Dem neuen Weißbuch der Association for Supply Chain Management (ASCM) zufolge sollten Unternehmen die sogenannten „5 S” einhalten, um eine belastbare Lieferkette aufzubauen.

Die „5 S” wurden in einer Abhandlung des Forschers Morgan Swink und des RISC-Ausschusses von ASCM veröffentlicht, die in einer umfassenden Studie mehr als 1.800 börsennotierte Unternehmen untersucht haben, um herauszufinden, warum einige Lieferkettenorganisationen besser in der Lage waren, die Große Rezession 2008-2009 zu überstehen. Die Studie verdeutlicht, dass Organisationen, die sich auf Belastbarkeit, Agilität und Risikomanagement konzentriert hatten, besser abschneiden als ihre Konkurrenten, wenn sich die globalen Bedingungen ändern. Die Forscher fanden auch heraus, dass Unternehmen, die während der Finanzkrise besser abgeschnitten haben, auch eine Reihe von Gemeinsamkeiten haben.

Zunächst wird in der Abhandlung argumentiert, dass widerstandsfähige Unternehmen tendenziell ein geringeres Niveau an Betriebskapital haben, was wiederum bedeutet, dass das System schneller durchlaufen wird und weniger Bestände vorhanden sind. Unternehmen, die während der Rezession besser abgeschnitten haben, waren auch arbeitsintensiver, so dass es ihnen leichter fiel, Mitarbeiter zu entlassen, als Anlagevermögen abzubauen. Die Mitarbeiter in diesen Unternehmen wurden produktiver, während sie gleichzeitig in der Lage waren, anlagenintensive und weniger produktive Prozesse auszulagern. Schließlich wussten die Unternehmen, die in Überwachung und Risikobewertung investiert hatten, früher über den bevorstehenden Wirtschaftsabschwung Bescheid und reagierten somit schneller als ihre Konkurrenten.

Machen wir einen Zeitsprung in die Gegenwart, so behauptet die ASCM, dass belastbare Lieferketten bereits agiler und reaktionsfähiger werden, um den Herausforderungen der Pandemie zu begegnen. Deshalb sollten Organisationen, die nicht zurückbleiben wollen, wie folgt vorgehen:

■ Verdoppeln Sie die digitalen Investitionen. ■ Bringen Sie die Lieferkette wieder ins Gleichgewicht, um agiler zu werden. ■ Konzentrieren Sie sich auf die vollständige Integration des Risikomanagements mit synchronisierter Planung. ■ Überlegen Sie, wie Risiken frühzeitig erkannt und Szenarien geplant werden können. ■ Denken Sie über eine effektivere öffentlich-private Zusammenarbeit nach. ■ Stellen Sie Intensivpflege bereit. Vor allem große Hersteller und Vertreiber müssen über die Intensivpflege als Teil ihres Portfolios nachdenken. ■ Bringen Sie Ihre globalen Versorgungsnetze wieder ins Gleichgewicht. Lassen Sie sich z. B. nicht mit einem Single-Source-Lieferanten auf der anderen Seite der Welt erwischen. ■ Aktualisieren Sie Risikomanagement-Dramaturgiebücher für globale Gesundheit, Klimawandel und andere katastrophale Ereignisse.

Das alles mag viele überfordern, aber die ASCM hat es geschickt in einer leicht zu merkenden Liste von „5 S” gruppiert:

  1. Scanning
  2. Smart
  3. Scalable
  4. Shiftable
  5. Sustainable

Scanning

Erstens empfiehlt die ASCM, in „Scanning”-Technologie und -Fähigkeiten zu investieren. Sie argumentieren, dass nicht viele Firmen den Markt gut genug visualisieren können, um Entwicklungen zu verstehen, die auf mehr als zwei Ebenen ihrer Lieferkette ablaufen. Die ASCM ermutigt die Unternehmen auch, die Marktaktivitäten zu analysieren, um mögliche Störungen wie Wetter, Politik und Krankheiten zu erkennen.

Smart

Das zweite ‚S’, ‚Smart’, bezieht sich auf Investitionen in prädiktive Analytik wie künstliche Intelligenz, die zum Aufbau einer lernenden Organisation genutzt werden kann. Die ASCM ist der Ansicht, dass Lieferketten, die aus kleineren Störungen lernen, diese Informationen und Erkenntnisse auch auf bedeutende Störungen anwenden können.

Scalable

Der dritte Punkt auf der Liste ist die Skalierbarkeit. Hier schlägt die ASCM eine Anpassung an Angebot und Nachfrage sowie eine flexible Kostenstruktur mit On-Demand-Kapazität vor. Interessanterweise kommen sie auch zu dem Schluss, dass die Automatisierung des Einkaufs dazu führen kann, dass Unternehmen aufgrund fester Gemeinkosten weniger skalierbar sind. Daher täten Organisationen gut daran, sich mit Leasing-Technologien zu befassen.

Shiftable

Das vorletzte „S” auf der Liste der ASCM ist „Shiftable”, was die Fähigkeit beschreibt, von einem Produkt zu einem anderen zu wechseln (z.B. Unternehmen, die sich auf die Herstellung von Gesichtsmasken anstelle von Kleidung umstellen). Um dies zu erreichen, rät die ASCM den Unternehmen, in allgemeine Mehrzweckressourcen, einschließlich Ausrüstung und Mitarbeiter, zu investieren. Obwohl diese Strategie der Entwicklung mehrerer Optionen mit erheblichen Kosten verbunden ist, glaubt die ASCM, dass sie sich langfristig auszahlen wird, da sie die Risiken minimiert – nicht unähnlich einer Versicherungspolice.

Sustainable

Der letzte von der ASCM betonte Punkt ist die Nachhaltigkeit. Die ASCM räumt nicht nur den Lebensgrundlagen der Menschen und der Umwelt Vorrang ein, sondern ermutigt die Unternehmen auch, sich auf lokale Lieferanten, stabile Volkswirtschaften und reifere Quellen zu konzentrieren, die ihrerseits besser skalierbar und flexibler sind. Auch hier gilt, dass es teuer sein kann, nachhaltig zu sein. Aber wahrscheinlich lohnt es sich.

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