Daimler Truck treibt den Umbau seiner europäischen Produktion voran. Wie das Unternehmen am 31. März mitteilte, soll im westtschechischen Cheb ein neuer Montagestandort entstehen. Die Investition ist Teil des Sparprogramms „Cost Down Europe“ und reiht sich in den Trend ein, Produktionskapazitäten nach Mittel- und Osteuropa zu verlagern.
Neues Werk in Grenznähe soll Kosten senken
Der neue Standort in Cheb liegt nahe der deutschen Grenze und soll ab Ende des Jahrzehnts den bestehenden Produktionsverbund ergänzen. Geplant ist eine Kapazität von rund 25.000 LKW pro Jahr. Daimler Truck will dafür einen niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbetrag investieren, etwa 1.000 Arbeitsplätze sollen entstehen.
Laut Unternehmen bietet der Standort Vorteile bei Kostenstruktur und Logistik. CEO Achim Puchert erklärte:
„Mit unserem neuen Montagewerk in Cheb stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit unseres Produktionsnetzwerkes mit Fokus auf Kostenoptimierung und Komplexitätsmanagement.“
Wörth bleibt zentral – Produktion wird neu verteilt
Das Werk Wörth am Rhein bleibt Leit- und Volumenwerk im Produktionsverbund. Dort sollen weiterhin zentrale Funktionen wie Rohbau, Lackierung und Produktneuanläufe gebündelt werden.
Gleichzeitig wird es zu einer Neuverteilung der Produktion kommen. Teile des bisherigen Volumens aus Wörth und dem Werk Aksaray (Türkei) sollen künftig nach Tschechien verlagert werden.
Operations-Leiter Jürgen Distl betonte laut Unternehmensangaben, der neue Standort verschaffe Wörth „die dringend benötigte Luft zum Atmen“. Hintergrund ist die steigende Komplexität durch parallele Fertigung von Diesel- und alternativen Antrieben.
Teil eines größeren Trends in der Nutzfahrzeugindustrie
Die Entscheidung von Daimler Truck ist kein Einzelfall. In der Branche zeichnet sich seit Längerem eine Verlagerung von Produktionskapazitäten in kostengünstigere EU-Länder ab.
So hat etwa MAN angekündigt, Teile der Karosserieproduktion von München nach Krakau zu verlagern. Ziel sei es laut Unternehmensunterlagen, Einsparungen in erheblichem Umfang zu realisieren und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
Als Gründe gelten steigende Energie- und Lohnkosten sowie zunehmender Wettbewerbsdruck, unter anderem durch Hersteller aus China. Gleichzeitig gewinnen Standorte in Mittel- und Osteuropa an Bedeutung, da sie moderne Infrastruktur mit vergleichsweise niedrigeren Kosten verbinden.
Arbeitsteiliges Produktionsmodell innerhalb Europas
Daimler Truck setzt dabei auf ein arbeitsteiliges Modell: Hochkomplexe Fertigungsschritte verbleiben in Deutschland, während montageintensive Prozesse in kostengünstigeren Regionen gebündelt werden.
So sollen lackierte Fahrerhäuser weiterhin aus Wörth nach Cheb geliefert werden. Der neue Standort übernimmt vor allem Montageumfänge und entlastet damit bestehende Werke.
Betriebsrat sieht auch strategische Notwendigkeit
Die Arbeitnehmerseite unterstützt den Schritt grundsätzlich, verweist aber auf die strukturellen Grenzen bestehender Standorte.
Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht erklärte:
„Das Werk in Tschechien ist Teil der geforderten Wachstumsstrategie.“
Der Standort Wörth sei aufgrund der hohen Komplexität in seiner Entwicklung limitiert. Die Erweiterung sei daher notwendig, um zukünftige Produktionsanforderungen abzudecken.
Produktion wird innerhalb Europas neu verteilt
Mit dem geplanten Werk in Cheb verlagert Daimler Truck weitere Produktionsumfänge nach Osteuropa.
Während zentrale Fertigungsschritte in Deutschland verbleiben, werden montageintensive Prozesse zunehmend in kostengünstigere Regionen verlagert. Der Standort nahe der deutschen Grenze ermöglicht dabei eine enge Verzahnung der Werke.









