Der elfte Petersberger Klimadialog hat deutlich gemacht ist, dass der Klimaschutz auch trotz Corona-Krise ein wichtiges Thema bleibt. Kanzlerin Merkel plädierte sogar für strengere Klimaschutzziele. Europa müsse bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent sein, sagte sie.

Der Petersberger Klimadialog machte deutlich, dass der Klimaschutz auch trotz Corona-Krise ein wichtiges Thema ist. Die Teilnehmer der Konferenz  verpflichteten sich, die Weichenstellungen für den Neustart der Wirtschaft in den kommenden Monaten so zu nutzen, dass zugleich auch die nötigen Fortschritte beim Klimaschutz erreicht werden.

Um uns besser gegen künftige Krisen zu wappnen, brauchen wir einen klimafreundlichen Neustart der Wirtschaft. Unser Leitbild ist nicht die alte, sondern eine bessere Welt, die krisenfester und klimaverträglicher wirtschaftet. Der Petersberger Klimadialog hat gezeigt, dass viele Länder bereits Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft nach der Krise vorbereiten und dabei den Klimaschutz und den Schutz der Ökosysteme bereits mitdenken. In den kommenden Monaten werden weltweit große Summen in den Neustart der Weltwirtschaft investiert werden. Diese Investitionen können auch den Klimaschutz ein entscheidendes Stück voranbringen. Wer in erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilität und klimaverträgliche Industrieprozesse investiert, sorgt für Klimaschutz, Innovation und Arbeitsplätze zugleich. Darum ist ein engagierter Klimaschutzplan, wie er in der EU mit dem Green Deal vorliegt, auch die richtige Strategie für den Weg aus der Coronakrise, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze.

 

Im Zentrum des Dialogs stand die Frage wie man mithilfe des Klimaschutzes die Welt krisenfester machen kann (Green Recovery).  Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte den Vorschlag der EU-Kommission, sich eine CO2-Reduzierung von 50 bis 55 Prozent anstatt wie bisher 40 Prozent als Ziel zu setzen. Darüber brachte sie das Thema einer CO2-Bepreisung auf den Tisch.

Es ist jetzt an der Zeit, unsere Standfestigkeit zu beweisen.Europa müsse bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent werden, sagte Merkel.

Einige Tage vor dem Klimadialog hat bereits  EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen deutlich gemacht, dass die EU an ihren Umweltplänen festhalten wird. Von der Leyen bezeichnete den Green Deal als eine Chance nicht für die Umwelt und für den Menschen, aber auch für die Wirtschaft.

Wenn wir den europäischen Green Deal als Kompass nutzen, können wir aus der Krise dieser Pandemie eine Chance machen. Unsere Chance, unsere Volkswirtschaften anders zu gestalten und sie widerstandsfähiger zu machen. Und wir können unseren Kindern diese Welt als einen besseren Ort übergeben, betonte sie.

Der Klimawandel ist auch für die Transport-und Logistikbranche ein wichtiges Thema

Immer mehr Experten betonen, dass der Klimawandel eine weitaus größere Herausforderung  als die Corona-Krise ist. Dieser Ansicht ist auch Prof. Evi Hartmann, die den  Lehrstuhl Supply Chain Management an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg leitet.

[…] Wenn der Klimawandel ganze Landstriche entvölkert, wird dort auch nicht mehr produziert oder konsumiert werden können. Die Industrie in Küstenregionen wird sich zurückziehen, um nicht überschwemmt zu werden. Flüchtlingsströme können ganze Industriegebiete lahmlegen. Anders ausgedrückt: Der Klimawandel ist die größere Katastrophe. Klima schlägt Corona. Langfristig wird sich die Wertschöpfung zunehmend in Richtung Nachhaltigkeit oder schlichter Standortverlagerung bewegen. Diese Veränderungen werden bedeutend größer sein als aktuelle und kurzfristige Krisenanpassungen […], sagte Hartmann dem Portal dvz.de gegenüber.

Der Verkehr hat einen Anteil von etwa 20 Prozent an den gesamten CO2-Emissionen Deutschlands und wird zu 99 Prozent durch Diesel angetrieben. Eine Umstellung der LKW-Antriebe auf CO2-neutrale Technologien könnte einen großen Beitrag zur Emissionsreduktion leisten.

Positiv ist, dass der Sinneswandel mittlerweile auch schon bei deutschen Transportunternehmen angekommen zu sein. Die Maßnahmenpalette in Richtung grüne Logistik ist eigentlich relativ breit und kann bei einer besseren Tourenplanung beginnen, über Digitalisierung von Prozessen gehen bis hin zu Investitionen in CO2-neutrale Transporte. Die Fahrzeughersteller setzen immer mehr auf die batterieelektrische Mobilität. Immer mehr scheint sich aber auch die Brennstoffzelle durchzusetzen, die im Vergleich zur Elektromobilität eine Bewältigung längerer Strecken ermöglicht.

Laut einer Studie des Fraunhofer ISI sind Fuhrunternehmen prinzipiell offen für den Umstieg auf alternative Antriebe. Um diese grundsätzliche Bereitschaft in den tatsächlichen Umstieg zu überführen, braucht es jedoch sowohl Entwicklungen in Technologie und Infrastruktur als auch politische Unterstützung, betonen die Befragten.

Eine Frage ist für viele Transportunternehmen auch besonders wichtig: Wie können CO2-neutrale Transporte kostenoptimal realisiert werden. Denn diese sind kein Selbstläufer. Laut Prognosen werden im  Jahr 2040 auf Herstellerseite die Anschaffungs- und Gesamtbetriebskosten von LKW und Bussen mit Elektroantrieb immer noch höher liegen als bei Dieselfahrzeugen. Außerdem kommen auf Unternehmen auch externe Kosten für Umwelt, Sicherheit, Infrastruktur zu.

Es besteht kein Zweifel, dass finanzielle Unterstützung seitens des Staates noch lange unentbehrlich sein wird, um die Klimaziele erreichbarer zu machen. Laut Martin Daum von Daimler Trucks könnte mit der Einführung folgender Maßnahmen der Anfang gemacht werden: europaweite Umstellung und Staffelung der Maut nach CO2-Werten, wobei CO2-neutrale Fahrzeuge eine signifikante Mauterleichterung bekommen sollten, ein gezieltes Förderprogramm für Busse sowie für eine flächendeckende Lade- und Wasserstoff-Infrastruktur und auch einheitliche Standards für den Transport und das Tanken von Wasserstoff.

Fazit ist: Für immer mehr Unternehmen spielen ökologische Aspekte und alternative Antriebe aus Klimaschutzgründen eine große Rolle und sie sind bereit eventuelle technische und finanzielle Hürden auf sich zu nehmen.

Foto: Hyundai

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