Das Wichtigste im Überblick
- Sono Motors stellte sein operatives Geschäft zum 31. Juli 2026 ein.
- Nach Unternehmensangaben wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet.
- Zum Verkauf stehen unter anderem geistiges Eigentum, technische Dokumentationen und Komponenten der Leistungselektronik.
- Nach dem Aus des Solarautos Sion hatte sich Sono auf Solarlösungen für Busse, Transporter, Lkw und Kühlfahrzeuge konzentriert.
- Untersuchungen zeigen: Der Nutzen fahrzeugintegrierter Photovoltaik hängt stark vom Fahrzeugtyp und Einsatzprofil ab.
Keine Finanzierung nach Rückzug des Hauptinvestors
Die Sono Motors GmbH hat ihr operatives Geschäft eingestellt. Nach Angaben des Unternehmens wurde zum 31. Juli ein Insolvenzverfahren eröffnet. Gespräche mit potenziellen Investoren hätten nicht zu einer tragfähigen Finanzierung geführt.
Auslöser der erneuten Sanierungsphase war demnach der Rückzug der Sono Group N.V. aus dem Solargeschäft im März 2026. Das Management sucht nun Käufer für das gesamte Geschäft oder einzelne Bestandteile.
Zum Verkauf stehen laut Sono Motors das geistige Eigentum, Hardware-Komponenten und technische Dokumentationen. Das Angebot umfasst unter anderem die Solar-Integration des früheren Fahrzeugprojekts Sion, Solarladeregler und weitere Leistungselektronik sowie die sogenannten Solar Data Services.
Geschäftsführer Denis Azhar erklärte:
Dass wir die Finanzierung letztlich nicht sichern konnten, ist eine herbe Enttäuschung, nachdem wir die Gespräche mit Investoren bis zuletzt intensiv geführt haben.“
Das Unternehmen wolle nun einen Käufer finden, der das Gesamtgeschäft oder Teile des Portfolios übernimmt und weiterentwickelt.
Vom Solarauto zum Zulieferer für Nutzfahrzeuge
Bekannt wurde Sono Motors mit dem Sion, einem Elektroauto mit in die Karosserie integrierten Solarzellen. Das Fahrzeug sollte Solarenergie direkt für den Antrieb beziehungsweise zur Entlastung der Batterie nutzen.
Das Pkw-Projekt scheiterte jedoch an der Finanzierung. Anfang 2023 stellte Sono die Entwicklung des Sion ein und strich rund 250 Stellen. Wenige Monate später beantragte die Gesellschaft ein Schutzschirmverfahren.
Anschließend verlagerte das Unternehmen seinen Schwerpunkt vollständig auf das B2B-Geschäft. Die Solartechnik sollte nicht mehr in einem eigenen Auto, sondern in Fahrzeugen anderer Hersteller eingesetzt werden – vor allem in Bussen, Transportern, Lkw, Aufliegern und Kühlfahrzeugen.
Nutzfahrzeuge galten als wichtigster Markt
Bereits in einem Interview mit trans.iNFO im Jahr 2022 bezeichnete Sono den Transportsektor als eine der beiden zentralen Säulen des Geschäfts. Das Unternehmen arbeitete damals nach eigenen Angaben mit Partnern wie Scania, CHEREAU, Kögel, Rhenus Logistics und der Münchner Verkehrsgesellschaft zusammen.
Im Nutzfahrzeugbereich verfolgte Sono zwei unterschiedliche Ansätze. Bei Dieselbussen sollten Solarmodule die Bordelektrik versorgen und dadurch den Kraftstoffverbrauch senken. Bei Kühlaufliegern sollte der erzeugte Strom einen Teil des Energiebedarfs der Kühlanlage decken.
Bei batterieelektrischen Transportern und Lkw sollte die Technik dagegen die Traktionsbatterie entlasten, Ladezyklen reduzieren und die Reichweite geringfügig erhöhen.
Sono stellte damals bei Dieselbussen Einsparungen von bis zu 1.500 Litern Kraftstoff pro Jahr in Aussicht. Für vollständig mit Solarmodulen ausgestattete Kühlauflieger nannte das Unternehmen einen möglichen Beitrag von bis zu 50 Prozent zum jährlichen Energiebedarf des Kühlaggregats. Dabei handelte es sich um Herstellerprognosen, deren tatsächlicher Wert stark von Einsatzbedingungen, Sonneneinstrahlung und Fahrzeugkonfiguration abhängt.
SolarMoves bestätigt Nutzen – aber nur in bestimmten Anwendungen
Dass fahrzeugintegrierte Photovoltaik grundsätzlich funktionieren kann, zeigt das europäische Forschungsprojekt SolarMoves. Über drei Jahre wurden unterschiedliche solarunterstützte Nutzfahrzeuge auf insgesamt rund 1,2 Millionen Kilometern untersucht.
Das Ergebnis fällt differenziert aus. Besonders interessant ist die Technik dort, wo sie Nebenverbraucher versorgt. Dazu zählen Kühlaggregate, Klimaanlagen, Bordelektronik oder Hilfsbatterien. Bei solchen Anwendungen kann der Solarstrom den Dieselverbrauch oder den Netzstrombedarf unmittelbar reduzieren.
Nach den Berechnungen des Projekts können Solarsysteme auf dieselbetriebenen Sattelzügen, die überwiegend Nebenaggregate versorgen, unter günstigen Bedingungen Amortisationszeiten von weniger als einem Jahr erreichen. Für einen regional eingesetzten Fernverkehrszug errechneten die Forscher in einem Modell Einsparungen von mehr als 32.000 Euro über fünf Jahre.
Bei batterieelektrischen Lkw fällt das Bild uneinheitlicher aus. Je nach Fahrzeugtyp, Route und Klima rechneten sich einige Anwendungen innerhalb von fünf Jahren, andere nicht. Besonders ungünstig sind hohe Jahresfahrleistungen, nördliche Einsatzgebiete und häufige Verschattung.
Solarstrom ersetzt keine Ladeinfrastruktur
Für batterieelektrische Fernverkehrs-Lkw bleibt der Beitrag der Solarmodule zur gesamten Antriebsenergie begrenzt. Frühere Angaben von zwei bis vier Prozent gelten vor allem für Fahrzeuge mit hohem Energieverbrauch und langen Laufleistungen über unterschiedliche Jahreszeiten hinweg.
Unter günstigeren Bedingungen kann der Nutzen höher ausfallen. SolarMoves ermittelte für Dach- und Seitenflächen eines Fernverkehrsaufliegers im Sommer theoretische Tageserträge von etwa 90 bis 110 Kilowattstunden. Bei einem Energieverbrauch von rund 1,2 Kilowattstunden pro Kilometer könnte dies rechnerisch einer zusätzlichen Reichweite von ungefähr 50 Kilometern entsprechen.
Solche Werte sind jedoch nicht auf jeden Einsatz übertragbar. Jahreszeit, geografische Lage, Verschattung, Standzeiten und verfügbare Fläche haben großen Einfluss auf den Ertrag. Die Solartechnik kann den Energiebedarf senken, ersetzt bei elektrischen Lkw aber weder leistungsfähige Batterien noch öffentliche und betriebliche Ladeinfrastruktur.
Regulatorische Hürden bremsen den Markt
Neben Wirtschaftlichkeit und Energieausbeute erschweren auch regulatorische Fragen eine breitere Einführung.
Nach Einschätzung der SolarMoves-Forscher wird fahrzeugintegrierte Photovoltaik bislang nicht ausreichend im europäischen VECTO-System zur Berechnung der CO₂-Emissionen schwerer Nutzfahrzeuge berücksichtigt. Hersteller können die durch Solarmodule erzielten Einsparungen deshalb nicht in vollem Umfang auf ihre Flottenziele anrechnen.
Ein weiteres Problem ist die geteilte Eigentümerstruktur im Straßengüterverkehr. Zugmaschine und Auflieger gehören häufig verschiedenen Unternehmen. Investiert der Eigentümer des Aufliegers in Solarmodule, fallen die Kraftstoff- oder Stromersparnisse möglicherweise beim Betreiber der Zugmaschine an. Damit liegen Investition und wirtschaftlicher Nutzen nicht immer bei derselben Partei.
Käufer für Technologie und B2B-Geschäft gesucht
Ob die Sono-Technik unter einem neuen Eigentümer weitergeführt wird, ist nun vom Verlauf des Insolvenzverfahrens und der Suche nach Investoren abhängig. Interessenten können nach Angaben des Unternehmens sowohl das Gesamtgeschäft als auch einzelne Technologiebausteine erwerben.
Für Fahrzeughersteller und Zulieferer könnten vor allem die vorhandenen Integrationslösungen, Solarladeregler, technischen Dokumentationen und Datenservices interessant sein. Einen Verkauf oder konkrete Gespräche mit Käufern hat Sono Motors bislang nicht gemeldet.
Die Insolvenz beendet damit zunächst die operative Tätigkeit des Unternehmens. Sie liefert jedoch kein abschließendes Urteil über Solartechnik auf Nutzfahrzeugen. Deren Marktchancen hängen weniger von einer universellen Lösung ab als von klar umrissenen Einsatzfällen – insbesondere Kühltransporten, Nebenverbrauchern und Fahrzeugen mit langen Standzeiten unter günstigen Strahlungsbedingungen.









