Die Waberer’s Group schloss 2025 mit starken Kennzahlen ab: Der konsolidierte Umsatz stieg auf 816,2 Millionen Euro, das EBIT erreichte 58 Millionen Euro, und der Nettogewinn lag bei 43,6 Millionen Euro.
Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass der wichtigste Treiber dieser Entwicklung nicht das Transportgeschäft war, sondern vor allem das Versicherungsgeschäft.
Logistikgeschäft unter Druck
Der Umsatz im Logistiksegment belief sich 2025 auf 655 Millionen Euro, was einem Rückgang von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das EBIT lag bei 20,4 Millionen Euro. Als Gründe nennt das Unternehmen ein schwächeres wirtschaftliches Umfeld, eine gedämpfte Industrieproduktion sowie die Verkleinerung der Flotte bei der polnischen Tochter LINK.
Auch die Flottendaten bestätigen diesen Trend: Die durchschnittliche Anzahl der LKW sank von 2.861 Fahrzeugen im Jahr 2024 auf 2.709 im Jahr 2025 – ein Rückgang um 5,3 Prozent. Gleichzeitig blieb die Mitarbeiterzahl nahezu stabil und stieg nur minimal von 6.048 auf 6.060 Beschäftigte.
Für die Branche ist das eine klare Aussage: Das bessere Ergebnis wurde nicht durch mehr Transportkapazität erzielt.
Versicherung wird zum wichtigsten Gewinnträger
Deutlich stärker entwickelte sich das Versicherungsgeschäft. Das EBIT in diesem Segment stieg auf 37,6 Millionen Euro und übertraf damit klar das Logistikgeschäft mit 20,4 Millionen Euro.
Ein wesentlicher Faktor war dabei die Vollkonsolidierung von Magyar Posta Biztosító.
Damit verschiebt sich die Gewinnstruktur des Konzerns zunehmend: Ein wachsender Anteil des Ergebnisses stammt nicht mehr aus dem Kerngeschäft Transport, sondern aus ergänzenden Geschäftsfeldern.
Sondereffekte verzerren Ergebnis teilweise
Die starke Entwicklung beim Nettogewinn relativiert sich bei genauer Betrachtung. Laut Bericht trugen nicht realisierte Wechselkurseffekte 9,2 Millionen Euro zum Ergebnis bei.
Ohne diesen Effekt hätte der Nettogewinn bei 34,4 Millionen Euro gelegen – weiterhin ein solides Ergebnis, aber mit einem Wachstum von „nur“ 35,6 Prozent.
Strategischer Umbau des Konzerns
Zwischen den Zeilen ist klar zu erkennen, dass sich Waberer’s zunehmend als mehr als nur ein Transportunternehmen positioniert. Laut dem Einzelabschlussbericht gehören zu den zentralen Elementen der Strategie eine höhere Wertschöpfung, Diversifizierung, spezialisierte FTL-Services sowie die Stärkung multimodaler Lösungen. Zudem reorganisiert das Unternehmen die Gruppe in eine Holdingstruktur, um Transport, Spedition und andere Geschäftsfelder besser voneinander zu trennen.
Barna Zsolt, CEO, bekräftigte diese Strategie im Bericht im Wesentlichen:
„Aus unserer Sicht können in dem derzeit unsicheren wirtschaftlichen Umfeld nur diejenigen Akteure erfolgreich agieren, die großen Wert darauf legen, ihre Aktivitäten kontinuierlich zu diversifizieren und auszubauen.“
In der Praxis bedeutet das, dass Waberer’s künftiges Wachstum nicht ausschließlich auf seine Straßenflotte stützen wird. Zu den wichtigsten Ereignissen in 2025 zählen ein strategisches Memorandum of Understanding mit GYSEV und GYSEV CARGO zur Stärkung der multimodalen Ausrichtung sowie der Einstieg in den Personenverkehrsmarkt durch den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an Pannon-Busz-Rent.
Eines der greifbarsten Beispiele dafür könnte die Automobillogistik sein.
„Die Übernahme von Bahnlogistik-Kapazitäten in 2024 hat uns die Möglichkeit gegeben, einen erheblichen Anteil der Transporte von Fertigfahrzeugen ab dem BMW-Werk in Debrecen zu gewinnen, was in den kommenden Jahren mehr als 10 Millionen Euro Umsatz generieren könnte“, ergänzte Barna.
Logistikbetrieb ist auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen
Während Waberer’s nicht offenlegte, wie viele ausländische Beschäftigte genau für die Gruppe arbeiten, macht der Bericht deutlich, dass dieses Thema im operativen Geschäft längst keine Randnotiz mehr ist. Das Unternehmen schreibt, dass der ungarische Arbeitsmarkt nicht genügend Fahrer bereitstellen kann. Daher wurden die internationalen Transportaktivitäten bislang durch die Beschäftigung rumänischer, serbischer und ukrainischer Staatsangehöriger aufrechterhalten – und in den letzten Jahren sind auch asiatische Arbeitskräfte im System aufgetaucht.
Den Unterlagen zufolge ist ausländische Arbeitskraft nicht nur im internationalen Transport wichtig, sondern wird in geringerem Umfang bereits auch in der nationalen Distribution und in der Lagerhaltung benötigt. Das zeigt, dass Arbeitskräftemangel nicht nur den internationalen Fernverkehr betrifft, sondern auch andere Bereiche des Logistikbetriebs. Im Personenverkehr ist die Situation jedoch anders: Laut Unternehmen ist der Pool an Busfahrern mit den richtigen Qualifikationen und Ortskenntnissen von Natur aus kleiner, während die Beschäftigung von Drittstaatsangehörigen zudem deutlich stärker eingeschränkt ist.









