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DSV setzt auf KI: Produktivitätsschub in Schenker-Größenordnung

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DSV rechnet mit dem nächsten großen Effizienzsprung – und der soll nicht durch die nächste Übernahme kommen, sondern durch künstliche Intelligenz. Der dänische Logistikkonzern erwartet, dass KI, Technologie, Netzwerkoptimierung und operative Verbesserungen bis 2030 einen Beitrag von rund 9 Milliarden dänischen Kronen (1,2 Milliarden Euro) liefern. Das entspricht dem Betrag, den DSV auch aus der Integration von Schenker ableiten will.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Vorgestellt wurden die Ziele auf dem Capital Markets Day in Hedehusene in Dänemark am 12. Mai. Dort präsentierte DSV zudem die neue Strategie „Leverage to Lead“. Die Ankündigung kommt gut ein Jahr nachdem DSV die Übernahme von Schenker abgeschlossen hatte – und damit zu einem der größten Transport- und Logistikkonzerne weltweit aufgestiegen ist.

Wie DSV mitteilt, basieren die neuen Finanzziele weiterhin auf den bereits kommunizierten Synergien aus der Schenker-Integration in Höhe von rund 9 Milliarden dänischen Kronen (1,2 Milliarden Euro). Der volle Ergebnisbeitrag wird ab 2027 erwartet.

Als DSV den Deal im April 2025 finalisierte, nannte das Unternehmen als zentrale Hebel unter anderem die Zusammenführung von Abläufen, Logistikstandorten in Road und Solutions, Backoffice-Funktionen sowie Finanz- und IT-Infrastruktur. Schenker ist seit 1. Mai 2025 in den konsolidierten Abschlüssen von DSV enthalten.

Die Integration bleibt laut DSV ein Kernthema – doch die neue Strategie ergänzt nun ein zweites, ähnlich großes Produktivitätsziel.

Weitere 9 Milliarden dänische Kronen: DSV setzt auf KI

Zusätzlich zu den Synergien aus der Schenker-Integration plant DSV einen weiteren Produktivitätseffekt: KI, Technologie und Netzwerkoptimierung sowie operative Verbesserungen sollen bis 2030 ebenfalls rund 9 Milliarden dänischen Kronen (1,2 Milliarden Euro) beisteuern.

Das Programm soll alle Geschäftsbereiche und zentralen Funktionen umfassen. DSV beschreibt den Ansatz als Weg, die Produktivität mithilfe von künstlicher Intelligenz und Technologie zu steigern – und nach Abschluss der Schenker-Integration Netzwerk und Abläufe weiter zu schärfen.

Konkrete Maßnahmen zur Personalplanung im Zusammenhang mit dem Produktivitätsziel nennt DSV in der Ankündigung nicht. Die Größenordnung macht jedoch deutlich: Die nächste Phase der Verbesserungen soll nicht allein aus dem Zusammenschluss entstehen, sondern auch daraus, wie das vergrößerte Netzwerk künftig gesteuert und betrieben wird.

Road soll bei der Rendite zu Air & Sea aufschließen

Für den Bereich Road hat DSV für 2030 eine Conversion Ratio von über 35 Prozent sowie einen ROIC vor Steuern von über 20 Prozent als Ziel gesetzt. Damit würde Road beim Renditeziel zu Air & Sea aufschließen. Für Air & Sea erwartet DSV eine Conversion Ratio von über 55 Prozent und ebenfalls einen ROIC von über 20 Prozent. Contract Logistics soll auf eine Conversion Ratio von über 35 Prozent sowie einen ROIC von über 15 Prozent kommen. Auf Konzernebene peilt DSV eine Conversion Ratio von rund 45 Prozent und einen ROIC vor Steuern von rund 20 Prozent an.

Bemerkenswert ist das Road-Ziel vor allem deshalb, weil Straßengüterverkehre häufig als margenschwächer und stärker fragmentiert gelten als Luft- und Seefracht. DSV signalisiert damit, dass das ausgebaute europäische Road-Netz – inklusive der früheren Schenker-Strukturen – durch Konsolidierung, Digitalisierung und strengere operative Steuerung höhere Renditen liefern soll.

Mit dem Schenker-Deal ging außerdem ein Wechsel an der Spitze von DSV Road einher: Nach Abschluss der Übernahme wurde Helmut Schweighofer, zuvor CEO der Schenker-Region Europa, zum CEO von DSV Road ernannt.

Trotz Größe: DSV hält an weiteren Zukäufen fest

DSV geht weiterhin davon aus, dass Wachstum sowohl aus organischem Wachstum oberhalb des Marktniveaus als auch aus weiteren M&A-Aktivitäten kommen kann. Zur Unterstützung des Wachstums will der Konzern nach eigenen Angaben sein globales Netzwerk, das Leistungsportfolio und seine Positionen in den einzelnen Segmenten nutzen. An den Prioritäten bei der Kapitalallokation ändert sich nichts: Zunächst soll entschuldet werden, wenn die Verschuldung oberhalb des Zielkorridors liegt. Danach folgen Investitionen in Übernahmen oder organische Wachstumschancen – und schließlich Ausschüttungen an Aktionäre über Aktienrückkäufe und Dividenden.

Als Ziel nennt DSV eine Nettofinanzverschuldung (inklusive Leasingverbindlichkeiten) von unter dem 2,0-Fachen des EBITDA vor Sondereffekten.

Ausblick für 2026 bleibt unverändert

DSV bestätigte außerdem die Prognose für das Gesamtjahr 2026. Der Konzern rechnet weiterhin mit einem EBIT vor Sondereffekten zwischen 23 Milliarden und 25,5 Milliarden dänischen Kronen (3,1 Milliarden bis 3,4 Milliarden Euro) – derselbe Korridor wie im Zwischenbericht zum ersten Quartal 2026.

Im Quartalsbericht hatte DSV gemeldet, dass das EBIT vor Sondereffekten im Jahresvergleich um 31,2 Prozent auf 4,855 Milliarden dänische Kronen (650 Millionen Euro) gestiegen ist. Treiber waren Schenker sowie Synergien, während negative organische Ergebnisbeiträge einen Teil des Effekts wieder ausglichen. Gleichzeitig verwies das Unternehmen darauf, dass der Marktausblick für 2026 wegen makroökonomischer und geopolitischer Risiken unsicher bleibt.

DSV beobachtet dabei auch die Entwicklung der Frachtraten im europäischen Straßengüterverkehr.

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