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Bilanz nach vier Wochen: Hat die Rahmedetalbrücke den Alltag normalisiert?

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Vier Wochen nach der Freigabe der neuen Rahmedetalbrücke ist der Verkehr auf der A45 wieder durchgängig. Für Logistik, Pendler und Anwohner stellt sich nun die Frage: Ist der jahrelange Ausnahmezustand tatsächlich beendet, oder zeigen sich im Alltag noch Nachwirkungen?

Die A45 ist zurück im Normalbetrieb, zumindest fast. Seit dem 22. Dezember 2025 rollt der Verkehr wieder über das erste Teilbauwerk der neuen Rahmedetalbrücke bei Lüdenscheid. Die Eröffnung erfolgte rund sechs Monate früher als geplant und markiert das vorläufige Ende einer der größten Infrastrukturkrisen der jüngeren Vergangenheit.

Rückblick: Vom Verkehrsinfarkt zur Neubau-Baustelle

Die ursprüngliche Brücke wurde im Dezember 2021 wegen gravierender Schäden am Tragwerk gesperrt. Bereits im Januar 2022 war klar: Eine Instandsetzung ist ausgeschlossen. Planung, Genehmigung und Bau liefen in Rekordzeit, 26 Monate nach Baubeginn war die erste Hälfte des Ersatzneubaus befahrbar. Die Sprengung der alten Brücke erfolgte im Mai 2023.

Politisches Signal und wirtschaftliche Bedeutung

Die Eröffnung der Brücke wurde politisch als Signal inszeniert. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach von einem „starken Symbol für die Zukunftsfähigkeit unserer Infrastruktur“. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder betonte, man habe gezeigt, dass beschleunigter Infrastrukturbau möglich sei.

Für die Logistikbranche bedeutet die Freigabe der A45 vor allem: Entlastung. Die Sauerlandlinie ist eine der zentralen Nord-Süd-Achsen. Während der Sperrung mussten Speditionen große Umwege fahren. Jetzt berichten Unternehmen von deutlich kürzeren Fahrzeiten, besserer Planbarkeit und gesunkenen Kosten.

Alltag kehrt zurück – mit kleinen Einschränkungen

Mit dem Freigabetermin wurden auch viele Umleitungsmaßnahmen aufgehoben. Dennoch sind einige Reste des Ausnahmezustands noch sichtbar. So steht an der Kreuzung Altenaer Straße/Im Grund weiterhin eine Ampelanlage, deren Abbau sich witterungsbedingt verzögert. Stadt und Landesbetrieb arbeiten daran.

Logistik profitiert, Entlastung spürbar

Besonders deutlich zeigt sich die Entlastung im Schwerverkehr. Regionale Speditionen berichten von deutlich kürzeren Fahrzeiten und besser planbaren Touren. Ein WDR-Beitrag zeigt exemplarisch, wie eine Hagener Spedition die erste Fahrt über die neue Brücke als „verfrühtes Weihnachtsgeschenk“ bezeichnete.

Für viele Unternehmen bedeutet die Freigabe nicht nur Zeitgewinn, sondern auch Kostensenkung: weniger Kraftstoffverbrauch, geringerer Verschleiß und mehr Zuverlässigkeit in der Disposition. Die Rückkehr der A45 wird daher als wichtiger Schritt zur wirtschaftlichen Stabilisierung der Region gesehen.

Zweites Teilbauwerk: Nächste Etappe eingeläutet

Am 14. Januar 2026 wurde der nächste Meilenstein erreicht: Die beiden Hälften des zweiten Teilbauwerks wurden – im Brückenbaujargon „Stahlhochzeit“ genannt, miteinander verbunden. In den kommenden Wochen folgen Schweißarbeiten, Abdichtung, Asphaltierung und Markierung.

Letzte Verschub des zweiten Teilbauwerkes in Richtung Dortmund und der Stahlüberbau wurde miteinander verbunden. Quelle: Autobahn GmbH/Alex Talash

Ein exakter Freigabetermin für die zweite Fahrbahn in Richtung Dortmund steht noch aus. Projektleiter Michael Neumann bleibt vorsichtig: „Wer weiß, was der Winter noch bringt.“

Fazit: Normalbetrieb ja, Symbolwirkung darüber hinaus

Der Verkehr auf der A45 läuft wieder, und für LKW, Pendler und Unternehmen kehrt ein großes Stück Normalität zurück. Kleine Restmaßnahmen im Stadtgebiet ändern wenig an der grundsätzlichen Entlastung.

Gleichzeitig ist die Rahmedetalbrücke mehr als nur ein Bauwerk: Sie gilt politisch als Blaupause für beschleunigte Infrastrukturprojekte in Deutschland. Ob dieser Anspruch auch bei künftigen Vorhaben eingelöst wird, bleibt abzuwarten. Für die Logistik zählt vorerst vor allem eines: Die Sauerlandlinie ist zurück und mit ihr eine der wichtigsten Verkehrsadern für den Wirtschaftsverkehr in Nordrhein-Westfalen.

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