Das Wichtigste im Überblick
- FM Logistic übernimmt die Mehrheit an der Schäflein-Gruppe.
- Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt.
- Marke, Management und Familienbeteiligung bleiben erhalten.
- Schäflein erwirtschaftet rund 260 Millionen Euro Umsatz.
- FM Logistic erhält erstmals direkten Zugang zum deutschen Markt und zum Stückgutnetzwerk von Schäflein.
Nachfolge statt Verkauf aus der Krise
Anders als viele Unternehmensübernahmen in der Logistikbranche steht hinter dem Einstieg von FM Logistic keine Restrukturierung oder wirtschaftliche Schieflage.
Vielmehr handelt es sich um eine strategische Nachfolgelösung. Die bisherigen Eigentümer Achim und Bernd Schäflein bleiben am Unternehmen beteiligt und werden die Geschäfte weiterhin führen.
„Wir haben nach einer Regelung der Nachfolge in die nächste Generation, nach einem strategischen und industriellen Partner gesucht, der die internationale Entwicklung unseres Modells unterstützen kann“, erklärt Achim Schäflein, CEO der Schäflein-Gruppe.
Für viele mittelständische Logistikunternehmen in Deutschland gehört die Unternehmensnachfolge inzwischen zu den größten strategischen Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund dürfte der Schritt von Schäflein auch über das eigene Unternehmen hinaus Aufmerksamkeit in der Branche finden.
Warum Schäflein für FM Logistic interessant ist
Mit der Übernahme sichert sich FM Logistic nicht nur zusätzliche Kapazitäten, sondern vor allem spezielles Industrie-Know-how.
Die Schäflein-Gruppe erwirtschaftet nach Unternehmensangaben rund 40 Prozent ihres Umsatzes mit Industriekunden und weitere 27 Prozent im Bereich Mobilität. Hinzu kommen Kompetenzen in der Automatisierung über die Geschäftseinheit LOCIT, Lösungen für Mehrwegbehälter-Management mit SprintBOX sowie Erfahrungen bei Dekarbonisierungsprojekten.
„Unser Ziel war es nicht, einfach nur Kapazitäten zu erwerben, sondern wertvolles industrielles Know-how“, sagt Jean-Christophe Machet, CEO von FM Logistic.
Mit einem Jahresumsatz von rund 260 Millionen Euro bringt Schäflein zudem eine relevante Größenordnung in die Gruppe ein. FM Logistic erwirtschaftet nach eigenen Angaben derzeit rund 1,9 Milliarden Euro Umsatz.
Deutschland als fehlendes Puzzlestück
Für FM Logistic markiert die Übernahme einen strategischen Meilenstein.
Das 1967 gegründete Familienunternehmen beschäftigt weltweit mehr als 28.000 Mitarbeiter und ist in zahlreichen europäischen Ländern aktiv. Deutschland fehlte bislang jedoch als eigener Kernmarkt im Netzwerk.
Mit Schäflein erhält FM Logistic nun erstmals eine starke operative Plattform im größten Logistikmarkt Europas.
Geplant ist unter anderem, internationale Kunden des Konzerns künftig stärker in Deutschland zu betreuen und gleichzeitig das Industrie-Know-how von Schäflein auf weitere europäische Märkte zu übertragen.
Als Zielmärkte nennen die Unternehmen unter anderem Frankreich, Polen, Spanien und die Slowakei.
Zugang zum Stückgutnetz
Neben der Industrielogistik dürfte auch das Transportgeschäft eine wichtige Rolle spielen.
Schäflein ist Gesellschafter der Stückgutkooperation CargoLine und betreibt in Röthlein einen wichtigen Knotenpunkt für nationale und internationale Verkehre. Für FM Logistic eröffnet sich damit nicht nur Zugang zum deutschen Markt, sondern auch zu etablierten Stückgutstrukturen.
Nach Angaben beider Unternehmen sollen die Transportströme künftig stärker miteinander verzahnt werden.
Darüber hinaus prüfen die Partner weiteres Wachstum innerhalb Deutschlands. Als potenzielle Regionen werden unter anderem das Ruhrgebiet und der Raum Leipzig genannt.
Kontinuität für Kunden und Mitarbeiter
Für Kunden soll sich nach Abschluss der Transaktion zunächst wenig ändern.
Achim Schäflein bleibt CEO, Bernd Schäflein COO und Christoph Heller CFO. Auch die Marke Schäflein soll erhalten bleiben.
Die Unternehmen betonen, dass die operative Führung unverändert fortgeführt wird und bestehende Kundenbeziehungen bestehen bleiben.
Deutschland bleibt strategischer Zielmarkt
Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt der Übernahme. Während die deutsche Transport- und Logistikbranche weiterhin unter schwacher Industriekonjunktur, Kostendruck und steigenden Insolvenzzahlen leidet, investiert FM Logistic gezielt in Deutschland.
Die Transaktion zeigt, dass internationale Logistikgruppen den deutschen Markt trotz der aktuellen Herausforderungen weiterhin als strategischen Kernmarkt Europas betrachten.
Für FM Logistic ist der Einstieg bei Schäflein daher weit mehr als eine klassische Akquisition. Die Franzosen sichern sich Zugang zu Industriekompetenz, Stückgutnetzwerken und einem Markt, der trotz aller Schwierigkeiten weiterhin als einer der wichtigsten Wachstumsmotoren der europäischen Logistik gilt.









