- Die durchschnittliche Höhe von Cyber-Schäden stieg 2025 in Europa und im Vereinigten Königreich in allen untersuchten Unternehmensgrößen.
- 65 Prozent der Großunternehmen sehen Schwachstellen bei externen Dienstleistern und in Lieferketten als ihre größte Herausforderung im Bereich Cybersicherheit.
- Bei kleinen und mittleren Unternehmen stieg der durchschnittliche Schaden von 51.095 US-Dollar 2024 auf 82.621 US-Dollar 2025.
- Ransomware kann Schäden in Millionenhöhe verursachen, selbst wenn die Angreifer an der Verschlüsselung der Systeme gehindert werden.
- Künstliche Intelligenz ermöglicht es Angreifern, Netzwerke automatisiert zu erkunden und innerhalb weniger Minuten mehrere Systeme zu übernehmen.
Spediteure, Frachtführer und Logistikdienstleister arbeiten in einem Umfeld, das auf kontinuierlichem Datenaustausch und extern bereitgestellten Diensten beruht. Der Bericht von Chubb zeigt, dass die zunehmende systemische Abhängigkeit der Unternehmen zu den drei wichtigsten Trends gehört, die das Cyberrisiko prägen.
Weniger Vorfälle bedeuten nicht automatisch geringere Kosten
Die Daten von Chubb für Europa und das Vereinigte Königreich deuten nicht auf einen starken Anstieg der gemeldeten Schadenfälle hin. In einigen Unternehmenssegmenten blieb die Schadenhäufigkeit 2025 relativ niedrig. Gleichzeitig stiegen die durchschnittlichen Kosten pro Schadenfall.
Bei kleinen und mittleren Unternehmen in Europa und im Vereinigten Königreich lag der durchschnittliche Verlust 2025 bei 82.621 US-Dollar – nach 51.095 US-Dollar im Jahr 2024. Bei mittelgroßen Unternehmen stieg der Wert von 237.686 auf 318.820 US-Dollar. Bei den größten Unternehmen erhöhte er sich von 1,119 Millionen auf 2,219 Millionen US-Dollar.
Chubb weist darauf hin, dass die Verluste in Europa und im Vereinigten Königreich weiterhin niedriger sind als in den Vereinigten Staaten. Ein Grund dafür ist der geringere Anteil der Kosten, die mit Ansprüchen Dritter nach Datenschutzverletzungen und Verstößen gegen den Schutz personenbezogener Daten zusammenhängen. Eine stabile Zahl von Vorfällen führt daher nicht automatisch zu stabilen Kosten.
Die Schwachstelle kann beim Dienstleister liegen
Eine zentrale Erkenntnis des Berichts lautet: Das Cyberrisiko verändert sich. Früher konzentrierten sich Unternehmen vor allem darauf, Vorfälle in der eigenen Organisation zu verhindern und Kunden oder Lieferanten zu schützen. Heute verläuft die Gefahr auch in die entgegengesetzte Richtung: Ein Angriff auf einen Technologiepartner kann den Betrieb zahlreicher anderer Unternehmen binnen kurzer Zeit beeinträchtigen.
Der Bericht verweist auf Zahlen des Weltwirtschaftsforums. Demnach betrachten 65 Prozent der Großunternehmen Schwachstellen bei Drittanbietern und in Lieferketten als ihre größte Herausforderung im Bereich Cybersicherheit. 2025 lag dieser Anteil noch bei 54 Prozent.
Chubb schildert außerdem den Fall eines Handelsunternehmens, das für seine täglichen Abläufe auf einen externen Softwareanbieter angewiesen war. Nachdem der Anbieter Opfer eines Ransomware-Angriffs geworden war und seine Systeme ausfielen, konnte der Händler bestimmte Produkte nicht mehr verkaufen, keine Waren nachbestellen und keine Kundentermine planen. Der Gesamtschaden belief sich auf 1,2 Millionen US-Dollar – obwohl das Handelsunternehmen selbst nicht das direkte Ziel des Angriffs war.
Fünf Wochen Stillstand und Milliardenverluste in der Lieferkette
Wie groß die Folgen ausfallen können, zeigte ein Cyberangriff auf einen globalen Automobilhersteller Ende August 2025. Chubb bezeichnet ihn als den folgenschwersten Cybervorfall in der Geschichte des Vereinigten Königreichs.
Der Angriff zwang den Hersteller, seine weltweiten IT-Netzwerke herunterzufahren. In Werken im Vereinigten Königreich, in der Slowakei, in Brasilien und in China stand die Produktion fünf Wochen lang still. Betroffen waren zudem Systeme zur Steuerung der Produktionslinien, Konstruktionswerkzeuge und Bestellplattformen der Händler.
Die Auswirkungen gingen weit über das Unternehmen hinaus. Laut dem Bericht waren im Vereinigten Königreich mehr als 5.000 Organisationen betroffen. Die Kosten für die britische Wirtschaft wurden auf 1,9 Milliarden Pfund geschätzt. Die Regierung stellte 1,2 Milliarden Pfund an Nothilfen bereit, um die Lieferkette zu stabilisieren. Der Automobilhersteller selbst meldete vor Steuern einen Verlust von 485 Millionen Pfund – gegenüber einem Gewinn von 398 Millionen Pfund im vorherigen Berichtszeitraum.
Ransomware verursacht auch ohne Verschlüsselung Kosten
Die Ergebnisse von Chubb zeigen, dass Ransomware-Gruppen die Computersysteme eines Unternehmens nicht mehr zwingend verschlüsseln müssen, um eine teure Krise auszulösen. Der Diebstahl sensibler Informationen kann bereits rechtliche Pflichten, Untersuchungen und umfangreiche Maßnahmen zur Schadensbegrenzung nach sich ziehen.
In einem Fall verhinderten Sicherheitsvorkehrungen erfolgreich die Verschlüsselung der Computer. Den Angreifern war es jedoch zuvor gelungen, Gesundheitsdaten und Sozialversicherungsnummern von mehr als vier Millionen Menschen zu stehlen.
Der Vorfall verursachte Kosten von 4,7 Millionen US-Dollar, darunter 2,4 Millionen US-Dollar für die Benachrichtigung der Betroffenen und 1,2 Millionen US-Dollar für die Überwachung ihrer Kreditwürdigkeit. Für die Aufarbeitung wurden Anwälte, IT-Forensiker und Datenanalyseteams hinzugezogen.
Der Fall macht deutlich, warum das Verhindern einer Verschlüsselung einen Vorfall nicht beendet. Allein der Diebstahl von Daten kann erhebliche betriebliche, rechtliche und organisatorische Kosten verursachen.
Künstliche Intelligenz beschleunigt Cyberangriffe
Chubb nennt den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz durch Cyberkriminelle als eigenständige Herausforderung. Technologien, die Unternehmen bei der Erkennung von Bedrohungen unterstützen, können ebenso dazu eingesetzt werden, Angriffe zu automatisieren.
Laut dem Bericht können autonome und agentenbasierte KI-Systeme in Schadsoftware innerhalb weniger Minuten die Kontrolle über mehrere Systeme übernehmen. Sicherheitsteams bleibt dadurch deutlich weniger Zeit für eine manuelle Reaktion.
Chubb verweist auf Schadsoftware, die während ihrer Ausführung den eigenen Code verändern kann, auf autonome Werkzeuge zur Kartierung von Netzwerken und auf Deepfake-Technologie, mit der sich die Stimmen von Finanzvorständen und anderen Führungskräften imitieren lassen.
Nicht jede Bedrohung setzt jedoch hochentwickelte Technologie voraus. In einem Beispiel erhielt ein neuer Mitarbeiter eine Nachricht, die scheinbar von einem langjährigen Maschinenlieferanten stammte. Ohne die Anfrage telefonisch zu bestätigen, änderte er die Bankverbindung des Lieferanten. Das Unternehmen verlor mehr als 100.000 US-Dollar und konnte das Geld weder von der Bank noch vom Lieferanten zurückerhalten.
Cybersicherheit ist längst nicht mehr nur IT-Sache
Der Bericht von Chubb zeigt deutlich, dass die Cyberresilienz eines Unternehmens nicht an den eigenen Systemen enden kann. In immer stärker vernetzten Lieferketten sind die Sicherheitsstandards von Technologieanbietern und anderen Geschäftspartnern ebenso entscheidend.
Chubb betont, wie wichtig eine Bedrohungserkennung in Echtzeit, eine detaillierte Übersicht über die eingesetzten KI-Werkzeuge, die Kontrolle darüber, wie Drittanbieter Daten verarbeiten, sowie die Schulung von Mitarbeitern zu modernen Phishing-Methoden und Deepfakes sind.
Der Bericht empfiehlt außerdem, die Widerstandsfähigkeit des externen Lieferantennetzwerks zu testen, die Kontrolle über den Einsatz von KI und die Verarbeitung von Daten zu stärken und in fortschrittlichere Systeme zur Erkennung von Bedrohungen zu investieren.
Für die Transport- und Logistikbranche, in der viele Abläufe vom Zusammenspiel unabhängiger Unternehmen und externer Systeme abhängen, reicht die Frage daher nicht mehr aus, ob die eigene Infrastruktur ausreichend geschützt ist. Für die Aufrechterhaltung des Betriebs wird die digitale Widerstandsfähigkeit des gesamten Partnernetzwerks immer wichtiger.









