Die britischen Medien schlagen Alarm: Flüchtlingsbanden in Caen zwingen LKW an fiktiven Straßensperren anzuhalten, um nach Großbritannien zu gelangen. Nachdem die französischen Behörden in Calais die Kontrollen verschärft hatten, zogen die Migranten nach Caen in die Normandie. Die Lage ist so ernst, dass der Britische Straßentransportverband (RHA) an die französische Armee appelliert, sich um das Problem zu kümmern.

„Mini-Dschungel” bei Caen

Auch LKW-Fahrer berichten, dass rund 200 mit Messern bewaffnete Migranten an den Zugangspunkten zum Hafen rumlungern. Sie haben mehrere Möglichkeiten, um ins Fahrzeug zu gelangen. Manchmal zwingen sie Fahrer anzuhalten, indem sie Straßensperren errichten. Ein anderes Mal springen sie ins Fahrzeug, wenn dies im Kreisverkehr ist und langsamer fahren muss. Britische Medien berichten, dass in den Wäldern bei Ouistrecham, wenige Kilometer von Caen entfernt, rund 150 Flüchtlinge aus dem Sudan ein Lager aufgeschlagen haben. Der Ort hat bereits einen neuen Namen bekommen – „Mini-Dschungel”, der sich auf das Camp in Calais bezieht.

Sie sitzen am Supermarkt und warten darauf, dass du vorbeifährst. Leider ist dort Kreisverkehr, vor dem man langsamer fahren muss. Das ist der Moment, wo sie versuchen in den Laderaum zu kommen. Manchmal versuchen sie auch die Fahrertür zu öffnen. Sie haben Messer, um die Plane aufzuschneiden um rauszukommen – sagte dem Sender BBC die Truckerin Sherralin Ballard.

Einige beschließen, den Ärmelkanal zu durchschwimmen

Manche Flüchtlinge haben eine andere Idee die Grenze zu überqueren. Sie zahlen Schmugglern, die den Fahrern  2000 Pfund für einen „Platz” anbieten. Das Problem besteht darin, dass Flüchtlinge auf der Fähre den LKW wechseln oder auf die Dächer klettern.

Die lokale Polizei versucht, mit der Situation klarzukommen, aber es ist nicht einfach, da Migranten oft den Ort wechseln. Ende Mai rettete die französische Marine fünf Iraner, die den Ärmelkanal durchschwimmen wollten.

Von der Situation profitieren auch lokale Gangs, die Fahrer an Tankstellen auf ihrem Weg nach Caen belästigen und Geld für illegale Passagiere bieten. Im Schnitt bekommen Schmuggler von Flüchtlingen  9.000 Pfund für den Transport nach Großbritannien.

Wir haben Beweise dafür, dass das Leben von LKW-Fahrern, die einfach nur ihren Job machen, wirklich bedroht ist. Echte Probleme entstehen, wenn LKW vor provisorischen Straßensperren anhalten müssen und Banden versuchen ins Fahrzeug zu kommen – oft mit Gewalt. Uns wurde auch von Vergewaltigungs-Drohungen gegenüber weiblichen Fahrern berichtet. Es besteht kein Zweifel daran, dass das Risiko für Fahrer sehr groß ist und die Situation immer schlimmer wird – kommentiert Rod McKenzie, Leiter des RHA.

Die britischen Behörden fordern deshalb LKW-Fahrer auf im Falle eines Angriffs die dafür speziell eingerichtete Hotline (+44) 1274 863 111 anzurufen. Der Verband wird wiederum Informationen an den britischen Grenzschutz und das Innenministerium weiterleiten.

Foto:Wikipedia

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