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MAN eTGX: E-Lkw wird zum mobilen Stromspeicher

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Ein E-Lkw, der nicht nur Energie aufnimmt, sondern bei Bedarf auch wieder abgibt – etwa an ein Gebäude, den Betriebshof oder sogar an ein anderes Fahrzeug: Dieses Prinzip hat MAN Truck & Bus erstmals in einer öffentlichen Vorführung unter Praxisbedingungen demonstriert. Der Test fand am Standort der Spedition Schmid in Obertraubling bei Regensburg statt und war Teil des Forschungsprojekts SPIRIT-E.

Für MAN ist das mehr als ein technisches Schaufenster. Georg Grüneißl, Leiter Produktstrategie bei MAN Truck & Bus, beschreibt bidirektionales Laden als Schritt hin zu einem neuen Rollenverständnis: Der Lkw wird zum mobilen Energiespeicher, der Betriebskosten senken und zugleich das Energiesystem unterstützen kann.

Der wirtschaftliche Nutzen liegt vor allem im Energiemanagement. Wenn Unternehmen die in der Batterie eines E-Lkw gespeicherte Energie gezielt einsetzen, lassen sich Stromkosten reduzieren – etwa durch das Abfedern von Lastspitzen oder indem selbst erzeugter Solarstrom stärker vor Ort genutzt wird.

Drei zentrale Einsatzfelder

Im Projekt SPIRIT-E werden drei zentrale Anwendungen für bidirektionales Laden genannt:

  • Energie aus der Lkw-Batterie kann am Unternehmensstandort genutzt werden – zum Beispiel zur Reduzierung von Lastspitzen, zur Erhöhung des Eigenverbrauchs von Solarstrom oder als Absicherung für Gebäude und Anlagen.
  • Der E-Lkw kann Strom an ein anderes Fahrzeug abgeben, etwa um ein Elektroauto nachzuladen.
  • Strom kann ins öffentliche Netz zurückfließen. Perspektivisch könnten daraus zusätzliche Erlöse entstehen – beispielsweise bei hohen Energiepreisen oder über Dienstleistungen zur Netzstabilisierung.

MAN beziffert das Einsparpotenzial allein für die ersten beiden Szenarien auf rund 10 bis 20 Prozent der Energiekosten. Bei einer jährlichen Laufleistung von 100.000 Kilometern entspräche das rechnerisch einer zusätzlichen Fahrleistung von bis zu 20.000 Kilometern ohne zusätzliche Stromkosten (bezogen auf die Stromausgaben).

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Besonders relevant im Regionalverkehr

Als Allheilmittel vermarktet MAN die Technik nicht. Am besten passt sie nach Einschätzung des Herstellers zu E-Lkw im regionalen Einsatz, wenn die jährliche Laufleistung unter 100.000 Kilometern liegt. Fehlen längere Standzeiten, lässt sich die Batterie im Alltag deutlich schwerer als Energiespeicher einplanen.

Im Rahmen von SPIRIT-E wurden bereits konkrete Energieflüsse umgesetzt – etwa die nächtliche Versorgung eines Gebäudes aus dem E-Lkw sowie das Laden von Elektroautos mit zuvor im Fahrzeug gespeicherter Energie.

Wer steckt hinter SPIRIT-E?

Das Forschungsprojekt SPIRIT-E vereint Partner aus Fahrzeugtechnik, Energiewirtschaft und Systemintegration. Koordiniert wird das Konsortium von der Technischen Universität München (TUM). Weitere Beteiligte sind unter anderem Fraunhofer IEE, das Forschungszentrum für Energiewirtschaft (FfE), SBRS (Shell), TenneT, Hubject, Consolinno Energy sowie MAN Truck & Bus.

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MAN hebt hervor, als erster Hersteller in Europa im Rahmen eines Forschungsprojekts eine funktionsfähige bidirektionale Ladetechnologie öffentlich demonstriert zu haben. Das wirtschaftliche Potenzial dürfte aus Sicht des Unternehmens vor allem gegen Ende des Jahrzehnts wachsen – dann, wenn Energiemärkte, Netzdienstleistungen und Logistikprozesse stärker miteinander verzahnt sind.

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