehr groß. Lieferketten wurden unterbrochen, Reisen abgesagt und der Konsum verschoben.

1. Schutz der Lieferkette

Ziel wird es sein, sich zukünftig vor Lieferengpässen zu schützen und die Verfügbarkeit von lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen zu sichern. In Deutschland – und innerhalb von Europa. Hierfür werden globale Wertschöpfungsketten und die „Just in time“-Produktion überarbeitet werden mit dem Ziel, eine breitere Risikostreuung zu erreichen. Mit diesen Veränderungen wird ein erhöhter Bedarf an Logistikflächen im Inland und in Europa einhergehen. Gefragt sein werden zusätzliche Standorte insbesondere für Pufferlager oder für den After Sales Bereich.

2. Vergrößerter Radius zum Produktionsstandort

Um eine höhere Krisenresistenz, aber auch Unabhängigkeit zu erzielen, werden viele Unternehmen zudem ihre Kosten für Lagerhaltung und Produktion neu bewerten. Während früher Fahrzeiten von nur 30 Minuten zur nächsten bevölkerungsreichen Metropolregion beziehungsweise zum Produktionsstandort die Regel waren, wird zukünftig ein größerer Radius in Betracht gezogen werden. Zulieferer und ihre Logistiker werden zukünftig bis zu ein bis eineinhalb Stunden Fahrzeit in Kauf nehmen müssen.

3. Grenzstandorte mit hoher Flächen- und Personalverfügbarkeit

Mit dieser Verschiebung der Zeit- und Kostenachse rücken (Grenz)Standorte in den Fokus auf der Logistiklandkarte, insbesondere in Deutschland mit seiner Vielzahl von direkten europäischen Nachbarn. Ausschlaggebend werden eine hohe Flächen- und Personalverfügbarkeit sowie eine gute Anbindung an eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur sein. Im Trend sind bereits Standorte an den westlichen Grenzen wie beispielsweise Lahr zwischen Stuttgart und Freiburg (Zalando). An den östlichen Grenzen sind Standorte wie Stettin (Amazon) und das GVZ Frankfurt (Oder) zu nennen.

Laut einer Fraunhofer Standortanalyse eignet sich beispielsweise Frankfurt (Oder) mit diesen Faktoren auch für Groß- und Einzelhändler sowie für Onlinehändler aus dem Non-Food-Bereich. Für industrielle Nutzer ist er als Konsolidierungspunkt zwischen ost- und westeuropäischen Märkten sowie als Importstandort geeignet. Für Logistikdienstleister ist die vorhandene Straßen- und Schieneninfrastruktur sowie die Grenzlage für mögliche Niederlassungen zur Sendungsbündelung und der Abwicklung von Value Added Services relevant.

4. Systemrelevanz der Transport- und Logistikbranche

Welche Bedeutung der Transport- und Logistikbranche insgesamt zukommt, haben viele Menschen – nach Jahrzehnten des nicht mehr hinterfragten, stetig steigenden Wohlstands in Europa – in den vergangenen Monaten am eigenen Leib erfahren. Mit hoher Flexibilität und einem enormen Engagement haben viele Marktteilnehmer dafür gesorgt, dass die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt wird, dass die Waren zu den Supermärkten kommen und die online bestellten Produkte ausgeliefert wurden.

5. Beschleunigte Genehmigungsprozesse

Deswegen sollte die hohe Systemrelevanz der Transport- und Logistikbranche zukünftig auch bei Standortansiedlungen wieder eine entscheidende Rolle spielen. Genehmigungsprozesse sollten beschleunigt werden und es sollte wieder für mehr politische Unterstützung und Akzeptanz in der Bevölkerung gesorgt werden.

6. Ausbau des europäischen Schienennetzes

Eine große Rolle beim Erreichen der zukünftigen Resilienz der Supply Chain wird die Ertüchtigung und der Ausbau eines europäischen Schienennetzes spielen. Nicht nur, um es im Cargo-Geschäft bestmöglich mit der Straße zu kombinieren, sondern auch als Backup-Lösung für die weiteren modalen Verkehrswege Straße, Luft und Wasser.

Peter Bergmann ist Projektleiter der Alcaro Invest GmbH, einem 2009 in Deutschland gegründeten Projektentwickler von modernen Logistikimmobilien. Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.alcaro.de

 

Bildunterschrift:

Logistikstandorte an Grenzen wie in Frankfurt (Oder) werden zukünftig verstärkt auf der Logistikkarte auftreten. Sie erfüllen die Anforderungen der Logistiker und Transporteure nach Personal- und Flächenverfügbarkeit bei gleichzeitig überschaubaren Kosten in erreichbarer Nähe von Metropolregionen. Für den E-Commerce, After Sale oder Pufferlager werden moderne Logistikimmobilien, die zudem mit einem schlüssigen Konzept die Nachhaltigkeitsstrategien der Nutzer unterstützen. Copyright: Alcaro Invest GmbH

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