Thermo King integriert die Steuerung seiner Kühlaggregate direkt in das Informationssystem von Volvo Trucks. Foto: Thermo King

Volvo und Thermo King verbinden zwei bisher getrennte Systeme

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Fahrer von entsprechend ausgestatteten Volvo-Lkw können Kühlaggregate von Thermo King künftig über das Fahrzeugdisplay überwachen und steuern. Smartphone, Tablet oder der Gang zum externen Bedienteil sollen damit für diese Funktionen entfallen. Der Dienst startet unter anderem in Deutschland und Polen - allerdings nicht für jeden Volvo-Lkw.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Das Wichtigste im Überblick

  • Direkte Steuerung: Thermo-King-Kühlaggregate lassen sich über das Informationssystem von Volvo Trucks überwachen und bedienen.
  • Ohne Zusatzgerät: Fahrer benötigen für die integrierten Funktionen kein separates Smartphone oder Tablet.
  • Verfügbarkeit: Der Dienst ist über den Volvo Marketplace für entsprechend ausgestattete Lkw ab Modelljahr 2021 verfügbar.
  • Europa-Start: Zum Rollout gehören 15 europäische Märkte, darunter Deutschland, Polen, Frankreich und die Niederlande.
  • Noch offen: Welche Thermo-King-Aggregate genau kompatibel sind und welche Kosten für den Dienst anfallen, wurde nicht mitgeteilt.

Bei Kühltransporten arbeiten Zugmaschine und Kühlaggregat zwar im selben Gespann, ihre Bedienung erfolgt aber häufig über getrennte Systeme. Thermo King und Volvo Trucks verbinden diese nun direkt miteinander.

Der am 3. September vorgestellte Dienst integriert die Bedienung von Transportkühlaggregaten von Thermo King, einem auf Transportkühlung spezialisierten Unternehmen der Trane-Technologies-Gruppe, in das Informationssystem von Volvo Trucks. Die Anwendung wird über Volvos Dienst „My Business Apps“ bereitgestellt.

Nach Angaben der beiden Unternehmen ist Thermo King der erste Anbieter von Transportkühlaggregaten, der eine solche Integration in das Informationssystem von Volvo Trucks anbietet.

Was Fahrer direkt im Lkw sehen können

Über das Display im Fahrerhaus können Fahrer Informationen zum Kühlaggregat abrufen und Einstellungen verändern. Dazu gehören nach Angaben von Thermo King insbesondere relevante Daten zur Kühlung und zu den transportierten temperaturempfindlichen Waren.

Bislang erfolgt die Bedienung je nach Ausstattung beispielsweise über ein externes Bedienteil am Kühlaggregat oder über separate mobile Geräte. Für die über die neue Anwendung verfügbaren Funktionen soll dieser zusätzliche Zugriff nicht mehr erforderlich sein.

Das kann vor allem die Zahl der Geräte und Bedienoberflächen im Fahrerhaus reduzieren. Thermo King verweist außerdem darauf, dass der Einsatz privater Smartphones für betriebliche Aufgaben Fragen hinsichtlich Datenschutz und Geräteverwaltung mit sich bringen kann.

Auch das von den Unternehmen angeführte Sicherheitsargument sollte allerdings richtig eingeordnet werden: Die Integration in das Fahrzeugdisplay bedeutet nicht, dass sämtliche Funktionen des Kühlaggregats während der Fahrt uneingeschränkt bedient werden können. Welche Funktionen während der Fahrt verfügbar sind oder vom System gesperrt werden, erläutern Thermo King und Volvo in der Mitteilung nicht.

Kühlaggregat wird Teil des digitalen Lkw-Systems

Interessant ist die Lösung deshalb weniger wegen eines zusätzlichen Bildschirms für Temperaturwerte als wegen der technischen Verbindung zweier bislang getrennter Systeme.

Thermo King spricht davon, Lkw und Kühlaggregat zu einem integrierten digitalen Ökosystem zu verbinden. Aus Sicht eines Fuhrparkbetreibers ist vor allem relevant, dass für die Bedienung vorhandene Hardware und Konnektivität des Volvo-Lkw genutzt werden können.

Das ist insbesondere bei temperaturgeführten Transporten relevant, weil neben den Fahrzeugdaten auch Informationen aus dem Kühlaufbau beziehungsweise Trailer berücksichtigt werden müssen. Für den Fahrer reduziert sich damit zumindest bei den unterstützten Funktionen der Wechsel zwischen unterschiedlichen Bediengeräten.

Ob daraus auch messbare Einsparungen bei Betriebskosten oder Ausfallzeiten entstehen, lässt sich aus den bislang veröffentlichten Angaben dagegen nicht ableiten. Thermo King spricht zwar von effizienteren Abläufen und besseren Entscheidungen in Echtzeit, veröffentlicht dazu aber keine konkreten Kennzahlen.

Zugriff nur nach Anmeldung

Mit der Integration erhält das Fahrzeugdisplay Zugriff auf Funktionen, über die Parameter der Kühlung verändert werden können. Thermo King und Volvo haben deshalb auch eine Zugriffskontrolle vorgesehen.

Nach Unternehmensangaben arbeitet die Verbindung mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Der Zugriff erfordert eine Authentifizierung und sichere Anmeldung. Damit sollen nur berechtigte Nutzer die entsprechenden Informationen einsehen oder Einstellungen verändern können.

Wie die Rechte in größeren Flotten administriert werden und ob sich unterschiedliche Zugriffsrechte beispielsweise für Fahrer, Disposition und Fuhrparkmanagement vergeben lassen, geht aus der Ankündigung nicht hervor.

Welche Volvo-Lkw können die Funktion nutzen?

Für Flottenbetreiber ist vor allem die technische Verfügbarkeit relevant. Der neue Dienst steht nach Angaben von Thermo King ab sofort über den Volvo Marketplace zur Verfügung.

Voraussetzung ist ein Volvo-Lkw mit der neuesten Displaygeneration. Thermo King nennt dabei Fahrzeuge ab Modelljahr 2021.

Zum ersten Rollout gehören Australien und 15 europäische Märkte:

Deutschland, Österreich, Belgien, Tschechien, Finnland, Frankreich, Ungarn, Irland, die Niederlande, Norwegen, Polen, die Slowakei, Spanien, Schweden und Großbritannien.

Damit ist die Anwendung für einen großen Teil der europäischen Transportmärkte vorgesehen und nicht zunächst auf ein einzelnes Pilotland beschränkt.

Eine für Betreiber wichtige Information fehlt allerdings noch: Aus der Mitteilung geht nicht konkret hervor, welche Thermo-King-Kühlaggregate beziehungsweise Ausstattungen mit der Volvo-Anwendung kompatibel sind. Auch Angaben zu möglichen Kosten des Dienstes werden nicht genannt.

Vor einer Nutzung müssen Flottenbetreiber deshalb prüfen, ob sowohl der eingesetzte Volvo-Lkw als auch das jeweilige Kühlaggregat die technischen Voraussetzungen erfüllen.

Zugmaschine und Kühltechnik wachsen digital zusammen

Die Kooperation steht für eine Entwicklung, die im Nutzfahrzeugbereich zunehmend sichtbar wird: Digitale Fahrzeugplattformen erfassen nicht mehr ausschließlich Funktionen der Zugmaschine.

Bei einem Kühltransport entstehen betriebsrelevante Daten an mehreren Stellen – im Lkw, am Trailer beziehungsweise Aufbau und im Kühlaggregat. Werden diese Systeme miteinander verbunden, muss der Fahrer für einzelne Funktionen nicht mehr zwangsläufig unterschiedliche Geräte und Anwendungen bedienen.

Thermo King und Volvo setzen genau an dieser Schnittstelle an. Neu ist nicht die digitale Überwachung eines Kühlaggregats, sondern deren direkte Einbindung in die Bedienumgebung des Lkw.

Für Flotten mit Volvo-Zugmaschinen und Thermo-King-Kühltechnik dürfte deshalb vor allem entscheidend sein, wie umfassend die Integration tatsächlich funktioniert: welche Aggregate unterstützt werden, welche Funktionen über das Volvo-Display steuerbar sind und welche Kosten für die Nutzung entstehen. Zu diesen Punkten haben die Unternehmen bei der Vorstellung noch keine näheren Angaben gemacht.

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