Die Gründer des Start-ups poolynk Gmbh haben zusammengerechnet über 50 Jahre Erfahrung im Lademittel-Pooling bei marktführenden Systemanbietern bzw. in der Softwareentwicklung für TMS- und WMS-Systeme. Mit ihrem innovativen Unternehmen haben sie für den Papierkrieg bzw. die Zettelwirtschaft um Paletten und Behälter eine zeitgemäße Lösung gefunden, die nicht nur effizient ist, sondern auch einen hohen Mehrwert für die Nutzer bietet. Die Antwort auf die Frage, worin diese besteht, finden Sie in unserem heutigen Interview mit Stephan Collisi, dem Mitgründer und CEO der poolynk GmbH.

Agnes Sterniak, Trans.INFO: Womit genau beschäftigt sich Ihr Startup?

Von 100 verschickten Mehrwegtransportverpackungen kommen im Schnitt nur 95 zurück. Weltweit werden über 5 Milliarden Paletten oder Behälter eingesetzt und obwohl die Digitale Transformation in aller Munde ist werden die Außenstände entlang der Lieferkette meist über Papierbelege dokumentiert. Wir alle kennen den Tausch- oder Palettenschein, der häufig die Ursache für mangelnde Transparenz über Schulden und Guthaben von Lademitteln ist. Der Papierbeleg muss ausgefüllt werden, am Ende der Tour in die Verwaltung kommen und dort manuell in ein System erfasst werden. Unnötige Administrationskosten bzw. verlorenes Leergut sind das Ergebnis dieses unzureichenden Prozesses und wenn die nächste Lieferung ansteht, sind häufig keine Paletten oder Behälter verfügbar. Wir lösen das Problem kostengünstig mit einer SaaS-Lösung in Verbindung mit smarten Handhelds vergleichbar mit dem Übergabeprozess von Sendungen an der Haustür in der Paketlogistik. Durch den Einsatz unserer mobilen App schaffen Fahrer und Lagermitarbeiter bei der Übergabe in Echtzeit Transparenz über die Außenstände Ihrer Lademittel. Über das Webportal verwalten Sie die Bewegungen und Salden oder übernehmen diese über Schnittstellen in Ihre Systeme.

Was ist einzigartig an Ihrem Produkt/Ihrer Idee?

Mit drei Begriffen kann ich das gut beschreiben. poolynk ist effizient und kann unternehmensübergreifend und ohne viel Aufwand für die Implementierung mehr oder weniger intuitiv eingesetzt werden. poolynk ist kostengünstig und bietet für eine Buchungsgebühr von 0,0025 Euro pro Ladungsträger-Bewegung sehr großes Einsparpotential beim Einsatz von Mehrwegtransportverpackungen. Darüber hinaus fallen keinerlei Lizenz- oder Softwarekosten an. poolynk ist unabhängig, da wir einer der wenigen neutralen Anbieter eines digitalen Palettenscheins sind. Wir vermieten, verkaufen, reinigen oder transportieren keinerlei Arten von Paletten oder Behältern und können daher für alle Lademittel und über alle Stufen der Wertschöpfung für alle Dienstleister eingesetzt werden. Beenden Sie noch heute den Papierkrieg um Lademittel mit dem Online-Banking von poolynk und besuchen Sie uns unter www.digitaler-palettenschein.de!

Wann und wie sind Sie auf die Gründungsidee gekommen?

Wir Gründer haben zusammengerechnet über 50 Jahre Erfahrung im Lademittel-Pooling bei marktführenden Systemanbietern bzw. in der Softwareentwicklung für TMS- und WMS-Systeme. Gemeinsam kamen wir zur Erkenntnis, dass es für den Papierkrieg bzw. die Zettelwirtschaft um Paletten und Behälter doch eine zeitgemäße Lösung geben müsste, die das Problem lösen und einen hohen Mehrwert für die Nutzer bieten sollte.

Woher kam das Kapital für Ihr Unternehmen?

Nachdem wir mit Bordmitteln den ersten Entwurf unserer Plattform fertiggestellt hatten konnten wir zunächst zwei Investoren 2016 von unserem Geschäftsmodell überzeugen und eine initiale Finanzierungsrunde umsetzen. Zwei Jahre später kam ein weiterer Investor in Form eines Gründerzentrums dazu, so daß wir seit Oktober 2016 unsere Plattform entwickeln und am Markt positionieren können. Seit Anfang 2020 sind wir darüber hinaus Teilnehmer eines Accelerator Programms, dass uns speziell bei der Marktdurchdringung in unserer Zielbranche, dem Supply Chain Management, mit seinem Netzwerk unterstützt.

Was waren die größten Hindernisse bei der Gründung Ihres Startups

Aus meiner Sicht besteht die größte Herausforderung darin, den Nutzen für den Partner oder Anwender der Lösung so klar wie möglich zu adressieren und alle unnötigen Extras wegzulassen. Nur mit einer schlanken Lösung kann man in der Anfangsphase den Value der Lösung optimieren und beschäftigt sich nicht mit Zusatzfunktionen, die der Markt am Ende nicht benötigt. Heute besteht unsere größte Herausforderung darin, die Unternehmen davon zu überzeugen, dass es bei der digitalen Transformation nicht nur um KI, Elektromobilität und Block Chain, sondern auch um die Optimierung von B- und C-Prozessen geht.

Was war der Wendepunkt, als die ersten Kunden auftauchten und Sie zu glauben begonnen haben, dass dies funktionieren würde?

Das war bei uns tatsächlich anders herum, da wir aus der Branche kommen und das Problem, welches wir lösen wollen, aus vielen Jahren täglicher Arbeit heraus gut kennen. Daher war uns klar, dass unsere Idee funktionieren würde. Für uns war es – und ist es noch – eher verwunderlich, dass wir nicht schneller wachsen. Unsere Lösung bietet einen bestechenden, schnell zu realisierenden Mehrwert für jedes Unternehmen, welches Mehrwegtransportverpackungen in der Lieferkette einsetzt. Das ist so ziemlich jedes Unternehmen, das Waren und Güter in Umlauf bringt oder transportiert.

Was hätten Sie rückblickend in der Startphase anders gemacht?

Ich würde mit dem Wissen von heute viel schneller mit einem noch schlankeren MVP auf den Markt gehen und die Lösung gemeinsam mit Pilotkunden weiterentwickeln.

Welche Tipps würden Sie anderen Startup-Gründern geben?

Der wichtigste Faktor auf dem Weg zum Erfolg ist weitermachen, nie aufgeben. Flexibel und offen bleiben und hart arbeiten. Wer ein Startup gründet, um weniger zu arbeiten sollte sich schnell von der Idee eines eigenen erfolgreichen Unternehmens verabschieden. Jemand hat mal gesagt: Ich wurde über Nacht berühmt, nachdem ich den ganzen Tag hart gearbeitet habe. Darum geht es.

Was ist die größte unmittelbare Herausforderung für Ihr Unternehmen und wo sehen Sie sich selbst in fünf Jahren?

Unsere größte Herausforderung ist die Ausweitung unseres Volumens, da der Markt hart umkämpft ist und nur wenige Anbieter am Schluß übrig bleiben werden. poolynk ist mittlerweile bekannt und hat sich gut positioniert, nun geht es um die Gewinnung neuer Nutzerkreise und Branchen. In fünf Jahren würde ich gern über die Autobahn fahren können, LKWs überholen und mir dabei überlegen, wen wir noch als Kunden gewinnen können. Heute freue ich mich darüber, wenn ich LKWs sehe, deren Fahrer die poolynk App auf dem Smartphone nutzen.

Was würden Sie tun, wenn Sie kein Startup-Unternehmen gründen würden?

Ich habe vor meiner Reise mit poolynk verschiedene Turn-Around- oder Investitionsprojekte als Interim Manager oder Branchenexperte begleitet und würde das wahrscheinlich noch heute tun.

Foto: Stephan Collisi, Mitgründer und CEO der poolynk GmbH

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