Emissionen Reduzieren & Grüner Investieren

Das Paket „Fit für 55“ der EU ist wegweisend, aber wird es ausreichen?

Emissionen Reduzieren & Grüner Investieren

Die Emissionen vieler großer, internationaler Unternehmen sind immer noch sehr hoch. In den sich mehrenden Gesprächen mit diesen führenden Firmen ist Nachhaltigkeit ein regelmäßiges und prominentes Thema.

Zumindest in Europa dürfte das niemanden überraschen: Die Europäische Kommission hat kürzlich im Rahmen des Pakets „Fit für 55“ Maßnahmen beschlossen, die Europas klimabezogene Rechtsvorschriften stärken. Die EU plant so ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55% zu senken und schon im Jahr 2050 klimaneutral zu sein. Um es auf gut Deutsch zu sagen: wir als Kontinent wollen in nur acht Jahren CO2-neutral werden – und das ist ein sehr ehrgeiziges Ziel!

Ehrgeiz ist aber genau das, was wir jetzt brauchen. Der jüngste Bericht des IPCC macht es klarer denn je, dass die Frage nicht mehr ist, ob es den Klimawandel gibt. Er ist in vollem Gange. Stattdessen müssen wir uns jetzt damit auseinandersetzen, wie wir ihn stoppen und wie schnell die nötigen Schritte unternommen werden können. Während sich Regierungsvertreter aus aller Welt auf die 26. UN-Klimakonferenz vorbereiten, die im November in Schottland stattfinden wird, sind die Augen der Welt auf Europa als Wegweiser in Sachen Klimaschutz gerichtet.

Umweltverschmutzung hat einen Preis

Zu den Maßnahmen, auf die sich viele Regierungen voraussichtlich einigen werden und die in der EU bereits gängig sind, gehören Steuern. Es finden bereits Gespräche zum Thema Grenzsteuer auf CO2-Emissionen im Zusammenhang mit einigen Importen in die Europäische Union statt. Zudem recherchiert die Europäische Kommission aktuell, welche weiteren Maßnahmen dabei helfen können, die im „Fit für 55“ Paket festgeschriebenen Ziele zu erreichen. Selbstverständlich wird dies große Auswirkungen auf nahezu jedes europäische Unternehmen haben – egal ob groß oder klein.

Wir sind uns darüber bewusst, wie überwältigend diese neuen Maßnahmen für Firmen sein können. Es gibt weitaus mehr MöglichkeitenTreibhausgasemissionen zu reduzieren, als nur in Lieferketten und Unternehmen brauchen Experten, die alle Betriebsprozesse gründlich auswerten. Dennoch können Optimierungen in Lieferketten bereits große Auswirkungen haben – und um diese Verbesserungen tatsächlich umzusetzen ist Nachverfolgbarkeit in Echtzeit essenziell.

Informieren und handeln

Entscheidend für all diese Veränderungen ist ein guter Überblick über die internen Systeme, die es zu verbessern gilt. Wir haben es mit einer drängenden Herausforderung zu tun, besonders im Transportwesen. 2018 war der Transportsektor für knapp 30% der gesamten Treibhausgasemissionen in Europa verantwortlich. Seitdem ist er der einzige Sektor, dessen Treibhausgasemissionen weiterhin angestiegen sind – und das, obwohl diese in allen anderen Sektoren stetig gesunken sind.

Aus diesen Ergebnissen lässt sich schließen, dass wir dringend ein besseres Verständnis für die transportbedingten Emissionen in der EU entwickeln müssen. Denn wer nicht weiß wie viel Treibhausgas produziert wird und wo es herkommt, kann kaum etwas dagegen unternehmen. Wer keine Übersicht über die eigenen Emissionen hat, kann weder deren Auswirkungen abschätzen, noch etwas dagegen unternehmen. Wie es Frances Edmonds von HP Canada kürzlich in einem FourKites-Interview ausgedrückt hat: das, was in einem Unternehmen gemessen wird, ist meistens auch das, was angegangen wird.

[Nachhaltigkeit] messen zu können ist wichtig, und diese zu kommunizieren ist noch wichtiger, denn letztendlich wird das, was in der Wirtschaft gemessen wird, auch angegangen.“
– Frances Edmonds, HP Canada

In Zukunft könnte es eine von zwei Möglichkeiten geben, um Treibhausgase zu messen. Entweder wird die Europäische Kommission den Absender einer Warensendung dazu verpflichten, die Gesamtemissionen der Fracht zu dokumentieren. Das wäre schwierig umzusetzen, da viele Güter in Europa nur als Teil einer ganzen Ladung geliefert werden. Außerdem werden viele Lieferungen von Zulieferern übernommen oder können nur schwer in One-To-One-Systemen nachverfolgt werden. Die Alternative wäre es, Transportunternehmen ihre Fracht dokumentieren zu lassen, was meiner Meinung nach am meisten Sinn macht.

Priorität für Spediteure

Damit dieses System funktioniert, müssen Beförderer nicht nur ihren eigenen CO2-Fußabdruck verwalten, dokumentieren und verbessern, sondern auch den ihrer Großkunden. Die Spediteure hätten in diesem Fall individuelle Voraussetzungen, müssten Kosten tragen und unterlägen Beschränkungen, um dafür zu sorgen, dass ihr Unternehmen so nachhaltig wie möglich ist. So wie ein 30 Jahre alter Lkw ganz andere Emissionen mit sich bringt als einer, der in den letzten Jahren gebaut wurde, brauchen die unterschiedlichen Herausforderungen der Branche individuelle Lösungsansätze.

Was bedeutet das für die kleinen und mittelgroßen Spediteure, die die Hauptverantwortung für die Reduktion von transportbedingen Emissionen eines ganzen Kontinents tragen? Vor allem im Hinblick auf die anstehende Euro 7 Abgasnorm, die wesentlich strenger ausfallen wird und Europas Ausstieg aus fossilen Brennstoffen verkörpert, bahnt sich eine Situation ähnlich der ELD-Revolution in den Vereinigten Staaten an. Jetzt müssen wir die daraus gewonnenen Lehren nutzen, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

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Das Geld, das die Europäische Kommission mit diesen zukünftigen Steuern und Initiativen einnimmt, sollte nicht direkt zurück in die riesige Kasse gehen, aus der sie bereits ausgibt. Stattdessen wäre es besser in Kleinunternehmen investiert, um neue und effizientere Fahrzeuge anzuschaffen. Volvo Trucks, einer unserer strategischen Investoren, ist aktuell dabei einen neuen Elektro-Lkw auf den Markt zu bringen und auch andere Firmen arbeiten bereits an ähnlichen Technologien. Wenn in acht Jahren alle LKWs auf unseren Straßen elektrisch wären, würde das einen gewaltigen Unterschied machen! Um diesen Traum wahr werden zu lassen, brauchen kleinere Spediteure unsere Unterstützung.

Die Zeit drängt beim Thema Nachhaltigkeit. Auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft mit weniger Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen müssen wir sicherstellen, dass dabei keine Unternehmen auf der Strecke bleiben – weder klein noch groß. Wenn es um unseren Planeten geht, sitzen wir alle im selben Boot und gewinnen – oder verlieren – zusammen.

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