Waberer’s im Quartalscheck

Waberer’s startet 2026 mit mehr Umsatz, doch die Logistik bleibt margenschwach

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Waberer’s hat im ersten Quartal 2026 beim Umsatz zugelegt. Beim operativen Ergebnis kam davon allerdings kaum etwas an. Der aktuelle Quartalsbericht zeigt: Den Löwenanteil der Erträge liefert weiterhin das Versicherungsgeschäft, während die Logistiksparte zwar wächst, aber nur einen begrenzten Beitrag zum Gewinn leistet.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Beim Umsatz geht es nach oben, beim operativen Ergebnis kaum: So lässt sich das erste Quartal 2026 bei Waberer’s zusammenfassen. Die Gruppe wird größer, doch die Profitabilität verbessert sich bislang nicht spürbar. Auffällig bleibt zudem die Verschiebung im Ergebnismix – weg von der Logistik, hin zur Versicherung.

Der Konzernumsatz stieg auf 207,9 Millionen Euro – ein Plus von 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. In einem europäischen Straßengüterverkehrsmarkt, der weiterhin unter Kostendruck steht, ist das ein solides Wachstum. Das EBIT lag bei 11,0 Millionen Euro und damit nur 0,5 Prozent über dem Vorjahreswert – faktisch also unverändert. Entsprechend gab die EBIT-Marge auf Konzernebene von 5,7 Prozent auf 5,3 Prozent nach.

Unterm Strich heißt das: Mehr Umsatz, aber nahezu derselbe operative Gewinn. Das EBITDA erhöhte sich auf 27,2 Millionen Euro (+6,2 Prozent) und lag damit ungefähr im Takt des Umsatzes – ohne spürbaren Margenhebel. Wachstum ja, Effizienzsprünge bislang nein.

Logistik wächst – der Gewinnbeitrag bleibt klein

In der Logistiksparte erzielte Waberer’s 162,0 Millionen Euro Umsatz, das entspricht plus 3,9 Prozent im Jahresvergleich. Dahinter stehen unterschiedliche Effekte: Die Übernahme von Pannonbusz sowie die vollständige Konsolidierung von MDI stützten die Erlöse. Gleichzeitig fehlte im ersten Quartal 2026 der zusätzliche Schub aus einem früheren Projekt zur Entwicklung eines Drittanbieter-Lagers, das inzwischen ausläuft.

Das Unternehmen beziffert das organische Umsatzwachstum im Kerngeschäft der Logistik auf 3,4 Prozent beziehungsweise 2,5 Millionen Euro. Im Bereich Transport und Spedition blieb die Aktivität im ersten Quartal 2026 insgesamt auf dem Niveau des Vergleichszeitraums – das zentrale Transportgeschäft legte damit nicht nennenswert zu.

Internationaler Transport und multimodale Leistungen kamen auf 105,3 Millionen Euro Umsatz (+2,9 Prozent). Die Kontraktlogistik steuerte 63,8 Millionen Euro zur Segmentleistung bei.

Entscheidender als das Umsatzplus ist jedoch, was am Ende operativ übrig blieb. Das EBIT der Logistiksparte lag bei 1,6 Millionen Euro – lediglich 0,2 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Bei mehr als 160 Millionen Euro Umsatz ist das nur eine minimale Verbesserung. Die EBIT-Marge des Segments lag bei 1,0 Prozent: Pro 100 Euro Umsatz entsteht damit rund 1 Euro operativer Gewinn aus Transport und Kontraktlogistik. Bei so engen Margen können schon kleine Veränderungen bei Kosten oder Wechselkursen stark durchschlagen.

Versicherung bleibt der Ergebnisanker

Stabiler wirkt das Konzernergebnis vor allem deshalb, weil die Versicherungssparte die schwächere Profitabilität der Logistik weiterhin abfedert. Die Versicherungserlöse stiegen auf 46,0 Millionen Euro – ein kräftiges Plus von 19,3 Prozent und damit deutlich schneller als in der Logistik.

Das EBIT der Versicherung erreichte 9,5 Millionen Euro. Damit entfielen rund 86 Prozent des konsolidierten operativen Ergebnisses von 11,0 Millionen Euro auf dieses Segment. Obwohl Waberer’s in der öffentlichen Wahrnehmung weiterhin stark mit Logistik verbunden ist, zeigt die Ergebnisstruktur klar: Die Ertragskraft liegt zunehmend im Versicherungsgeschäft.

Als Haupttreiber nennt der Bericht zwei Faktoren: In der Schaden- und Unfallversicherung wuchs das Portfolio rund um Geräteschutzversicherungen für mobile Endgeräte. In der Lebensversicherung war der Nachhall früherer Einmalprämien-Produkte weiterhin sichtbar. Da diese Produktgruppen nicht unmittelbar vom Zyklus im europäischen Straßengüterverkehr abhängen, ist der Konzerngewinn weniger anfällig für Schwankungen bei Frachtraten.

Dieselpreise und ein stärkerer Forint belasten die Logistik

Zum Quartalsende geriet die ohnehin knappe Marge in der Logistik zusätzlich unter Druck – vor allem durch gestiegene Dieselpreise. Das Unternehmen bewertet diesen Effekt als temporär: Über vertragliche Dieselzuschläge sollen die Mehrkosten im zweiten Quartal kompensiert werden. Allerdings entsteht dadurch ein Timing-Problem: Die Belastung trifft zunächst das erste Quartal, die Entlastung folgt erst später.

Ähnlich wirkte die Aufwertung des Forint gegenüber dem Euro. Da der internationale Transport in Euro abgerechnet wird, drückt ein stärkerer Forint laut Unternehmen auf die Profitabilität. Gegen Ende des Quartals schwächte sich der Forint im Zuge geopolitischer Risiken kurzzeitig ab – dieses Zeitfenster nutzte Waberer’s für Termingeschäfte zur Währungsabsicherung. Diese Hedges sollen die Ergebnisse in den kommenden Perioden stützen und den aktuellen Gegenwind teilweise abmildern.

Vorstandsvorsitzender und CEO Zsolt Barna betonte im Bericht ebenfalls, dass die Kombination aus höheren Kraftstoffpreisen und einem stärkeren Forint die Ertragskraft belastet habe. Um die Profitabilität zu sichern, bleibe strikte Kostendisziplin im weiteren Jahresverlauf entscheidend.

Geringere Steuerlast stützt den Überschuss

Der Konzern weist für das erste Quartal einen Nettogewinn von 7,7 Millionen Euro aus – ein Plus von 2,4 Prozent. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Verbesserung. Differenzierter fällt das Bild beim Blick auf die Vorsteuerzahlen aus: Das Ergebnis vor Steuern sank von 10,1 Millionen Euro auf 8,5 Millionen Euro, also um 15,8 Prozent.

Der Anstieg beim Nettogewinn ist damit nicht allein operativ begründet. Eine spürbar niedrigere Steuerlast spielte eine wichtige Rolle: Der Steueraufwand ging von 2,6 Millionen Euro auf 0,8 Millionen Euro zurück. Zudem verschlechterte sich das Finanzergebnis weiter – auf minus 2,5 Millionen Euro nach minus 0,8 Millionen Euro im Vorjahr – was ebenfalls auf das Vorsteuerergebnis drückte.

Zusätzlich nennt das Unternehmen einen Nettogewinn ohne nicht realisierte Währungseffekte: Dieser lag bei 7,3 Millionen Euro und entspricht einem Zuwachs von 31,5 Prozent. Diese Kennzahl blendet nicht zahlungswirksame Wechselkurseffekte aus und zeichnet dadurch ein stärkeres Bild als die Veränderung des ausgewiesenen Nettogewinns allein.

Ausblick: EBIT-Ziel bleibt auf Vorjahresniveau

Für 2026 hält das Management an der Erwartung fest, dass das konsolidierte EBIT in etwa auf dem Niveau von 2025 bei rund 58 Millionen Euro liegen soll. Eine höhere Jahresprognose gibt Waberer’s damit zum jetzigen Zeitpunkt nicht – angestrebt wird im Kern eine Wiederholung des Vorjahreswerts.

Gleichzeitig sollen bereits angestoßene Initiativen zur Geschäftsentwicklung in der Lagerlogistik, im internationalen Transport und in der Produktionslogistik weiterlaufen. Damit setzt das Unternehmen langfristig auf mehrere Wachstumssäulen.

Die Zahlen aus dem ersten Quartal machen jedoch die Zweiteilung deutlich: Die Versicherung liefert verlässlich starke Ergebnisse, während die Logistik zwar Umsatz aufbaut, aber in einem europäischen Markt mit Kostendruck und Wechselkursbelastungen weiterhin mit sehr niedrigen Margen arbeitet.

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