Kontrolliert wurde an einem Donnerstag an der Rastanlage Weiskirchen Nord an der A3 in Fahrtrichtung Köln. Federführend war die Verkehrspolizei Südhessen (Südost), unterstützt von Kräften aus anderen Bundesländern, dem Zoll sowie Prüfern des Bundesamts für Logistik und Mobilität (BALM).
Kontrolltag mit Folgen auf der A3
Zwischen 8 und 16 Uhr – bei hohen Temperaturen – wurden 78 Lastkraftwagen, acht Pkw sowie fünf Reisebusse überprüft. Die Bandbreite war groß: vom internationalen Kuriertransporter bis hin zu schweren Großraum- und Schwerlastkombinationen.
Die Bilanz der achtstündigen Aktion fällt entsprechend deutlich aus:
- 59 Verstöße gegen Sozialvorschriften im Zusammenhang mit Arbeits- und Lenkzeiten,
- 19 Fälle mit erheblichen technischen Mängeln,
- 9 Beanstandungen wegen mangelhafter Ladungssicherung,
- 9 Untersagungen der Weiterfahrt,
- 3 festgestellte Straftaten,
- mehr als vierzigtausend Euro als Sicherheitsleistungen für zu erwartende Verfahren.
Zur Einordnung: Das BALM veröffentlichte kürzlich Ergebnisse koordinierter Kontrollen, die im April 2026 bundesweit liefen. Dabei waren 440 Kontrollkräfte an 95 Kontrollstellen im Einsatz; Bußgelder und Sicherheitsleistungen beliefen sich im gesamten Monat auf 162,7 tausend Euro. Damit brachte ein einzelner Kontrolltag in Hessen ungefähr ein Viertel dessen ein, was bundesweit in einem ganzen Monat zusammenkam.
Auffällig: Wiederholungstäter aus Griechenland und ein Bremsenfall aus Lettland
Besonders ins Auge fiel ein griechischer Sattelzug. Die Kontrolleure dokumentierten fortgesetzte, wiederholte Überschreitungen der Lenkzeitgrenzen sowie das Missachten vorgeschriebener Ruhezeiten. Die Weiterfahrt wurde unmittelbar untersagt, das Fahrzeug blieb an der Rastanlage stehen. Erst nach Zahlung einer Sicherheitsleistung in Höhe von zwölftausend Euro durfte die Fahrt fortgesetzt werden.
Auch andere internationale Fahrzeuge gerieten in Schwierigkeiten. Ein niederländischer Autotransporter, der drei Wohnanhänger zog, überschritt die zulässige Gesamtlänge deutlich. Der Fahrer versuchte vor Ort durch Umsetzen der Ladung nachzubessern – dennoch blieb die Kombination außerhalb der erlaubten Abmessungen. Die Konsequenzen: sofortiges Fahrverbot, Einleitung eines Verfahrens zur Abschöpfung unrechtmäßig erlangter Vermögensvorteile und eine Sicherheitsleistung von zweitausend neunhundertvierzig Euro.
Bei einem lettischen Lastzug stellten die Prüfer zudem eine gefährlich mangelhafte Bremsanlage fest. Brisant: Aus den mitgeführten Unterlagen ging hervor, dass exakt derselbe Defekt wenige Tage zuvor bereits bei einer Kontrolle in der Schweiz erkannt und amtlich dokumentiert worden war. Damals legte das Unternehmen Belege für einen Teiletausch vor – die schnelle Wiederholung und der weiterhin bestehende Mangel weckten jedoch den Verdacht gravierender Einbaufehler. Dafür wurden sechshundert Euro als Sicherheitsleistung erhoben.
Manipulation an der Abgasreinigung – und ein Reisebus muss stehen bleiben
Die Kontrolle brachte auch einen klaren Fall von Umweltbetrug ans Licht. In einem bulgarischen leichten Nutzfahrzeug entdeckten die Einsatzkräfte einen AdBlue-Emulator, der das SCR-System (selektive katalytische Reduktion) gezielt beeinflusst. Die Manipulation führte zu einem sofortigen Fahrverbot, einem Bußgeld von eintausend Euro und dazu, dass das Fahrzeug abgeschleppt wurde.
Betroffen waren auch Fahrgäste: Ein Reisebus aus Bosnien und Herzegowina auf dem Weg nach Dortmund wurde wegen erheblicher Mängel in den Arbeitszeitaufzeichnungen der Fahrer gestoppt. Die Fahrt wurde umgehend unterbrochen, eine Sicherheitsleistung von dreitausend sechshundert Euro festgesetzt, und die Passagiere mussten an der Rastanlage warten, bis ein Ersatzbus eintraf. Ein weiterer Reisebus – diesmal aus Bulgarien – wurde mit ähnlich gravierenden Verstößen gegen Sozialvorschriften festgestellt; das kostete das Unternehmen zweitausend fünfhundert Euro.
Ein Pkw aus Irland fiel aus anderen Gründen auf: Der Fahrer verfügte über keine gültige Fahrerlaubnis, zudem ergab ein Test Hinweise auf Kokainkonsum. Es wurden strafrechtliche Schritte eingeleitet und sechshundert Euro gesichert.
Mehr als jedes zweite Fahrzeug beanstandet
Nach Abschluss der Kontrollen um 16 Uhr blieb vor allem eine Kennzahl hängen: Die Beanstandungsquote lag bei 52 Prozent. Praktisch bedeutet das: Mehr als die Hälfte der überprüften Fahrzeuge wies Mängel oder Verstöße auf – teils so schwer, dass eine Weiterfahrt untersagt werden musste. Die Polizei betonte in ihrer Zusammenfassung, dass technische Defekte, Übermüdung am Steuer und unzureichend gesicherte Ladung keine Formalien sind, sondern unmittelbare Risiken für alle Verkehrsteilnehmer.
BALM: Kontrollen bleiben Schwerpunkt – auch bundesweit
Nach Angaben des BALM sind solche Einsätze keine einmalige Unterstützung für lokale Behörden, sondern Teil einer systematischen Kontrollstrategie gegen typische Verstöße im Straßengüterverkehr. Der Bericht zu den koordinierten Maßnahmen im April 2026 zeigt die Dimension: 440 Einsatzkräfte kontrollierten an 95 Standorten insgesamt 1.693 Fahrzeuge.
Aus den Detailzahlen wird zudem deutlich, wo der Schwerpunkt lag:
- Kabotage: 1.436 Kontrollen dienten der Prüfung, ob Kabotage-Fahrten rechtmäßig durchgeführt wurden. Dabei wurden 51 Unregelmäßigkeiten festgestellt, die sich in 80 konkrete Verstöße aufteilten.
- Regelmäßige Wochenruhezeit im Fahrerhaus: 313 gezielte Prüfungen konzentrierten sich auf das Verbot, die regelmäßige Wochenruhezeit im Fahrzeug zu verbringen – mit 63 schwerwiegenden Verstößen als Ergebnis.
- Fahrzeugzustand: Obwohl im April nur 29 vertiefte Kontrollen speziell zum technischen Zustand durchgeführt wurden, registrierten die Prüfer dennoch zwei schwerwiegende Verstöße.
In Summe bezifferte das BALM die im April gesicherten Bußgelder und Sicherheitsleistungen auf 162.726,45 Euro. Vor diesem Hintergrund wirkt das Ergebnis aus Hessen – mehr als vierzigtausend Euro an nur einem Tag – umso bemerkenswerter.
Zugleich kündigte das BALM an, dass es bei der Linie bleibt: Kontrollen zu Kabotage, Ruhezeiten im Fahrerhaus und technischer Verkehrssicherheit sollen entlang wichtiger Transportachsen und rund um Logistikstandorte weiterhin konsequent stattfinden. Für Unternehmen, die in Deutschland unterwegs sind, ist die Botschaft klar: Abläufe und Compliance müssen sitzen – Nachsicht ist nicht zu erwarten.









