Foto: Pressematerial von JOST Werke SE

25 Logistikübernahmen in Europa: Wer im August zugekauft hat

Lesezeit 5 Min.

Der europäische Markt für Übernahmen im Logistiksektor blieb im August 2026 dynamisch. Die Transaktionen umfassten Unternehmen aus dem Straßentransport, der Paketzustellung, der temperaturgeführten Logistik sowie dem Hafen- und Luftfrachtgeschäft. Im Mittelpunkt standen zusätzliche Kapazitäten, eine größere geografische Abdeckung und spezialisiertes Know-how. Zugleich gewannen staatliche und Infrastrukturinvestoren bei großen Logistikplattformen weiter an Bedeutung.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auf Europa entfielen im August die meisten Logistikübernahmen: 25 der weltweit erfassten 62 Deals betrafen den Kontinent.
  • Der Straßengüterverkehr und die spezialisierte Logistik blieben zentrale Bereiche der Konsolidierung.
  • Große Investoren richteten ihren Blick zunehmend auf strategische Logistikinfrastruktur und digitale Plattformen.

Die M&A-Aktivität im europäischen Logistiksektor blieb im August 2026 rege. Zu den größeren Transaktionen zählten Übernahmen im Straßengüterverkehr, in der Paketzustellung, der Kühlkettenlogistik, dem Hafengeschäft und der Luftfracht. Für die Käufer standen vor allem zusätzliche Kapazitäten, eine größere geografische Abdeckung und spezialisiertes Know-how im Vordergrund. Mehrere umfangreiche Deals zeigten zudem, dass Staatsfonds und Infrastrukturinvestoren weltweit eine zunehmend wichtige Rolle in der Logistik übernehmen.

Auf Europa entfielen 25 der weltweit 62 im August erfassten Logistikübernahmen. Das entspricht 40,3 Prozent aller Transaktionen, wie aus der aktuellen M&A-Auswertung von Logisyn Advisors und Transport Intelligence hervorgeht. Nordamerika folgte mit 23 Deals. Weltweit verzeichnete der Transportsektor mit 17 Übernahmen die meisten Transaktionen, gefolgt von der Frachtspedition mit zehn und dem Logistikbereich mit sechs Deals.

Straßengüterverkehr bleibt im Fokus der Konsolidierung

Zu den größeren europäischen Transaktionen im Straßengüterverkehr zählte die geplante Übernahme des deutschen Transportdienstleisters CTJ Janssen durch die belgische Logistikgruppe JOST. Das Familienunternehmen erzielt jährlich rund 135 Millionen Euro Umsatz, beschäftigt etwa 650 Mitarbeiter und betreibt rund 400 Lkw sowie mehr als 500 Auflieger. Nach Abschluss der Übernahme würde JOST rund 4.000 Beschäftigte, 2.100 Lkw und 4.500 Auflieger umfassen.

Auf der Iberischen Halbinsel übernahm die portugiesische Paulo Duarte Group Barquín y Otxoa. Der baskische Transport- und Logistikdienstleister ist auf temperaturgeführte Transporte spezialisiert und beschäftigt mehr als 500 Menschen. Für die vergrößerte Unternehmensgruppe rechnet Paulo Duarte 2026 mit einem Umsatz von rund 240 Millionen Euro.

Eine weitere größere Transaktion in Spanien betraf das Logistikgeschäft von Telefónica. OnTime will die Zeleris-Sparte für rund 100 Millionen Euro übernehmen. Mit der Transaktion würden etwa 1.200 Mitarbeiter hinzukommen. Gleichzeitig baut OnTime seine Position in der Paketzustellung, im E-Commerce-Fulfillment und bei integrierten Logistiklösungen aus. Die Übernahme ist Teil der Wachstumsstrategie, mit der das Unternehmen bis 2030 einen Umsatz von zwei Milliarden Euro anstrebt.

Kühlketten- und Speziallogistik ziehen Investoren an

Auch Einrichtungen für temperaturgeführte Logistik standen im Mittelpunkt mehrerer Übernahmen. Constellation Cold Logistics expandierte nach Polen und übernahm Wimar Coldstore. Der Zukauf umfasst eine Anlage südlich von Warschau mit 25.000 temperaturgeführten Palettenstellplätzen. Für Constellation ist es der erste operative Standort in Polen und zugleich die Basis für weiteres Wachstum in Mittel- und Osteuropa.

In Österreich übernahm der auf Gesundheitslogistik spezialisierte Anbieter VITAIRA das Unternehmen SCHNEIDER+PEKLAR. Damit entsteht am Flughafen Wien ein südlicher Hub. Die Transaktion unterstützt die Pläne von VITAIRA, eine europaweite Plattform für temperaturgeführte Logistik in pharmazeutischen und medizinischen Lieferketten aufzubauen.

Das saudische Unternehmen SAL Logistics Services schloss unterdessen die Übernahme von Aviapartner Liège für 28 Millionen Euro ab. Mit dem Erwerb erhält SAL seinen ersten operativen Standort außerhalb Saudi-Arabiens und eine Basis am Flughafen Lüttich, einem der wichtigsten europäischen Drehkreuze für Luftfracht.

Hapag-Lloyd baut Terminalstrategie aus

Im Hafensektor vereinbarte Hapag-Lloyd den Erwerb einer Beteiligung von 25 Prozent an APM Terminals Maasvlakte II in Rotterdam. Damit erhält die Reederei Zugang zu automatisierten Containerumschlagkapazitäten an einem der wichtigsten europäischen Gateways.

Das Terminal wird derzeit um weitere 1.000 Meter Tiefwasserkais, zusätzliche Lagerflächen und vier Bahnspuren erweitert. Nach Abschluss der Arbeiten soll seine jährliche Umschlagkapazität bei rund 5,4 Millionen TEU liegen. Maasvlakte II ist zudem ein wichtiger europäischer Standort der Gemini Cooperation von Hapag-Lloyd und Maersk.

Auch der Duisburger Hafenbetreiber duisport erwarb eine Beteiligung am Maxi Terminal Hamm. Damit erweitert das Unternehmen sein intermodales Netzwerk in Nordrhein-Westfalen und stärkt die Verbindung zwischen der westfälischen Industrie und internationalen Güterverkehrskorridoren.

Staatsfonds nehmen globale Logistik ins Visier

Zu den größeren Transaktionen außerhalb Europas gehörten zwei von Abu Dhabi unterstützte Investitionen.

  • Mubadala Capital vereinbarte den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung am US-amerikanischen Frachtvermittler Arrive Logistics. Das Unternehmen zählt zu den größten Truckload-Brokern Nordamerikas, betreut mehr als 5.500 Kunden und arbeitet in den USA, Kanada und Mexiko mit über 10.000 festen Frachtführern zusammen. Die bisherigen Investoren und das Management sollen nach Abschluss der Transaktion weiterhin beteiligt bleiben.
  • Zeitgleich leitete L’IMAD den Erwerb der verbleibenden 24,58 Prozent an AD Ports Group ein. Der Investmentarm von Abu Dhabi könnte den Hafen- und Logistikkonzern damit vollständig von der Börse nehmen. Nach Einschätzung von Logisyn und Transport Intelligence deuten beide Transaktionen darauf hin, dass staatliche Investoren sich nicht mehr auf Minderheitsbeteiligungen beschränken, sondern zunehmend die Kontrolle über große Logistikplattformen übernehmen.
Tags:

Auch lesen