Auch wenn beide Aktionen lokal begrenzt sind, zeigen sie die wachsenden Spannungen zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern in einer Branche, die seit Jahren mit Fahrermangel und hohem Kostendruck zu kämpfen hat.
Trucker kämpfen um Urlaubstage
Die Fahrer von Transports Burlot befinden sich bereits am vierten Tag im Streik. Der Protest begann am 2. März in Loudéac. Rund 20 LKW-Fahrer – von insgesamt 28 Beschäftigten des Unternehmens – erschienen nicht zur Arbeit und lösten damit die Streikaktion aus.
Auslöser des Konflikts ist die Entscheidung, die Zahl der bezahlten Urlaubstage zu reduzieren, worüber die Beschäftigten von der Geschäftsführung der Eonnet Group schriftlich informiert wurden. Transports Burlot gehört seit 2023 zur Gruppe.
Wie Arbeitnehmervertreter betonen, sollen die Maßnahmen des neuen Eigentümers darauf abzielen, Sozialleistungen in übernommenen Unternehmen zu begrenzen, um die Rentabilität zu steigern – berichtet das französische Transportportal „Les Routiers“.
Die Änderung wurde im Februar eingeführt. Die Fahrer erklären jedoch, dass die Entscheidung ohne vorherige Konsultation bekannt gegeben worden sei. Daher fordern sie nun Gespräche mit der Unternehmensleitung.
Nach Angaben lokaler Medien wurde der Streik bereits am folgenden Tag von den protestierenden Fahrern einstimmig verlängert.
Nächtlicher Protest bei Stef
Gleichzeitig kam es auch bei einem anderen Transportunternehmen zu Spannungen. Rund zehn Beschäftigte von Stef in La Crèche begannen von Dienstag, 3. März, auf Mittwoch, 4. März, einen nächtlichen Streik.
Der Protest war eine Reaktion auf das Ergebnis der obligatorischen jährlichen Lohnverhandlungen. Gewerkschafter der CGT hielten die von der Geschäftsführung vorgeschlagene Lohnerhöhung für unzureichend.
Eine Branche mit Fahrermangel
Die Situation wirkt auf den ersten Blick paradox: Der französische Straßentransportsektor leidet seit Jahren unter einem akuten Fahrermangel. Schätzungen zufolge fehlen in Frankreich rund 15.000 LKW-Fahrer.
Eines der Unternehmen, das seit Jahren aktiv versucht, neue Beschäftigte zu gewinnen, ist Stef Transport France. Bereits vor einigen Jahren führte das Unternehmen ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm sowie spezielle Sparmodelle für Beschäftigte ein.
Fahrer, die mindestens drei Monate im Unternehmen beschäftigt waren, konnten dabei ein Aktienpaket des Unternehmens oder ein spezielles Sparkonto erhalten.
Urlaubsstreit in Westeuropa, während andere Fahrer um Lohn kämpfen
Der französische Konflikt um Arbeitsbedingungen zeigt einen deutlichen Kontrast zur Situation vieler Fahrer im internationalen Straßentransport in Europa. Während es in Frankreich beim Protest um eine Reduzierung bezahlter Urlaubstage geht, kämpfen Fahrer in anderen Teilen des Kontinents teilweise um deutlich grundlegendere Fragen.
Ein aktuelles Beispiel stammt aus den Niederlanden. Dort weigerte sich ein Fahrer aus Tadschikistan, der bei einem litauischen Transportunternehmen beschäftigt ist, im Hafen von Rotterdam weiterzufahren.
Der Mann erklärte, er habe zwei Jahre praktisch in der LKW-Kabine gelebt und in dieser Zeit seine Familie nicht gesehen. Zudem habe er in den vergangenen Monaten nicht seinen vollen Lohn erhalten.
Nach seinen Berechnungen schuldet ihm der Arbeitgeber mindestens 30.000 Euro. Als Reaktion stellte der Fahrer das Fahrzeug samt Ladung ab und berief sich auf ein Zurückbehaltungsrecht. Er weigerte sich, den Transport fortzusetzen, bis die ausstehenden Beträge beglichen werden.
Der Fall wird von der niederländischen Gewerkschaft FNV begleitet. Diese weist darauf hin, dass ähnliche Fälle keine Einzelfälle seien. Gewerkschafter berichten, dass Fahrer aus Drittstaaten häufig nur Vorschüsse auf ihren Lohn erhalten. Die endgültige Auszahlung könne teilweise davon abhängig gemacht werden, dass sie in ihr Heimatland zurückkehren, was ihre Abhängigkeit vom Arbeitgeber erheblich erhöht.









