Es ist passiert – mehrere Dutzend Restaurants haben dicht gemacht, in Pubs gibt es kein Bier. Und das alles durch mangelnde Kraftfahrer

Die Branche warnte davor seit langem und schließlich wurden ihre Warnungen eine triste Verwirklichung wahr.

Es ist passiert – mehrere Dutzend Restaurants haben dicht gemacht, in Pubs gibt es kein Bier. Und das alles durch mangelnde Kraftfahrer
Flickr/CC BY 2.0/Lav Ulv

“Was ist los?”, “Wie viele Restaurants habt ihr zugemacht?”, fragen britische Kunden der Nando’s-Kette, die in letzten Tagen geschlossene Türen vorfanden oder erfuhren, dass sie kein Essen mit der Lieferung nach Hause bestellen können, in sozialen Netzwerken.

Die Restaurantkette hat in Großbritannien etwa 400 Stellen, wovon 25 in letzter Zeit (u. a. in London und Manchester) zugemacht werden mussten und die weiteren ihre Öffnungszeiten verkürzten oder auf die Abwicklung von Internet-Bestellungen verzichteten. Alles wegen Probleme mit den Lieferanten.

Die Lebensmittelindustrie in Großbritannien erfuhr in den letzten Wochen Störungen in der gesamten Lieferkette wegen Personalmangels, was sich auf mehrere von unseren Restaurants auswirkte”, erklärt die Firma.

Sie fügt hinzu, dass auf diese Sachlage ebenfalls die Selbstisolierung, zu welcher manche von Beschäftigten gezwungen waren, nicht ohne Einfluss blieb. Sie versichert jedoch, dass mehrere Dutzend ihre Mitarbeiter den Lieferanten zu Hilfe eilen werden, damit sich die Situation gleich normalisiert.

Von Hähnchen bis Bier

Nando’s ist steht dabei nicht allein. Neulich warnte KFC ihre Kunden, dass gewisse Positionen aus dem Menü nicht verfügbar sein oder auch in anderen Verpackungen serviert werden können. Der Grund sind auch die Störungen in den Lieferketten.

Diese betreffen nicht nur Liebhaber von Fertiggerichten, sondern auch die von alkoholischen Getränken. Im Pub „The Rising Sun“ in Rochester/Kent-County, fehlen “viele Positionen” im Sortiment, gibt der Inhaber zu. Wegen plötzlichen Mangels an Draft Lager mussten die Mitarbeiter von „The Fox and Hounds Pub“ in Clavering/ Essex-County viele bittere Worte zu hören bekommen.

Das sind nur einige Beispiele, weil viele Pubs in Großbritannien zugeben, dass sie Probleme mit Bierlieferungen haben.

Sicherlich wird es Pubs geben, für welche das Bier fehlt. Schon jetzt war es ein Alptraum, Lieferungen zu kriegen“, gibt Colin Wilkinson, der geschäftsführende Direktor von Scottish Licensed Trade Association, von Daily Record zitiert, zu.

Ihre Lieferungen haben solche Firmen wie Belhaven und Heineken wegen der Probleme mit Logistik bei Subunternehmen eingeschränkt oder gar storniert. Die Hersteller suchen nach alternativen Lösungen.

Eine riesige Diskrepanz bei Angeboten

Es kann jedoch noch schlimmer werden. Auf den nächsten Dienstag, 24. August, wurde ein einwöchiger Streik von Kraftfahrern, die für GXO Logistics Drinks Ltd., also der Firma, die sogar 40 % von Bierlieferungen an Pubs und Gastronomiestellen in Großbritannien abwickelt, bestätigt.

Die Mitarbeiter beschweren sich über niedrige Löhne und Verluste, welche sie bei der Coronavirus-Pandemie bedingten Schließung der Wirtschaft trugen. Die ihnen Ende letzte Woche vorgeschlagene Lohnerhöhung liegt weiter unter der Teuerungsrate, die zurzeit in Großbritannien das Niveau von 3,9 % erreichte. Ihnen wurde aber eine Lohnsteigerung von lediglich 1,4 % angeboten.

Die britischen Medien weisen darauf hin, dass vielen Berichten über lukrative Angebote für Fahrer zuwider Arbeitsangebote mit Löhnen, die nur knapp den Mindestlohn überschreiten, weiterhin keine Seltenheit sind.

Außer Niedriglöhnen beschweren sich die Kraftfahrer in Großbritannien eigentlich über alles, was ihre Kollegen von der Branche an jedem anderen Ort in Europa oder gar in der Welt erfahren – keinen Respekt, Trennung von der Familie und fatalen Zustand der Unterkünfte.

Mitarbeit: Gregor Gowans

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