Foto: Bartosz Wawryszuk / Symbolbild.

Gerichtsurteil: Streikender LKW-Fahrer erhält 18.000 Euro. Truck durfte zurückbehalten werden

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Ein LKW-Fahrer, der während seiner Tätigkeit für ein litauisches Transportunternehmen in den Niederlanden in den Streik trat, hat vor Gericht Recht bekommen. Ein niederländisches Gericht entschied, dass er berechtigt war, die Fahrt zu unterbrechen und die Sattelzugmaschine als Druckmittel zurückzubehalten, bis sein ausstehender Lohn gezahlt wird.

Dieser Text wurde mit Unterstützung eines automatischen Übersetzungstools erstellt. Es kann daher zu inhaltlichen und sprachlichen Ungenauigkeiten kommen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Der Fall ist die Fortsetzung eines bereits bekannten Konflikts: Der Fahrer aus Tadschikistan hatte seinen LKW im Hafen von Rotterdam abgestellt und mehrere Wochen in der Kabine gelebt, um die Zahlung ausstehender Löhne durchzusetzen.

Gericht bestätigt Streikrecht des Fahrers

Das Gericht Overijssel in den Niederlanden entschied, dass der Fahrer, Muhammadas Muridzoda, das Recht hatte, die Sattelzugmaschine abzustellen und sie zu behalten, bis der Arbeitgeber die Zahlung beglichen hat. Nach dem Gerichtsbeschluss muss das in Klaipėda ansässige Transportunternehmen Marvel Solar Energy dem Fahrer knapp 18.000 Euro an ausstehenden Löhnen zahlen.

Das Gericht betonte zudem, dass der Fahrer rechtmäßig gehandelt habe, indem er sich auf das sogenannte Zurückbehaltungsrecht (retentierecht) berief – das bedeutet, dass ein Gläubiger das Eigentum einer anderen Partei vorübergehend zurückbehalten darf, bis diese Partei die Schuld begleicht.

Der Arbeitgeber versuchte zu argumentieren, das Zurückbehalten der Sattelzugmaschine sei eine unverhältnismäßige Maßnahme, da der Wert des Fahrzeugs den geltend gemachten Betrag deutlich übersteige. Das Gericht stellte jedoch fest, dass der Fahrer keine andere realistische Möglichkeit hatte, Druck auf den Arbeitgeber auszuüben.

Monatelang unterwegs – ohne volle Bezahlung

Laut Akte hat der Fahrer aus Tadschikistan fast neun Monate in der Kabine der Sattelzugmaschine gelebt und in Westeuropa gearbeitet, hauptsächlich in den Niederlanden, Belgien und Deutschland.

In den ersten Wochen wurde der Lohn gezahlt, später erhielt er jedoch nur noch einen Teil des vereinbarten Gehalts. Der Arbeitgeber versprach, den vollen Betrag später zu begleichen – sobald der Fahrer nach Litauen zurückkehre.

Wie das Gericht jedoch feststellte, hatte der Fahrer keine reale Möglichkeit zur Rückkehr, das Unternehmen plante fortlaufend neue Fahrten, sodass er praktisch ohne Pause durch Westeuropa fuhr.

Großkunde gerät mit in den Fokus

Brisant ist die Einbindung eines großen Auftraggebers: Der Transport wurde vom österreichischen Logistikunternehmen LKW Walter beauftragt, das mit einem Jahresumsatz von rund 2,8 Milliarden Euro zu den größten Akteuren Europas zählt.

LKW Walter erklärte, Hinweise auf mögliche Verstöße gegen Arbeitsrecht würden ernst genommen. Partnerunternehmen seien verpflichtet, faire Arbeitsbedingungen und Mindestlohnvorgaben einzuhalten.

Die Zusammenarbeit mit Marvel Solar Energy wurde vorübergehend ausgesetzt. Eine vollständige Beendigung wird nicht ausgeschlossen.

Der Fall zeigt: Arbeitskonflikte können direkte Auswirkungen auf Geschäftsbeziehungen entlang der gesamten Lieferkette haben.

Signalwirkung für den europäischen Transportmarkt

Nach Einschätzung der niederländischen Gewerkschaft FNV hat das Urteil grundsätzliche Bedeutung.

Zentrale Frage: Darf ein Fahrer einen LKW bei ausstehenden Löhnen als Druckmittel zurückhalten? Antwort des Gerichts: Ja.

Gewerkschaften gehen davon aus, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. In Europa könnten viele Fahrer unter ähnlichen Bedingungen arbeiten – häufig mit verzögerter oder unvollständiger Bezahlung.

Wie es weitergeht

Ob das Unternehmen das Urteil kurzfristig umsetzt, ist offen. Erfolgt keine Zahlung, drohen Zwangsvollstreckungsmaßnahmen. In diesem Fall könnte der LKW gepfändet und verwertet werden.

Der Fahrer selbst hofft auf eine schnelle Auszahlung und die Rückkehr zu seiner Familie. Eine weitere Zusammenarbeit mit dem Unternehmen schließt er aus.

Politische und strukturelle Dimension

Der Fall sorgt auch in Litauen für Aufmerksamkeit. Die staatliche Arbeitsinspektion prüft mögliche Verstöße gegen das Arbeitsrecht.

Politiker sehen strukturelle Probleme:
Der Abgeordnete Remigijus Motuzas verweist darauf, dass ausländische Fahrer häufig nur kurzfristig beschäftigt werden – mit direkten Auswirkungen auf ihren Aufenthaltsstatus.

Gleichzeitig relativieren Branchenvertreter die Situation. Die Fluktuation im Transportsektor liege bei rund 30 Prozent jährlich und sei nicht außergewöhnlich hoch.

Ein strukturelles Thema für Europa

Die Dimension wird durch Zahlen deutlich: Rund 150.000 Menschen arbeiten in litauischen Transportunternehmen, etwa 90.000 davon sind Ausländer.

Damit geht es längst nicht mehr nur um Einzelfälle, sondern um grundlegende Fragen zu Arbeitsbedingungen, Kontrolle und Verantwortung im europäischen Straßengüterverkehr.

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