Daimler Trucks ist seit Jahren Pionier bei der Entwicklung automatisierter LKW. Der Konzern will in den nächsten Jahren 500 Millionen Euro in die Umsetzung eines Innovationsfahrplans investieren.

Daimler Trucks investiert in den nächsten Jahren 500 Millionen Euro (rund 570 Millionen US-Dollar) in die Entwicklung hochautomatisierter LKW  (SAE Level 4). Außerdem schafft Daimler Trucks über 200 neue Arbeitsplätze, um binnen eines Jahrzehnts hochautomatisierte LKW zur Marktreife zu bringen. Dies hat die Lkw-Sparte von Daimler Anfang der Woche auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas bekanntgegeben. Hochautomatisier­tes Fahren bedeutet, dass automatisiert fahrende LKW in definierten Bereichen und zwischen definierten Knotenpunkten verkehren – wobei das System nicht erwartet, dass ein Benutzer auf eine Aufforderung zum Eingreifen reagiert. Im Transportgewerbe ist Level 4 der nächste natürliche Schritt nach Level 2, um Effizienz und Produktivität für die Kunden zu steigern und die Kosten pro Kilometer signifikant zu senken. Damit überspringt Daimler Trucks den Zwischenschritt des bedingt automatisierten Fahrens (Level 3). Level 3 bietet LKW-Kunden keinen wesentlichen Vorteil gegenüber der jetzigen Situation, da den höheren Kosten für die hierfür notwendigen Technologien kein entsprechender Nutzen in der Praxis gegenüber steht.

Neuer  Freightliner Cascadia

Der neue Freightliner Cascadia bietet teilautomatisierte Fahrfunktionen (Level 2) und ist damit der erste teilautomatisierte Serien-LKW auf nordamerikanischen Straßen. Seine Weltpremiere feiert er ebenfalls diese Woche bei der Präsentation von Daimler Trucks auf der CES.

Daimler Trucks ist seit Jahren Pionier bei der Entwicklung automatisierter LKW. Im Jahr 2014 präsentierte der LKW-Weltmarktführer mit dem Mercedes-Benz Future Truck 2025 bereits den weltweit ersten automatisierten LKW und zeigte erstmals die technologischen Möglichkeiten und das große Potenzial für Wirtschaft und Gesellschaft auf.

Als einer der Branchenführer haben wir Pionierarbeit bei automatisierten LKW geleistet. Im Jahr 2015 erhielt unser Freightliner Inspiration Truck die bis dato erste Straßenzulassung für ein automatisiertes Nutzfahrzeug. Jetzt heben wir die Automatisierung von LKW auf ein neues Level: Wir bringen 2019 den ersten teilautomatisierten Freightliner Cascadia auf den Markt, und unser nächster Schritt sind hochautomatisierte Lkw. Hochautomatisiert fahrende LKW erhöhen die Sicherheit, steigern die Logistikleistung und bieten unseren Kunden große Vorteile – und tragen damit wesentlich zu einer nachhaltigen Zukunft der Logistikbranche bei, so Martin Daum, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und verantwortlich für Daimler Trucks & Buses.

Automatisiertes Fahren auf Level 2 jetzt Realität im neuen Freightliner Cascadia

Mit dem Active Drive Assist (Mercedes-Benz Actros, FUSO Super Great) bzw. Detroit Assurance 5.0 mit aktivem Spurhalte-Assistenten (neuer Freightliner Cascadia) bringt Daimler Trucks nun bereits teilautomatisierte Fahrfunktionen in seine Serienfahrzeuge. Das neue System kann selbständig bremsen, beschleunigen und lenken. Im Gegensatz zu anderen Systemen, die erst ab einer bestimmten Geschwindigkeit eingreifen, ermöglichen Active Drive Assist / Detroit Assurance 5.0 teilautomatisiertes Fahren in allen Geschwindigkeitsbereichen in einem Serien-LKW. Neu sind die aktive Querführung und die Verbindung von Längs- oder Quersteuerung in allen Geschwindigkeitsbereichen. Die intelligente Verknüpfung von Radar- und Kamerainformationen bildet dafür die Basis.

Neue Sichtweise auf das Platooning

Im Zuge der weiteren Umsetzung seines Innovationsfahrplans bewertet Daimler Trucks seine Sichtweise auf das Platooning neu. Daimler Trucks definiert Platooning als die elektronische Kopplung von zwei oder mehr LKW mit sehr geringem Abstand zueinander. In der Theorie verbessert sich dadurch die Aerodynamik, was den Kraftstoffverbrauch senken soll. Daimler Trucks hat das Platooning mehrere Jahre lang vor allem in den USA getestet, wo die größten Vorteile zu erwarten gewesen wären. Die Ergebnisse zeigen, dass die Einsparungen selbst unter optimalen Platooning-Bedingungen in der Praxis geringer ausfallen als erhofft. Wenn die einzelnen Fahrzeuge des Platoons zudem voneinander getrennt werden, müssen die LKW jedes Mal beschleunigen, um wieder aufzuschließen. Dadurch wird zusätzlicher Kraftstoff verbraucht und das Einsparpotenzial sinkt weiter. Zumindest im Langstreckenverkehr in den USA ergibt sich daher kein Geschäftsmodell für Kunden, die beim Fahren im Platoon auf höchst aerodynamische LKW setzen. Daimler Trucks wird sich selbstverständlich in allen noch laufenden Partnerprojekten weiterhin engagieren.

Hochautomatisiertes Fahren: mehr Sicherheit, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit

Hochautomatisierte LKW (Level 4) bieten in vielen Bereichen enorme Vorteile. So leisten sie einen wesentlichen Beitrag hinsichtlich des wachsenden gesellschaftlichen Bedürfnisses nach sichereren Straßen und nachhaltigeren Transportlösungen. Redundant aufgebaute Systeme und eine Vielzahl an Sensoren und Systemen, die nie müde oder unaufmerksam werden, bilden dafür die Basis – auch heute ist noch ein Großteil aller Unfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen. Hochautomatisierte LKW (Level 4) verbessern zudem unter anderem Effizienz und Produktivität, da sie praktisch rund um die Uhr einsetzbar sind. Außerdem können sie in verkehrsarmen Zeiten verkehren, beispielsweise nachts, und so Staus durch intelligentes Routenmanagement vermeiden. Dies wirkt sich positiv auf LKW-Kunden und die gesamte Wirtschaft aus, denn die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft hängt auch stark von der Effizienz der Logistik ab. Vor dem Hintergrund einer erwarteten Verdopplung des globalen Güterverkehrs auf der Straße zwischen 2015 und 2050 gewinnt dieser Aspekt zunehmend an Bedeutung.

 

Foto: Daimler Trucks

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