Die Quartalsberichte 2026 von DSV, Kuehne+Nagel, DHL Group, GXO Logistics und C.H. Robinson liefern ein gemischtes Bild für Straßentransport, Kontraktlogistik und Spedition. Bei DSV und Kuehne+Nagel legte das Ergebnis im Straßengeschäft zu – von einer breiten Erholung in Europa kann dennoch keine Rede sein.
Was die großen Anbieter im ersten Quartal signalisierten
| Unternehmen | Wichtigstes Signal | Was besser lief | Was weiter unter Druck blieb |
| DSV | EBIT im Road-Geschäft: plus 144,1 Prozent | Skaleneffekt durch Schenker, Stückgut, stärkere Steuerung des Netzwerks | Schwacher europäischer Markt, Reibungsverluste bei der Integration in Deutschland/Niederlanden |
| Kuehne+Nagel | EBIT im Road-Geschäft: plus 31,6 Prozent | Marktanteile gewonnen, Zoll-Lösungen, Verlagerungen von See auf Straße | EBIT auf Konzernebene rückläufig, Margen im Straßengeschäft weiter dünn |
| DHL Group | EBIT im Konzern: plus 8,3 Prozent | Kapazitätssteuerung, Preisanpassungen, Wachstum in Supply Chain | Speditionsraten, Deutschland-Transportgeschäft und Personalkosten |
| GXO Logistics | Bereinigtes EBITDA: plus 22,7 Prozent | Outsourcing-Trend, Automatisierung, Rekord bei der Vertriebspipeline | Free Cashflow weiterhin negativ |
| C.H. Robinson | Umsatz North American Surface: plus 2,8 Prozent | Pricing, LTL, Produktivität | Truckload-Volumen rückläufig, Kosten für zugekaufte Kapazität gestiegen |
Straßenergebnis steigt – aber nicht wegen einer Europa-Rallye
Die deutlichsten Verbesserungen im Straßengeschäft kamen von DSV und Kuehne+Nagel – allerdings aus unterschiedlichen Gründen.
Seit der Übernahme von Schenker hat DSV im Road-Segment massiv zugelegt. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 128,0 Prozent auf 23,299 Milliarden dänische Kronen, der Rohertrag kletterte um 167,5 Prozent auf 5,224 Milliarden dänische Kronen. Das EBIT vor Sondereffekten erhöhte sich um 144,1 Prozent auf 996 Millionen dänische Kronen. Die Bruttomarge verbesserte sich von 19,2 Prozent auf 22,4 Prozent, die operative Marge legte von 4,0 Prozent auf 4,3 Prozent zu.
Nach Angaben von DSV ist der Sprung vor allem auf Schenker zurückzuführen. Gegenläufig wirkten niedrigere Volumina im europäischen Inland-Stückgut sowie eine schwächere Dynamik im Automotive-Umfeld. Insgesamt bleibe der Straßengüterverkehr in mehreren europäischen Ländern von gedämpfter Konjunktur geprägt. Besonders Deutschland hob das Unternehmen hervor: Die weiterhin geringe Industrieproduktion drücke die Transportnachfrage.
Kuehne+Nagel meldete im Road-Bereich einen kleineren, aber klaren Fortschritt. Der Nettoumsatz von Road Logistics wuchs von 871 Millionen Schweizer Franken auf 908 Millionen Schweizer Franken, das EBIT stieg um 31,6 Prozent auf 25 Millionen Schweizer Franken. Die Umwandlungsrate von EBIT zu Rohertrag verbesserte sich von 5,7 Prozent auf 7,4 Prozent; der EBIT-Anteil am Nettoumsatz erhöhte sich von 2,2 Prozent auf 2,8 Prozent.
Kuehne+Nagel führt die Entwicklung auf breit angelegte Marktanteilsgewinne, eine höhere Nachfrage nach KI-gestützten Lösungen für die Zollabwicklung sowie Verlagerungen von See auf Straße im Nahen Osten zurück. Um Währungseffekte bereinigt lag das Umsatzplus bei 9 Prozent, davon 5 Prozent organisches Wachstum.
Der Schenker-Deal verschiebt zugleich die Gewichte im europäischen Straßengüterverkehr. DSV hat damit seine Präsenz im Stückgut sowie in FTL/LTL deutlich ausgebaut und positioniert die Road-Division inzwischen als Marktführer in Europa.
Größe kommt jedoch nicht ohne Nebenwirkungen. DSV erklärte, dass die frühe Integrationsphase in Deutschland und den Niederlanden die Produktivität vorübergehend belastete – unter anderem durch komplexe Migrationen, inklusive der Umstellung von IT-Systemen. In Deutschland kamen zudem Mehrkosten hinzu, nachdem DSV das IDS-Straßengüternetzwerk zum Ende 2025 verlassen hatte und die Inlandsvolumina vollständig in eigene Steuerung übernahm.
Unterm Strich kauft DSV nicht nur Volumen, sondern baut die Kontrolle über nationale Road-Strukturen in wichtigen europäischen Märkten neu auf. Da das Unternehmen für 2026 im Straßengüterverkehr lediglich ein flaches bis niedrig einstelliges Wachstum erwartet, sagen die Q1-Zahlen vor allem etwas über Skalierung, Stückgutdichte und Netzwerkkontrolle aus – weniger über eine Markterholung.
Kontraktlogistik wirkt stabiler als volatile Frachtraten
In der Kontraktlogistik fiel das Signal insgesamt robuster aus als im klassischen Forwarding – allerdings mit unterschiedlichen Treibern je Anbieter.
Der Umsatz von DHL Supply Chain stieg um 2,8 Prozent auf 4,502 Milliarden euro, das EBIT legte um 3,1 Prozent auf 276 Millionen euro zu. DHL verweist auf ein organisches Umsatzwachstum von 5,7 Prozent, getragen von Neugeschäft, Vertragsverlängerungen und E-Commerce. Zusätzlich halfen Produktivitätsgewinne durch Digitalisierung, Automatisierung und Standardisierung.
GXO – als größter reiner Kontraktlogistik-Anbieter weltweit – wuchs ebenfalls. Der Umsatz erhöhte sich um 10,8 Prozent auf 3,298 Milliarden US-Dollar, organisch lag das Plus bei 4,1 Prozent. Das bereinigte EBITDA stieg von 163 Millionen US-Dollar auf 200 Millionen US-Dollar. Unter dem Strich erzielte GXO einen Gewinn von 5 Millionen US-Dollar, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 95 Millionen US-Dollar ausgewiesen worden war.
GXO meldete Neugeschäft in Höhe von 227 Millionen US-Dollar sowie eine Rekord-Vertriebspipeline von 2,7 Milliarden US-Dollar. Rund 40 Prozent der neuen Abschlüsse entfielen auf strategische Wachstumsfelder – darunter Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Technologie, Industrie und Life Sciences. Der größte ausgewiesene Markt blieb das Vereinigte Königreich: Dort stieg der Umsatz von 1,391 Milliarden US-Dollar auf 1,595 Milliarden US-Dollar.
Auch DSV Contract Logistics entwickelte sich deutlich stärker: Das EBIT vor Sondereffekten lag bei 1,264 Milliarden dänische Kronen – ein Plus von 180,1 Prozent. Treiber waren Schenker, eine höhere Auslastung der Lager sowie kommerzielles Wachstum.
Mehr Volumen heißt nicht automatisch mehr Ergebnis
Unternehmen mit starkem Forwarding-Anteil bleiben stärker von Raten, Erträgen und Störungen abhängig. Bei DHL Global Forwarding sank der Umsatz um 5,0 Prozent auf 4,527 Milliarden euro, das EBIT ging um 18,5 Prozent auf 164 Millionen euro zurück – vor allem wegen niedrigerer Frachtraten. Zwar stiegen die Luftfrachtvolumina um 3,8 Prozent und die Seefrachtvolumina um 2,0 Prozent, doch das Volumenplus schlug sich nicht in einem besseren Ergebnis nieder.
Ein ähnliches Muster zeigte DSV Air & Sea. Der Rohertrag profitierte vom Schenker-Beitrag, gleichzeitig fiel das EBIT vor Sondereffekten um 4,9 Prozent. Belastend wirkten niedrigere Yields und eine höhere Kostenbasis.
Bei Kuehne+Nagel traf es Sea Logistics am stärksten: Das EBIT brach um 46 Prozent ein, bei Volumina, die im Jahresvergleich um 2 Prozent zurückgingen. Air Logistics blieb deutlich stabiler, das EBIT lag mit 111 Millionen Schweizer Franken leicht unter den 116 Millionen Schweizer Franken des Vorjahres.
Preiserhöhungen helfen – aber sie lösen das Kostenproblem nicht
Der Kostendruck bleibt im Landgeschäft sichtbar, selbst wenn die Umsätze steigen. In Deutschland erhöhte sich der Umsatz von DHL Post & Paket Deutschland um 1,7 Prozent auf 4,502 Milliarden euro – gestützt durch Preisanpassungen und höhere Volumina bei warentragenden Sendungen. Das EBIT sank dennoch um 5,8 Prozent auf 264 Millionen euro. DHL erklärte, das Wachstum bei Paketmengen habe den Rückgang bei Briefmengen sowie höhere Transport- und Personalkosten nicht vollständig kompensiert.
C.H. Robinson liefert zudem einen hilfreichen Vergleich aus Nordamerika – auch wenn das kein direkter Datenpunkt für Europas Straßengüterverkehr ist. Das Unternehmen hat sein Europa-Surface-Transportation-Geschäft zum 1. Februar 2025 veräußert; die Road-Zahlen im ersten Quartal beziehen sich daher auf den nordamerikanischen Markt.
Im Bereich North American Surface Transportation stieg der Umsatz um 2,8 Prozent auf 2,947 Milliarden US-Dollar, der bereinigte Rohertrag legte um 3,0 Prozent auf 431,1 Millionen US-Dollar zu. Das Truckload-Volumen ging um 3,5 Prozent zurück. Im LTL-Geschäft stieg der bereinigte Rohertrag dagegen um 10,5 Prozent – unterstützt durch einen höheren Gewinn pro Auftrag und ein LTL-Volumenplus von 2,0 Prozent.








