Zwei Drittel der Unternehmen glauben, dass ihre Supply-Chain-Strategie in den nächsten drei Jahren signifikante Änderungen erfahren muss, um sich an die neue postpandemische Ära anzupassen. Dies ist die Schlussfolgerung des Capgemini-Berichts über den Aufbau einer widerstandsfähigen Lieferkette in Konsumgütern und im Einzelhandel.

Sogar 85 Prozent der Hersteller und 88 Prozent der Einzelhändler gaben zu, dass sie im Pandemiejahr 2020 Unterbrechungen in der Lieferkette erlebt haben. dabei gaben 77 Prozent der Herstellerfirmen und 70 Prozent der Einzelhändler zu, dass sie Probleme mit der kontinuierlichen Überwachung ihrer Lieferketten hatten.

Zwischen 66 und 70 Prozent der Unternehmen hatten unterdessen Probleme mit der Planung, da es ihnen an adäquaten Daten und der Fähigkeit fehlte, Nachfrageschwankungen zu überwachen und darauf zu reagieren.

Der Bericht basiert auf einer Umfrage unter mehr als 400 Supply Chain Managern von Konsumgüterunternehmen und Einzelhändlern in 11 Ländern. Alle teilnehmenden Unternehmen hatten einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Sie wurden unter anderem von Managern aus den USA, den Niederlanden, Norwegen, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien und China vertreten.

Ja zur Diversifizierung der Lieferungen

Als Reaktion auf die oben genannten Probleme ergreifen die Unternehmen Maßnahmen, um die Abhängigkeit ihrer Lieferketten von asiatischen Lieferanten zu reduzieren und auf mehr regionale Lieferungen umzusteigen. Von den befragten Konsumgüterherstellern gaben 72 Prozent an, dass sie als Folge der Pandemiekrise „aktiv in eine regionalere und lokalere Organisation ihrer Produktionsbasis investieren.” Einzelhandelsunternehmen tun das Gleiche. Dieser Trend wurde von 58 Prozent der Befragten aus dem Sektor angegeben.

Auf die Frage nach einem ähnlichen Trend in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Zulieferern, d.h. eine breitere Zusammenarbeit mit denjenigen, die vor Ort und in der unmittelbaren Region tätig sind, antworteten 65 Prozent der befragten Vertreter sowohl der Hersteller als auch der Einzelhändler mit „Ja”.

Die Wistron Corp. beispielsweise, einer der im Bericht genannten Hauptzulieferer von Apple-Produkten, plant, 1 Milliarde Dollar für die Expansion in Vietnam, Mexiko und Indien auszugeben. Außerdem plant das Unternehmen, innerhalb des nächsten Jahres die Hälfte seiner Produktionskapazität außerhalb Chinas zu besitzen.

Diversifizierung ab sofort

Die Unternehmen wollen mit der Diversifizierung der Lieferquellen nicht warten. Zwei Drittel der Unternehmen wollen dies innerhalb der nächsten drei Jahre tun. Sowohl Konsumgüterhersteller als auch Einzelhändler wollen innerhalb von drei Jahren nur noch zu 17 Prozent global, zu einem Drittel regional und zur Hälfte lokal produzieren. Derzeit liegt die globale Produktion bei 25 bzw. 26 Prozent für Hersteller und Händler.

Bei der Lieferantendiversifizierung wird der globale Faktor für die befragten Unternehmen etwas höher liegen, bei Einzelhändlern bei 25 Prozent und bei Konsumgüterherstellern bei 26 Prozent. Der lokale Anteil wird mit 41 Prozent bei den Herstellern und 43 Prozent bei den Händlern etwas geringer sein als bei den Drittherstellern.

Voranschreitende Automatisierung

Die Mehrheit der befragten Konsumgüterhersteller (61 Prozent) und Einzelhändler (67 Prozent) gab an, dass sie Automatisierung und Robotik-Anwendungen nutzen. Darüber hinaus gaben rund 60 Prozent der Vertreter beider befragten Gruppen an, dass ihre Unternehmen in naher Zukunft mehr in die Digitalisierung ihrer Lieferketten investieren wollen. Sie wollen Mittel vor allem für Prozessautomatisierung, Robotik, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen sowie Cybersicherheit bereitstellen.

Schritte für die Zukunft

Die Analysten von Capgemini haben außerdem drei Prioritäten identifiziert, die Unternehmen beachten sollten, um ihre Lieferketten widerstandsfähiger zu machen. Die erste ist die Neuausrichtung. Dieser Schritt bedeutet, die gesamte Lieferkette durch Diversifizierung, geografische Streuung, Überwachung und Sichtbarkeit zu verändern und von der Bedarfsplanung zur Bedarfsermittlung überzugehen.

Die zweite ist die Automatisierung. Dabei geht es insbesondere um die Automatisierung von Lagern, die Digitalisierung von Logistikprozessen und die Einführung von autonomen Fahrzeugen.

Die dritte – die Revision – bedeutet eine neue Herangehensweise an den physischen Einkauf und die Lieferung an den Endkunden aufgrund der Entwicklung des E-Commerce.

Foto: Pixabay_bassbrewery

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