Wie aus dem aktuellen Kraftstoffmarkt-Überblick der IRU hervorgeht, lag der EU-gewichtete Durchschnittspreis für Diesel damit unter dem Wert der Vorwoche von 2,019 Euro – ein Rückgang um rund 1,2 Prozent. Die IRU führt das Minus auf die schwächeren Brent-Preise und die gleichzeitige Wirkung steuerlicher Entlastungen in Deutschland, Italien, Polen, Spanien und Schweden zurück.
Beim Rohöl zeigte sich die Bewegung besonders deutlich: Am Morgen des 8. Mai notierte Brent laut IRU um die 100 US-Dollar je Barrel, nachdem es eine Woche zuvor noch bei etwa 120 US-Dollar gelegen hatte und zwischenzeitlich sogar kurz 96 US-Dollar erreichte. Reuters meldete am 8. Mai, dass Brent und WTI erstmals seit der zweiten Aprilhälfte wieder unter die Marke von 100 US-Dollar rutschten, bevor Brent anschließend erneut darüber stieg.
Bemerkenswert ist aus Sicht der IRU vor allem der Zeitpunkt: Noch nie seit Beginn der Krise waren die fünf größten nationalen Entlastungspakete der EU – in Deutschland, Italien, Polen, Spanien und Schweden – gleichzeitig in Kraft.
In Deutschland gilt seit 1. Mai eine Senkung der Diesel-Energiesteuer um 0,14 Euro je Liter, befristet bis 30. Juni. Italien lässt seine Reduzierung um 0,20 Euro je Liter vorerst bis 22. Mai laufen. Polen verlängerte die abgesenkte Mehrwertsteuer und Mindestwerte bei der Verbrauchsteuer für Kraftstoffe bis 15. Mai. Zudem verweist die IRU auf weitere Maßnahmen in Ungarn, Österreich, Frankreich, Griechenland und Tschechien.
Das wöchentliche Öl-Bulletin der Europäischen Kommission (Stand: 7. Mai) betonte zugleich, dass das Preisniveau in der EU weiterhin hoch bleibt – als Folge der Ausweitung des Konflikts im Nahen Osten sowie dessen, was im Bulletin als Schließung der Straße von Hormus beschrieben wird.
Wo Diesel in der EU besonders günstig – und besonders teuer – ist
Die niedrigsten Dieselpreise an der Zapfsäule meldet die IRU für Malta mit 1,210 Euro je Liter. Es folgen Polen (1,692 Euro) und Kroatien (1,724 Euro). Am oberen Ende der Skala liegen die teuersten Märkte in den Niederlanden (2,383 Euro je Liter), in Finnland (2,316 Euro) sowie in Dänemark (2,299 Euro).
In der Slowakei wurden laut IRU am 8. Mai sowohl der Diesel-Aufschlag für Fahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen als auch die Beschränkung auf einen Tankvorgang pro Fahrzeug aufgehoben. Die Organisation bezeichnete diese Regeln als das einzige Dual-Pricing-System innerhalb der EU, das seit Beginn der Krise eingeführt wurde. Seitdem zahlen internationale Transportunternehmen beim Tanken in der Slowakei denselben Preis wie inländische Betreiber.
Brent wieder über 105 US-Dollar – AdBlue bleibt ein zweiter Kostentreiber
Reuters berichtete am 11. Mai, dass die Ölpreise erneut anzogen, nachdem US-Präsident Donald Trump die iranische Antwort auf einen US-Friedensvorschlag zurückgewiesen hatte. Brent stieg dabei wieder über 105 US-Dollar je Barrel. Die Märkte reagieren derzeit stark auf politische Signale rund um Iran, die Straße von Hormus und mögliche Gespräche über eine Waffenruhe – zusätzlich zu den klassischen Faktoren Angebot und Nachfrage.
Neben dem Dieselpreis bleibt laut IRU auch AdBlue ein Risiko – wenn auch eher im Hintergrund. Die weltweiten Harnstoffpreise lagen weiterhin über 617 US-Dollar je Tonne und damit rund 32 Prozent über dem Referenzniveau vom 27. Februar. AdBlue macht zwar weniger als ein Prozent der Betriebskosten von schweren Nutzfahrzeugen aus. Kommt es jedoch zu Engpässen, hätte das gravierende Folgen für den Betrieb, weil moderne Diesel-Lkw ohne AdBlue nicht legal eingesetzt werden können.








