Besonders stark legten die Raten auf westeuropäischen Korridoren zu. Aber auch Verbindungen in Mittel- und Osteuropa wurden teurer – darunter die Relationen Polen-Deutschland und Deutschland-Polen. Die Analysten beobachten zudem eine Verschiebung weg von länger laufenden Vereinbarungen hin zu mehr Spotladungen. Dort schlagen aktuelle Betriebskosten in der Regel schneller auf die Preise durch.
Spotmarkt gewinnt deutlich an Tempo
Die Auswertung des EITD auf Grundlage von Trans.eu-Daten zeigt: Im März 2026 stieg die Zahl der Ladeangebote auf vielen wichtigen europäischen Relationen im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehrere Dutzend Prozent. Den stärksten Schub verzeichnete Westeuropa.
Auf der Relation Frankreich–Benelux lag das Plus bei 102 Prozent, Frankreich–Deutschland bei 73 Prozent, Deutschland–Benelux bei 71 Prozent und Benelux–Frankreich bei 72 Prozent. Auch in Mitteleuropa fiel das Wachstum kräftig aus: Deutschland–Polen legte um 43 Prozent zu, Polen–Deutschland um 37 Prozent.
Für Michał Pakulniewicz, Marktanalyst beim European Road Transport Institute, ist das mehr als der übliche Nachholeffekt nach dem Winter.
„Wir sehen ein strukturell stärkeres Nachfrageumfeld. Ein Teil des Wachstums entsteht außerdem dadurch, dass Fracht vom Vertragsmarkt in den Spotmarkt wandert – vor allem dort, wo die vertraglich vereinbarten Raten nicht mehr zu den realen Transportkosten passen“, sagt der Experte.
Spediteure kehren auf die Plattformen zurück
Auf der Anbieterseite verliefen die ersten beiden Monate des Jahres vergleichsweise ruhig. Auf den meisten Strecken wurden weniger Frachten gesucht als im Vorjahr. Im März drehte das Bild. Den deutlichsten Sprung machte die Relation Spanien–Frankreich – hier nahm die Aktivität der Frachtanbieter um 29 Prozent im Jahresvergleich zu. Auch auf mehreren weiteren westeuropäischen Verbindungen zeigten sich positive Entwicklungen.
Die Autoren des Berichts führen die Rückkehr der Transportunternehmen auf die Frachtenbörsen unter anderem darauf zurück, dass der Spotmarkt wieder attraktiver geworden ist: steigende Raten und mehr kurzfristige Aufträge.
Gleichzeitig nimmt laut Bericht die Fragmentierung des Marktes zu. Transporte werden häufiger „auf den letzten Drücker“ vergeben, und viele Unternehmen sichern ihre Auslastung zunehmend über einzelne Aufträge statt über konstant planbare Vertragsmengen.
Konflikt und Kraftstoffkosten treiben die Preisrallye
Am deutlichsten war die Veränderung bei den Frachtraten zu sehen. Nach eher moderaten Zuwächsen im Januar und Februar beschleunigte sich die Entwicklung im März spürbar.
Den stärksten Anstieg verzeichnete die Relation Polen–Italien: plus 14,1 Prozent im Jahresvergleich. Benelux–Frankreich legte um 13,6 Prozent zu, Polen–Deutschland um 13,5 Prozent. Zweistellige Zuwächse wurden außerdem auf Strecken wie Deutschland–Polen, Deutschland–Benelux und Italien–Polen gemeldet.
Als Hauptimpuls nennen die Autoren den schnellen Anstieg der Kraftstoffkosten im Zusammenhang mit dem Konflikt rund um Iran und den breiteren Spannungen im Nahen Osten. Zudem reagieren Spotraten deutlich schneller auf Kostenänderungen als langfristige Verträge – was die Ausschläge verstärkte.
Allerdings verlief die Entwicklung nicht überall gleich. Auf Frankreich–Deutschland und Frankreich–Benelux kühlte das Wachstum im Vergleich zu den Vormonaten ab – trotz des insgesamt weiterhin steigenden europäischen Trends.
Straßentransporte orientieren sich stärker an Spotpreisen
Für Natalia Janiszewska, Präsidentin des European Road Transport Institute, könnte das erste Quartal 2026 auf einen grundlegenderen Wandel bei der Preisbildung im europäischen Straßentransport hindeuten.
„Wenn Kraftstoffkosten sprunghaft steigen und Verträge die realen Betriebsausgaben nicht mehr abbilden, verlagert sich Fracht in den Spotmarkt. Genau das haben wir im ersten Quartal beobachtet. In einem Umfeld hoher Unsicherheit wird der Spotmarkt zum wichtigsten Mechanismus für die Preisfindung“, betont Janiszewska.
Das EITD geht davon aus, dass die wachsende Bedeutung des Spotmarkts zu den prägenden Entwicklungen im europäischen Transport im Jahr 2026 zählen könnte. Volatilere Kosten, erhöhte geopolitische Risiken und anhaltender Druck bei Kraftstoffen führen dazu, dass Verlader und Transportunternehmen häufiger mehrmonatige Verträge meiden und stattdessen auf flexiblere Formen der Zusammenarbeit setzen.









