- Rund 6,2 Millionen Lkw sind auf den Straßen der EU unterwegs.
- Der durchschnittliche Lkw in der EU ist etwa 14 Jahre alt.
- Batterieelektrische Lkw machten 2024 lediglich 0,3 % des EU-Fahrzeugbestands aus.
- Im ersten Halbjahr 2026 erreichten batterieelektrische Lkw einen Anteil von 4,8 % an den Neuzulassungen in der EU.
- Diesel kam bei den neuen Lkw-Zulassungen auf einen Anteil von 92,1 %.
- Im April 2026 gab es an 373 Standorten in 21 europäischen Ländern Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge.
Die Zahlen der ACEA zeigen, dass sich der Straßengüterverkehr in Europa in unterschiedlichem Tempo wandelt. Die Zulassungen neuer Elektro-Lkw steigen deutlich, doch auf den gesamten Fahrzeugbestand wirkt sich das bislang nur begrenzt aus. Im ersten Halbjahr 2026 nahmen die Zulassungen batterieelektrischer Lkw in der EU gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 47,7 % zu. Ihr Marktanteil erhöhte sich damit von 3,6 % auf 4,8 %.
Gleichzeitig waren 92,1 % aller neu zugelassenen Lkw weiterhin mit einem Dieselmotor ausgestattet. Noch größer ist der Abstand beim Blick auf den gesamten Fahrzeugbestand. Nach Schätzungen der ACEA sind rund 6,2 Millionen Lkw auf EU-Straßen im Einsatz. Batterieelektrische Lkw machten 2024 laut ACEA davon lediglich 0,3 % des Gesamtbestands aus.
Elektro-Lkw wachsen – Diesel liegt weiter vorn
Im ersten Halbjahr 2026 wurden in der EU 171.933 neue Lkw zugelassen. Das waren 9,8 % mehr als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Bei schweren Nutzfahrzeugen insgesamt legten die Zulassungen um 11,1 % zu. Elektro-Lkw entwickelten sich damit deutlich dynamischer als der Gesamtmarkt. Die Zahl der Zulassungen batterieelektrischer Lkw stieg um 47,7 %.
Der Zuwachs konzentrierte sich allerdings auf wenige Länder. Deutschland, die Niederlande und Frankreich vereinten im ersten Halbjahr 2026 zusammen 74 % aller Zulassungen batterieelektrischer Lkw in der EU auf sich. In Deutschland legten sie um 88,5 % zu, in den Niederlanden um 44,5 % und in Frankreich um 43,7 %.
Bei den Neufahrzeugen ist die Elektrifizierung somit immer deutlicher zu erkennen. Der große Bestand bereits eingesetzter Lkw sorgt jedoch dafür, dass sich der Wandel im gesamten Straßengüterverkehr wesentlich langsamer vollzieht.
Der Fahrzeugbestand erneuert sich nur langsam
Laut ACEA ist der durchschnittliche Lkw auf den Straßen der EU rund 14 Jahre alt. Damit bilden Lkw die älteste der wichtigsten Fahrzeugkategorien. Bei einem derart langen Einsatzzeitraum kann auch ein stark wachsender Absatz neuer Elektrofahrzeuge den gesamten Bestand nicht im gleichen Tempo verändern.
Auf Europas Straßen werden daher noch viele Jahre Lkw mit unterschiedlichen Antrieben parallel unterwegs sein. Diesel bleibt im bestehenden Bestand stark vertreten, während Elektro-Lkw schrittweise hinzukommen und ältere Fahrzeuge ersetzen.
Der Unterschied zwischen einem Anteil von 4,8 % bei den Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2026 und lediglich 0,3 % im gesamten Bestand 2024 zeigt, wie groß die Aufgabe ist.
Elektro-Lkw benötigen eigene Ladeinfrastruktur
Ein größeres Angebot an Elektro-Lkw allein reicht für den Umstieg nicht aus. Ebenso entscheidend ist der Ausbau der passenden Infrastruktur. Das European Alternative Fuels Observatory (EAFO), die EU-Stelle für alternative Kraftstoffe und Ladeinfrastruktur, weist inzwischen gesondert öffentliche Ladeangebote für schwere Nutzfahrzeuge aus.
Nach den Daten von April 2026 gab es in 21 europäischen Ländern insgesamt 373 Standorte für schwere Nutzfahrzeuge. Zusammen verfügten sie über 2.405 Ladepunkte und 1.225 Ladestationen. 278 dieser Standorte waren für mehrere Fahrzeugkategorien ausgelegt und bedienten neben schweren Nutzfahrzeugen auch andere Fahrzeuge. Weitere 95 Standorte waren ausschließlich für schwere Nutzfahrzeuge vorgesehen.
Bereits zuvor hatte EAFO Deutschland, Schweden, die Niederlande, Dänemark und Frankreich als Länder mit besonders großen öffentlichen Ladenetzen für schwere Nutzfahrzeuge genannt. Die geografische Überschneidung ist auffällig: Deutschland, die Niederlande und Frankreich gehören sowohl zu den führenden Märkten für neue Elektro-Lkw als auch zu den Ländern mit der am weitesten entwickelten öffentlichen Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge.
Die Herausforderung geht über das Fahrzeug hinaus
Die Hersteller erweitern ihr Angebot an elektrischen schweren Lkw derzeit schnell. Verfügbare und angekündigte Modelle decken inzwischen nicht nur die Distribution und den Regionalverkehr ab, sondern zunehmend auch den Fernverkehr. Einige Fahrzeuge bieten eine angegebene Reichweite von 550–700 km – Werte, die im schweren Elektrotransport noch vor wenigen Jahren kaum erreichbar schienen.
Mit dem wachsenden Modellangebot rücken die Bedingungen für den täglichen Betrieb ebenso in den Mittelpunkt wie die Fahrzeuge selbst.
Für Transportunternehmen ist dabei nicht allein entscheidend, ob überhaupt ein Ladepunkt vorhanden ist. Auch dessen Leistung, die Zufahrt für Lkw-Gespanne, die Lage an wichtigen Güterverkehrskorridoren und die Vereinbarkeit mit den gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten spielen eine Rolle. Zusätzlich benötigen die Betreiber geeignete Ladeeinrichtungen auf dem eigenen Betriebshof und ausreichend Netzkapazität.
Transportunternehmen suchen praktikable Übergangslösungen
Neben der Elektrifizierung setzen einige Betreiber auf alternative Kraftstoffe. Eurowag beobachtet nach eigenen Angaben ein wachsendes Interesse an HVO, Bio-LNG und Bio-CNG. Nach Einschätzung des Unternehmens ermöglichen diese Kraftstoffe, Emissionen schrittweise zu senken, ohne die gesamte Flotte auf einmal ersetzen zu müssen. Eurowag weist außerdem darauf hin, dass sich das Tempo des Wandels in Europa stark unterscheidet. Für Transportunternehmen in Mittel- und Osteuropa sind emissionsärmere Lösungen häufig mit höheren Kosten und einem langsameren Infrastrukturausbau verbunden. Dadurch könnte sich der Abstand zwischen den Regionen weiter vergrößern.
Nach eigenen Angaben baut Eurowag sein europäisches Netzwerk für die Bezahlung alternativer Kraftstoffe und Dekarbonisierungsangebote aus. Über eine gemeinsame Plattform können Transportunternehmen HVO, Bio-LNG und Bio-CNG nutzen. Hinzu kommt ein virtueller HVO-Service.
Damit wird die dominierende Stellung des Diesels zwar nicht infrage gestellt. Es zeigt sich jedoch, dass einige Unternehmen nicht auf die vollständige Elektrifizierung ihrer Flotten warten, sondern bereits nach umsetzbaren Wegen suchen, um Emissionen Schritt für Schritt zu reduzieren.
Neuzulassungen verändern sich schneller als der Fahrzeugbestand
Die aktuellen Zahlen machen vor allem eines deutlich: Der Antriebsmix bei den Neuzulassungen lässt sich nicht als Abbild der gesamten europäischen Lkw-Flotte verstehen. Im ersten Halbjahr 2026 legten die Zulassungen batterieelektrischer Lkw um 47,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Ihr Marktanteil lag damit bei 4,8 %.
Die Daten für 2024 zeigen dagegen, dass batterieelektrische Lkw lediglich 0,3 % aller auf EU-Straßen eingesetzten Lkw ausmachten.
Bei einem durchschnittlichen Flottenalter von rund 14 Jahren wird der Austausch von Millionen Fahrzeugen viele Jahre beanspruchen. Wie schnell die Umstellung vorankommt, hängt daher nicht nur vom Preis und der Verfügbarkeit neuer Lkw ab. Ebenso wichtig sind der Ausbau des Ladenetzes, Netzanschlüsse für Betriebshöfe und die Wirtschaftlichkeit alternativer Antriebe. Diesel bleibt im europäischen schweren Straßengüterverkehr deshalb vorerst mit großem Abstand der wichtigste Antrieb – auch wenn sich der Markt für neue Fahrzeuge deutlich schneller verändert.








