Spritpreise werden weiter steigen

Spritpreise erreichen in Deutschland wieder Rekordwerte. Und alles zielt darauf ab, dass weitere Preissteigerungen anstehen. Hauptverantwortlich dafür ist die Steuer-und Abgabenpolitik.

Spritpreise werden weiter steigen
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Autofahrer müssen an der Tankstelle immer tiefer in die Tasche greifen. Wie die letzte wöchentliche ADAC Auswertung der Kraftstoffpreise in Deutschland zeigt, kostet ein Liter Super E10 zurzeit im bundesweiten Schnitt 1,553 Euro und damit 0,7 Cent mehr als vor einer Woche. Diesel verteuerte sich um 0,4 Cent und kostet aktuell 1,391 Euro. Thomas Puls, Verkehrsexperte vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erklärt, warum die Preise für Sprit seit einiger Zeit stetig steigen:

Wir haben gerade zwei unterschiedliche Effekte. Zum einen haben wir zum ersten Mal seit vielen Jahren eine Steuererhöhung. Tatsächlich waren bei uns im Gegensatz zu den anderen Teilen Europas die Steuern sehr lange konstant. Die letzte Steuererhöhung war die Ökosteuer in 2004. Dazwischen gab es noch eine Mehrwertsteuererhöhung. Das heißt über einen langen Zeitraum gerechnet, wenn man das inflationieren würde, ist der Steuerbetrag sogar gesunken. Aber jetzt sind wir wieder in einer Phase, wo wir höhere Steuerabgaben auf Kraftstoff bekommen. Und weitere Steigerungen sind vorgezeichnet. Dass es uns jetzt gerade so extrem hart vorkommt liegt daran, dass wir im letzten Jahr unglaublich billigen Kraftstoff hatten. Wenn man sich die Ölpreisentwicklung anschaut, dann sind wir hier immer noch unter den Werten von 2018. Und letztes Jahr sind die Preise ja zeitweise fast ins negative übergedreht. Wir hatten sehr günstigen Kraftstoff. Nebenbei gab es letztes Jahr auch eine zeitweilige Mehrwertsteuersenkung, sodass wir durchgehend einen niedrigen Preis hatten und gemessen an dem ist es natürlich kräftig gestiegen.

Achterbahnfahrt am Ölmarkt

Der Corona-bedingte Nachfrageeinbruch in 2020 sowie der jüngste Konflikt im Ölkartell zwischen Saudi-Arabien und den Emiraten und die damit verbundenen Unsicherheiten haben dafür gesorgt, dass die Ölpreise bis vor kurzem steil nach oben gegangen sind.

In dem Opec-Kartell geht es denen in der Preisfindung um einen Einnahmemaximierung. Das heißt, wenn diese Länder mehr fördern, dann wollen sie natürlich insgesamt mehr Geld einnehmen. Wir hatten diesen massiven Preiskampf Anfang letzten Jahres, was dann in die Corona-Krise übergangen ist. Die Nachfrage ist infolgedessen überall kräftig zurückgegangen und in diesem Sinne sind auch Fördermengen zusammengestutzt worden. Diese Kapazitäten fehlen jetzt gerade, wo wir mehr Nachfrage haben und deshalb ist der Preis hoch, betont der Forscher.

Letztendlich konnten sich die Mitgliedsstaaten der OPEC auf eine Steigerung der Fördermengen einigen und die Preise haben sich stabilisiert. Ein Barrel Rohöl der Sorte Brent kostete letzte Woche 74 US-Dollar. Dennoch haben die Investmentbanken Goldman Sachs, JP Morgan und Credit Suisse ihre Ölpreisprognosen hochgesetzt und gehen von weiteren Preissteigerungen in der zweiten Jahreshälfte aus. Thomas Puls hält dies für äußerst plausibel:

Ich glaube schon, dass der Preis noch weiter steigen kann. Wir sind noch weit von historischen Höchstständen weit entfernt. Wir sind jetzt bei 80 US-Dollar, hatten aber schon vor einem Jahrzehnt einen Preis von 120 US-Dollar. Langfristig muss man auch immer im Hinterkopf behalten, dass wir aus einer langen Zeit mit geringen Ölpreisen kommen, was natürlich auch Exploration und ähnliches beeinflusst. Die Investitionen in neue Kapazitäten waren in den letzten Jahren nicht so furchtbar aktiv und jetzt, wo die Nachfrage angezogen hat, ist die Frage, wie stark kann das Angebot reagieren.

Gleichzeitig weist er aber auch darauf hin, dass die Entwicklungen auf dem Ölmarkt vor allem politisch bedingt sind, so dass alles ein sehr schwer vorhersehbares Bild gibt.

Hier liegt auch unheimlich Politik drin, die ganz schwer vorherzusehen ist. Vor zehn Jahren war es Standard anzunehmen, dass wir 2020 ein Ölpreis von um die 200 US-Dollar haben werden. Das hat sich dann radikal gedreht, weil im Zuge der Finanzkrise und auch danach sich die Preisprognosen alle als nicht mehr tragfähig erwiesen haben. Das gilt hier heute natürlich auch. Die Entwicklung der Preise steht unter dem Vorbehalt, wie sich das Ganze politisch weiterentwickeln wird. Kann der Iran wieder komplett auf dem Weltmarkt zurückkehren? Wie steht es um die libyschen Kapazitäten. Außerdem drängen die großen Märkte Europa und China in Richtung Elektromobilität, so dass die ihre langfristigen Prognosen, wie viel Öl sie noch verkaufen können, natürlich auch hinterfragen müssen, so der Ökonom.

Droht ab 2027 eine Preisexplosion?

Im Juni hat der Verband kommunaler Unternehmen zusammen mit dem Beratungsunternehmen r2b eine Studie vorgestellt, die zeigt,  dass verstärkte Klimaschutzambitionen und ein erhöhtes Emissionsminderungsziel von bis 65 Prozent bis ins Jahr 2030 wahrscheinlich zu einer sehr steilen CO2-Preisentwicklung nach Ende der sogenannten BEHG-Festpreisphase (2026/2027) führen werden. Der Verband warnt, dass Preise von rund 300 Euro und mehr pro Tonne CO2 durchaus möglich sind.

Der Preis von 300 Euro wäre sehr hoch. Das würde über den Schadenskosten des Bundesamtes liegen, aber es ist natürlich nicht hundertprozentig auszuschließen, sagt Puls.

Wenn sich das Szenario doch bewahrheiten sollte, ist mit einer regelrechten Preisexplosion an den Zapfsäulen zu rechnen. Ab 2027 könnte Benzin sogar 80 Cent pro Liter teurer sein. Hinzu kommt eine geringe Preiselastizität im Bereich Verkehr.

Generell haben wir im Verkehr den Fall, dass die Zahlungsbereitschaft der Nutzer sehr hoch ist. Mobilität ist uns einfach sehr viel wert. Das liegt daran, dass viele die fahren, zumindest kurzfristig keine Wahl haben. Deshalb hat man auch früher immer wieder die Benzinsteuer erhöht, weil das ein sicheres Steueraufkommen war. Es wirkt die sogenannte Preiselastizität, die in dem Fall sehr gering ist. Man kann davon ausgehen, dass eine Preissteigerung von 1 Prozent eine Reduktion zwischen 0,1 – 0,2 Prozent mit sich bringt. Das sind die übliche Werte. Möglicherweise sind diese sogar zu hoch gegriffen, wenn man sich die Erfahrung der Schweden anschaut. Die haben ihre Steuern und Preise über viele Jahre massiv gesteigert und haben ihren Verbrauch trotzdem erhöht. Dort sanken die Emissionen erst, als eine neue Art von Biodiesel auf den Markt kam und damit eine Alternative bei der Energieversorgung des Verkehrs aufkam, betont der Verkehrsexperte.

Die Frage ist nicht ob, sondern wann

Um einen Preisschock zu vermeiden plädieren die Autoren des Berichts dafür, die Festpreise im nationalen Emissionshandelsgesetz deshalb schon ab 2023 auf das neue Emissionsreduktionsziel bis 2030 auszurichten: je nach Aufteilung der deutschen Sektorziele auf einen Wert von etwa 60 Euro pro Tonne CO2.  Einen schnelleren Anstieg fordern ebenfalls die Grünen und mittlerweile auch die CDU.

Der neue Preispfad passt vorne und hinten nicht zu den neuen Klimazielen. Der war schon für die alten zu niedrig. Und wie sich das genau austariert, wird schwer davon abhängig sein, wie die Bundestagswahl ausgeht. Im Programm der Grünen findet sich ein Preis von 65 Euro ab dem 1. Januar 2023. Und ich gehe schon davon aus, dass wir eine Beschleunigung bekommen, sagt Puls.

Mit Prognosen für die Zeit nach 2027 ist der Forscher trotzdem vorsichtig. Auch weil das neuerdings von der EU präsentierte Fit for 55- Klimapaket Fragen aufwirft und er noch nicht in der Lage ist dessen Einfluss auch die Spritpreise einzuschätzen:

Das hängt davon ab, wie der europäische Emissionshandel aussehen wird. Der muss noch ausverhandelt werden. Hätte es den nicht gegeben, hätten wir nur das nationale Emissionshandelssystem, hätte ich gesagt: Nein das wird nicht passieren, weil der Preis zu niedrig angesetzt war und zweifellos und in dem Moment einen Riesensprung gemacht hätte wenn man den Handel freigegeben hätte. Das Klimapaket ist erstmal nur ein Entwurf der Kommission und muss noch vom Parlament und dem Rat abgesegnet werden. Wir haben Vorstellungen, in welche Richtung es laufen wird, aber wissen noch nicht genau wie es aussehen wird.
Aber wir müssen davon ausgehen, dass der Preis sehr 2027 deutlich höher liegen wird als das was wir derzeit im nationalen Emissionshandelssystem projiziert haben.

Und der Ökonom geht davon aus, dass das EU-Emissionshandelssystem das nationale Programm ablösen wird. Was die Entwicklung der Spritpreise angeht, glaubt er, dass Kraftstoff früher oder später zwei Euro pro Liter kosten wird.

Am Ende glaube ich, dass der wirklich prägende Faktor für den Zapfsäulenpreis jetzt erstmal die Steuer- und Abgabenpolitik sein wird, von der wir sehr, sehr sehr lange Ruhe hatten. Wir müssen uns darauf einstellen, dass bei uns diese Erhöhung  jetzt auch kommen wird. In welchem Umfang? Und mit welcher Geschwindigkeit? Das wird nach der Bundestagswahl ausverhandelt. Aber das es generell zu einer Steigerung der Steuern beziehungsweise des CO2- Preises kommt – das ist ja schon festgelegt. Ob das so schnell geht, wie das die Grünen in ihrem Parteiprogramm fordern oder ob etwas langsamer, auf jeden Fall wird es nach oben gehen. Deshalb sind Spritpreise von zwei Euro wohl eher eine Frage von wann und nicht ob, sagt Puls.

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