Der Logistikverband BGL hat einen „Maßnahmenplan zur Sicherung der Lieferketten“ vorgestellt. Ziel sei es, die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit von Transportunternehmen kurzfristig zu stabilisieren.
„In meinen Gesprächen mit Transportunternehmern erlebe ich aktuell eine enorme Sorge um die wirtschaftliche Lage und die Existenz ihrer Betriebe“, erklärte BGL-Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt.
Die aktuellen Preissteigerungen träfen die Branche besonders hart, weil rund 85 Prozent der Güter in Deutschland über die Straße transportiert werden. Steigende Dieselpreise könnten deshalb nicht nur einzelne Unternehmen, sondern auch die Versorgung von Bevölkerung und Wirtschaft gefährden.
Dieselpreisbremse und Liquiditätshilfen
Kernpunkt des Vorschlags ist eine Dieselpreisbremse, die kurzfristig für Entlastung sorgen soll. Der Verband sieht dafür insbesondere Spielraum bei staatlichen Abgaben auf Kraftstoffe.
Zusätzlich schlägt der BGL mehrere Maßnahmen vor:
- zinsgünstige Liquiditätsdarlehen über Bundes- und Landesförderbanken
- staatliche Bürgschaften für zusätzliche Kreditlinien
- Zinszuschüsse, um Transportbetriebe kurzfristig zu entlasten
- regelmäßige Krisengespräche zwischen Branche und Bundesregierung
Ziel sei es, Insolvenzen zu vermeiden und die Funktionsfähigkeit der Lieferketten zu sichern.
Neue Referenzpreise für Diesel gefordert
Ein weiteres Problem sieht der Verband bei den sogenannten Dieselfloatern, also Preisgleitklauseln in Transportverträgen. Diese sollen eigentlich Dieselpreisschwankungen ausgleichen, greifen jedoch meist erst mit zeitlicher Verzögerung, weil Frachtraten oft nur monatlich angepasst werden.
Der BGL fordert deshalb zusätzlich eine tägliche amtliche Diesel-Referenz, die als Grundlage für kurzfristigere Preisgleitklauseln dienen soll. Dadurch könnten Transportunternehmen Kostensteigerungen schneller an Auftraggeber weitergeben.
Dieselpreise setzen Branche unter Druck
Hintergrund der Forderungen ist der starke Anstieg der Kraftstoffpreise. Nach Angaben des ADAC kostet ein Liter Diesel derzeit im bundesweiten Durchschnitt 2,188 Euro – innerhalb einer Woche ein Plus von 27,1 Cent.
Da Kraftstoffkosten etwa ein Drittel der Gesamtkosten eines Transportunternehmens ausmachen, wirken sich solche Preissprünge unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit aus. Ein Dieselpreisanstieg um 10 Prozent erhöht die Gesamtkosten eines Betriebs um etwa 3 Prozent.

Kraftstoffpreise im Wochenvergleich. [Quelle: ADAC]
Ökonomen warnen vor schnellen Eingriffen
Während der BGL ein Eingreifen der Politik fordert, warnen Ökonomen vor vorschnellen Maßnahmen.
Der Präsident des ifo-Instituts, Clemens Fuest, hält staatliche Preisbremsen oder Steuersenkungen für problematisch.
„Preissignale über Rabatte oder Steuersenkungen auszuschalten, ist volkswirtschaftlich schädlich“, sagte Fuest.
Steigende Energiepreise wirkten zwar belastend für Wirtschaft und Verbraucher. Gleichzeitig seien sie aber auch ein wichtiges Signal, Energie effizienter zu nutzen und Alternativen zu entwickeln.
Branche fordert schnelle Entscheidungen
Für viele Transportunternehmen zählt derzeit vor allem die Geschwindigkeit politischer Entscheidungen. Angesichts der Kombination aus Dieselpreisen, CO2-Abgaben und LKW-Maut sieht der BGL die Branche unter akutem Druck.
Der Verband fordert daher kurzfristige Gespräche zwischen Logistikbranche und Bundesregierung, um Stabilisierungsmaßnahmen für Transportwirtschaft und Lieferketten auf den Weg zu bringen.







