Bartosz Wawryszuk

Eine Stunde Suche, 20 Kilometer Umweg: Lkw-Parkplätze fehlen

Lesezeit 5 Min.

Lkw-Fahrer verlieren regelmäßig eine halbe Stunde oder länger mit der Suche nach einem geeigneten Stellplatz. Eine neue DEKRA-Erhebung zeigt, wie groß der Druck ist: In Europa fehlen laut Schätzungen mehr als 390.000 Lkw-Parkplätze. Nur knapp 5.000 der vorhandenen Plätze sind nach dem EU-Standard für sichere und geschützte Parkflächen zertifiziert.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • 43 Prozent der von DEKRA befragten Fahrer benötigen 30 bis 60 Minuten für die Parkplatzsuche, 24 Prozent suchen länger als eine Stunde.
  • Fast zwei Drittel mussten sich wiederholt auf Zufahrten, Ausfahrten oder befestigten Seitenstreifen abstellen.
  • In der EU gibt es rund 380.000 Lkw-Stellplätze. Nur 4.943 Plätze an 35 Standorten sind derzeit nach dem EU-Standard für sichere und geschützte Parkflächen zertifiziert.
  • Die Europäische Kommission geht von einem Defizit von 390.057 Stellplätzen aus. Bis 2040 könnte die Lücke auf 483.000 Plätze anwachsen.

Für ihren Verkehrssicherheitsbericht 2026, „Straßenverkehr am Arbeitsplatz“, befragte DEKRA rund 100 Berufskraftfahrer verschiedener Nationalitäten. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer arbeitet seit über zehn Jahren in der Transportbranche. Die Antworten zeigen: Die Suche nach einem geeigneten Halt ist für viele Fahrer inzwischen ein fester und zeitaufwendiger Bestandteil des Arbeitstags.

43 Prozent der Befragten gaben an, im Schnitt 30 bis 60 Minuten nach einem Parkplatz zu suchen. Weitere 24 Prozent benötigten mehr als eine Stunde. Besonders schwierig ist die Situation laut DEKRA zwischen 15 und 17 Uhr. Deutschland nannten die Fahrer als besonders problematisch. Sie verwiesen sowohl auf fehlende Lkw-Stellplätze als auch auf Parkbuchten, die von Pkw oder anderen Fahrzeugen blockiert werden.

Mehr als die Hälfte der Befragten legte regelmäßig mindestens 20 zusätzliche Kilometer zurück, um einen geeigneten Halteplatz zu finden.

Für Fahrer, deren zulässige Lenkzeit sich dem Ende nähert, ist das besonders problematisch. Sie können nicht unbegrenzt weiterfahren, nur weil kein Stellplatz frei ist. Ein ungeeigneter Halt birgt jedoch ein zusätzliches Unfallrisiko. Fast zwei Drittel der Befragten erklärten, sie hätten sich deshalb wiederholt auf Zufahrten, Ausfahrten oder befestigten Seitenstreifen abstellen müssen.

DEKRA-Unfallforscher Luis Ancona warnte davor, dass abgestellte Lkw an solchen Stellen selbst zu einer erheblichen Gefahrenquelle werden können.

Ein gefundener Stellplatz ist nicht automatisch sicher

Die Befragung zeigt außerdem, dass ein freier Platz allein das Problem nicht löst: Viele Fahrer fühlen sich auch nach dem Abstellen ihres Lkw nicht ausreichend geschützt. 60 Prozent sehen eine fehlende Videoüberwachung als größtes Sicherheitsproblem. An zweiter Stelle steht eine unzureichende Beleuchtung. Rund ein Drittel vermisst zudem Polizeibeamte oder Sicherheitspersonal vor Ort.

Etwa die Hälfte der Fahrer meidet bestimmte Rastanlagen bewusst, weil es dort bereits zu Fahrzeugaufbrüchen, Ladungsdiebstählen, Vandalismus oder körperlichen Angriffen gekommen ist.

Digitale Parkplatz-Apps gehören für viele Fahrer bereits zum Alltag. Rund zwei Drittel nutzen Anwendungen, um freie Stellplätze zu finden. Bei der Zahlungsbereitschaft für garantierte Parkmöglichkeiten gehen die Meinungen jedoch auseinander. 22 Prozent würden bis zu 5 Euro bezahlen, während 20 Prozent grundsätzlich nichts zahlen möchten. Für etwa ein Drittel hängt die Zahlungsbereitschaft vom jeweiligen Standort ab.

Darüber hinaus bemängelten die Fahrer die sanitären Einrichtungen, Gebühren für Stellplätze und Duschen sowie fehlende geeignete Bereiche für die Erholung.

Europa fehlen Hunderttausende Lkw-Stellplätze

Die DEKRA-Ergebnisse stehen vor dem Hintergrund eines deutlich größeren Problems in Europa. Eine von der Europäischen Kommission unterstützte Studie geht von rund 380.000 Lkw-Stellplätzen auf etwa 6.500 Parkflächen in der EU aus. Allerdings sind derzeit nur 4.943 Plätze an 35 Standorten nach dem EU-Standard für sichere und geschützte Parkflächen zertifiziert.

Die Untersuchung beziffert das aktuelle Defizit auf 390.057 Stellplätze. Da der Straßengüterverkehr weiter zunimmt, könnte die Lücke bis 2040 auf rund 483.000 Plätze anwachsen. Frankreich, Deutschland, die Benelux-Staaten, Spanien, Italien und Teile Mitteleuropas sind besonders stark betroffen.

Nach Einschätzung der Europäischen Kommission beeinträchtigen fehlende Parkmöglichkeiten nicht nur die Sicherheit und die Arbeitsbedingungen der Fahrer, sondern auch die allgemeine Verkehrssicherheit und die Effizienz der Logistik. Die EU-Vorgaben sehen vor, dass die Mitgliedstaaten bis Ende 2040 zertifizierte sichere und geschützte Parkflächen entlang des Kernnetzes und des erweiterten Kernnetzes des TEN-T-Straßennetzes schaffen.

Vorgeschlagen werden unter anderem die Nachrüstung bestehender Parkflächen auf einheitliche Mindestsicherheitsstandards, die Aufnahme des Stellplatzbedarfs in nationale Verkehrsplanungen sowie eine weitere finanzielle Unterstützung neuer Anlagen durch die EU.

Tags:

Auch lesen