Die großen Übernahmen in der Transport- und Logistikbranche konzentrieren sich weiterhin auf den Güterverkehr. Investoren suchen dabei nicht wahllos nach Wachstum, sondern nach Unternehmen und Infrastruktur, die Zugang zu Kunden, Transportkorridoren und stabilen Erträgen bieten.
Nach dem aktuellen „Transport & Logistics Barometer“ von PwC und Strategy& wurden im ersten Halbjahr 2026 weltweit 105 Transaktionen mit einem Wert von mindestens 50 Millionen US-Dollar angekündigt. Im Vorjahreszeitraum waren es 108. Der veröffentlichte Gesamtwert stieg dagegen um 2,9 Prozent von 62,5 auf 64,3 Milliarden US-Dollar. Der Durchschnitt lag damit bei rund 612,1 Millionen US-Dollar je Transaktion.
Die wichtigsten Zahlen
| Kennzahl | Erstes Halbjahr 2026 |
|---|---|
| Angekündigte Transaktionen ab 50 Millionen US-Dollar | 105 |
| Vergleichswert erstes Halbjahr 2025 | 108 |
| Veröffentlichter Gesamtwert | 64,3 Milliarden US-Dollar |
| Durchschnittlicher Transaktionswert | 612,1 Millionen US-Dollar |
| Megadeals ab einer Milliarde US-Dollar | 17 |
| Wert der 17 Megadeals | 42,38 Milliarden US-Dollar |
| Anteil der Finanzinvestoren an der Dealzahl | 43 Prozent |
| Anteil der Finanzinvestoren am Dealwert | 56 Prozent |
PwC wertet dabei angekündigte Transaktionen aus. Ein Teil der in der Studie aufgeführten Geschäfte war zum Stichtag noch nicht abgeschlossen. Allein die 17 Megadeals mit einem Volumen von jeweils mindestens einer Milliarde US-Dollar kamen laut Analyse auf insgesamt 42,38 Milliarden US-Dollar.
InPost ist der größte Logistikdeal
Die größte angekündigte Transaktion im Güterverkehr betrifft InPost, einen polnischen Paket- und Automatenlogistiker. Ein Konsortium unter Führung von FedEx sowie den Finanzinvestoren Advent, A&R und PPF plant nach Angaben von PwC die Übernahme des Unternehmens für 9,22 Milliarden US-Dollar.
Der Deal steht exemplarisch für das Interesse an Plattformen, die über ein bestehendes Netz, wiederkehrende Sendungsmengen und direkten Zugang zum Endkunden verfügen. Gefragt ist damit nicht nur klassische Transportkapazität. Käufer suchen Systeme, mit denen sich zusätzliche Mengen in ein vorhandenes Netzwerk integrieren lassen.
Ebenfalls im Bereich Logistik und Straßengüterverkehr angesiedelt ist der geplante Verkauf eines Kühlhausportfolios des US-amerikanischen Betreibers von Kühllagern – Americold Realty Trust. Als Käufer nennt die Studie Snowfall Topco; der Wert der noch anhängigen Transaktion beträgt 2,4 Milliarden US-Dollar. Es handelt sich damit nicht um eine vollständige Übernahme von Americold, sondern um den Erwerb ausgewählter Kühlimmobilien.
Ein weiterer großer Deal betrifft den kanadischen Kontraktlogistiker Metro Supply Chain. Nippon Express Holdings will das Unternehmen laut PwC für 1,61 Milliarden US-Dollar übernehmen. Auch diese Transaktion war zum Berichtszeitpunkt noch anhängig.
Hinzu kommt die angekündigte Übernahme des französischen Unternehmens World Freight Company durch Brookfield Asset Management für 1,2 Milliarden US-Dollar. Im Paket- und Expressmarkt vereinbarten J&T Global Express und SF Holding zudem eine gegenseitige Beteiligung. PwC führt beide Beteiligungsschritte mit jeweils 1,06 Milliarden US-Dollar auf.
Hapag-Lloyd bietet Milliardenbetrag für ZIM
Die Schifffahrt bildete nach Logistik und Trucking den zweiten Schwerpunkt der Übernahmetätigkeit. Zu den größten angekündigten Transaktionen zählt das Angebot von Hapag-Lloyd für die israelische Containerreederei ZIM Integrated Shipping Services. PwC beziffert das Volumen auf 4,22 Milliarden US-Dollar und führt das Geschäft als noch anhängig.
Nach der Analyse lag der angebotene Preis rund 58 Prozent über dem unbeeinflussten Aktienkurs von ZIM. PwC ordnet dies in eine breitere Neubewertung der Schifffahrt ein: Zwischen Dezember 2023 und Juni 2026 seien die zukunftsgerichteten EBIT-Multiples börsennotierter Reedereien um rund 40 Prozent gestiegen. Die Schifffahrt war damit der einzige untersuchte Teilsektor mit einer deutlichen Ausweitung der Bewertungsmultiplikatoren.
Weitere größere Transaktionen betrafen den Kauf von Poseidon Corp durch Ocean Network Express für 1,07 Milliarden US-Dollar sowie die geplante Übernahme von Hornbeck Offshore Services durch Helix Energy Solutions für 1,83 Milliarden US-Dollar.
Häfen und Straßen bleiben gefragt – aber nicht um jeden Preis
Bei Infrastruktur ging die Zahl der Deals zurück. PwC registrierte 17 angekündigte Transaktionen mit Flughäfen, Straßen oder Häfen als Übernahmeziel. Ihr veröffentlichter Gesamtwert lag bei 13,2 Milliarden US-Dollar. Damit entfielen 16 Prozent der untersuchten Transaktionen und 21 Prozent ihres Gesamtwerts auf Infrastruktur.
Zu den größten Geschäften zählt der geplante Kauf von zehn Hafenbeteiligungen der Reederei CMA CGM durch Stonepeak für 2,4 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommen der geplante Erwerb des australischen Mautstraßenbetreibers Atlas Arteria sowie die Übernahme eines Portfolios von neun indischen Mautstraßen durch Vinci Highways.
Die geringere Dealzahl wertet PwC nicht als strukturellen Bedeutungsverlust. Häfen, Terminals und Straßenkonzessionen böten weiterhin hohe Markteintrittsbarrieren und langfristig kalkulierbare Zahlungsströme. Käufer gingen jedoch selektiver vor und konzentrierten sich auf Infrastruktur, die Zugang zu wichtigen Korridoren oder dauerhaftem Frachtaufkommen bietet.
Diese Strategie zeigt sich auch bei zwei Anfang Juli angekündigten Geschäften, die nicht mehr zum eigentlichen Halbjahreszeitraum gehören: Nach Angaben des Berichts will die Hapag-Lloyd-Tochter Hanseatic Global Terminals eine Beteiligung am Eurogate Container Terminal Hamburg erwerben. Außerdem plant CMA CGM den Kauf der Supply-Chain-Sparte von FedEx. PwC sieht darin eine Fortsetzung der vertikalen Integration von Reedereien und Logistikunternehmen.
Finanzinvestoren treiben den Transaktionswert
Strategische Käufer standen für die Mehrheit der angekündigten Transaktionen. Den größeren Anteil am Gesamtwert brachten jedoch Finanzinvestoren ein. Sie waren laut PwC an 43 Prozent der Deals beteiligt, auf sie entfielen aber 56 Prozent des Transaktionswerts. Besonders stark engagierten sie sich im Bereich Logistik und Trucking: Dort kamen sie auf 21 Transaktionen mit einem Gesamtwert von 16,8 Milliarden US-Dollar.
Auch bei den Kaufpreisen zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Finanzinvestoren zahlten nach PwC-Angaben im Median das 9,6-Fache des EBITDA. Bei strategischen Käufern lag der entsprechende Wert bei 5,6. Die Studie führt die Differenz auf das Interesse von Finanzinvestoren an stabilen, Cashflow-starken Logistik- und Infrastrukturplattformen zurück. Strategische Käufer achteten dagegen stärker auf mögliche Synergien und blieben beim Einstiegspreis zurückhaltender.
Wir beobachten einen selektiveren M&A-Markt, der sich auf Vermögenswerte konzentriert, die Widerstandsfähigkeit, Kontrolle über das Netzwerk und die Ertragsqualität stärken“, sagt Ingo Bauer, Leiter des Bereichs Transport, Logistik und Tourismus bei PwC Deutschland.
Europa fällt durch besonders große Deals auf
Nach Zahl der Transaktionen war Asien und Ozeanien die aktivste Region. PwC zählt dort 68 Geschäfte mit einem veröffentlichten Wert von 32,8 Milliarden US-Dollar. 50 davon fanden innerhalb der Region statt.
Europa kam auf 27 Transaktionen mit einem Gesamtwert von 30,3 Milliarden US-Dollar. Mit durchschnittlich rund 1,12 Milliarden US-Dollar je Deal wurden hier die größten Transaktionen registriert. Zudem entfielen 13 der 27 europäischen Deals auf Käufer von außerhalb Europas. Damit verzeichnete Europa die höchste Zahl eingehender grenzüberschreitender Transaktionen.
Der Nahe Osten gewann ebenfalls an Bedeutung. An zwölf Transaktionen im Gesamtwert von rund 7,09 Milliarden US-Dollar waren Käufer oder Ziele aus der Region beteiligt. Damit wurde bereits im ersten Halbjahr der Wert des gesamten Jahres 2025 übertroffen. Der Schwerpunkt lag auf Häfen, maritimen Dienstleistungen und Schifffahrt.
Allianzen ergänzen klassische Übernahmen
Unternehmen bauen ihre Netzwerke nicht ausschließlich über vollständige Übernahmen aus. PwC registrierte im ersten Halbjahr 105 Joint Ventures, strategische Allianzen und Codeshare-Vereinbarungen. Das waren rund 19 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, als 88 Vereinbarungen gezählt wurden. Bereits 2025 war ihre Zahl um 86 Prozent auf 193 gestiegen.
Im Güterverkehr dienten solche Kooperationen vor allem dazu, auf gestörte Handelswege zu reagieren, neue Kapazitäten zu erschließen oder Lieferketten widerstandsfähiger zu machen. Als Beispiel für ein kapitalintensives Infrastruktur-Joint-Venture nennt PwC United Ports, eine Partnerschaft von CMA CGM und Stonepeak. In der Verteidigungslogistik entstand die Kooperation Torus von Amentum, GXO, Accenture und Maersk für britische Lieferketten.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Über eine Allianz können Unternehmen Technologie, Infrastruktur oder Marktzugang gemeinsam nutzen, ohne sofort das gesamte Kapital für eine Übernahme aufbringen zu müssen.
Worauf Käufer in der Logistik achten
Für die zweite Jahreshälfte erwartet PwC keine breite Übernahmewelle. Gefragt bleiben Unternehmen, die einen klaren strategischen Nutzen bieten. Dazu gehören nach Einschätzung der Analysten vor allem:
- Paket- und Expressnetze,
- Kontraktlogistik,
- Kühlketten und temperaturgeführte Logistik,
- Lager- und Distributionsstandorte,
- Last-Mile-Netzwerke,
- Häfen, Terminals und intermodale Anlagen,
- digitale Lösungen für Transparenz, Routensteuerung und Anlagenauslastung.
Die Auswahl zeigt, wie sich der Markt verändert hat. Entscheidend ist nicht mehr allein, wie viele Fahrzeuge, Hallen oder Standorte ein Unternehmen besitzt. Wertvoll wird ein Logistikdienstleister dort, wo seine Anlagen, Kundenverträge, Daten und Transportverbindungen zu einem schwer ersetzbaren Netzwerk zusammenwachsen.
Die nächste Deal-Phase wird durch die Fähigkeit geprägt sein, Netzwerke zu orchestrieren, Korridore zu diversifizieren, Technologien zu integrieren und operative Flexibilität abzusichern“, so Bauer.
Damit bleibt der Güterverkehr zwar das Zentrum der Übernahmetätigkeit. Einen hohen Preis erzielen aber vor allem Unternehmen, deren Netzwerke auch dann funktionieren, wenn etablierte Routen ausfallen, Kapazitäten knapp werden oder sich Handelsströme kurzfristig verlagern.









