Die Anzahl der Fahrer sinkt und die Nachfrage nach Transportarbeitern wächst. Deutschland hat ernste Versorgungsprobleme. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit in Thüringen sind alarmierend.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Thüringen ist die Zahl der Fahrer im Bundesland in den letzten vier Jahren von 18,3 Tausend bis zu 16,9 Tausend gesunken – berichtet die deutsche Presseagentur dpa. Darüber hinaus stieg der Anteil der Fahrer, die das 55. Lebensjahr überschritten haben, im gleichen Zeitraum von 23 auf 28 Prozent.

Viele Unternehmen würden sehr gerne Fahrer einstellen, aber sie können keine Interessenten für diese Stelle finden – gibt der Chef der Agentur, Kay Senius, in einer Erklärung für die DPA bekannt.

Das Problem ist ernst, weil das Bundesland in den letzten Jahren zu einem typischen Logistikstandort geworden ist. Giganten wie Zalando (Online-Bekleidungsgeschäft) und KNV (Großhandelsverkauf von Büchern und Spielen) haben hier ihren Hauptsitz.

Offene Stellen in ganz Europa

Aufgrund des Personalmangels leiden nicht nur Thüringer Unternehmer. Das Problem des Fernfahrermangels betrifft ganz Deutschland. Es fehlen auch Fahrer in Polen (ca. 100.000), Frankreich (ca. 15.000), Spanien, Großbritannien oder Österreich. Wenn sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt und das Image der Branche nicht ändern, wird es den Transportunternehmen noch schwerer fallen, offene Stellen zu besetzen. In den nächsten etwa ein Dutzend Jahren werden die meisten Trucker in den Ruhestand gehen. Beispielsweise sind bis zu 72 Prozent Fahrer aus Spanien über 50 Jahre alt.

Von den 1,5 Millionen deutschen Truckern, die 2016 eine Fahrerkarte hatten, sind schon über eine Million über 45 Jahre alt.

In den nächsten 15 Jahren werden 2/3 der Fahrer in Rente gehen – warnt Markus Olligschläger vom deutschen DSLV-Transportverband.

Das Durchschnittsalter des britischen Truckers beträgt wieder mittlerweile 55 Jahre. Im Jahr 2015, als es 53 Jahre betrug, waren 13 Prozent der Fahrer über 60 und nur 2 Prozent Arbeitnehmer unter 25 Jahren. Laut der britischen Presse steigt der Personalmangel in der britischen Transportbranche täglich um 50 Fahrer.

Westliche Unternehmer aus der Transportbranche nutzen verschiedene Lösungen, um Mitarbeiter anzuziehen – von Gehaltserhöhungen bis hin zu Profiten, zum Beispiel Anteile an ihrem Unternehmen oder Sparprogramme. Auch polnische Transportunternehmen werden eine Domäne haben können – im nächsten Jahr sollen nämlich Mitarbeiter-Kapital-Programme starten, bei denen die Arbeitgeber einen geringeren oder größeren Anteil an den Altersersparnissen der Fahrer anbieten können.

Gründe für den Fahrermangel

Der Mangel an Personal im Verkehr in Deutschland, wie in anderen europäischen Ländern, resultiert aus der geringen Attraktivität des Berufs, die durch das schlechte Image des Fahrers, hohe Kosten für den Erwerb von Qualifikationen, relativ geringe Verdienstmöglichkeiten und Arbeitsbelastungen verursacht wird. Zu den letzten zählen Stress, Zeitdruck, Trennung von Familie und Rechtsunsicherheit (immer restriktivere EU und inländische Vorschriften). Es ist auch erwähnenswert, dass Fahrer nicht respektiert werden, obwohl sie eine Schlüsselrolle für die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft spielen.

In Deutschland hat auch die Abschaffung der Wehrpflicht zum Personalmangel in der Transportwirtschaft beigetragen. Wehrpflichtige, die die Bundeswehr verlieβen, hatten oft schon Befugnisse in der Tasche. Die deutsche Armee trainierte nämlich ungefähr 15 Tausend LKW-Fahrer jährlich.

Einkünfte deutscher Fahrer

Vielleicht wären die Schwierigkeiten, die mit der Arbeit hinter dem Steuer verbunden sind, leichter zu ertragen, wenn der Fahrer eine angemessene Vergütung dafür erhalten würde. Deutsche Transportunternehmen beginnen langsam, dies zu erkennen und haben die Transportpreise erhöht, um mehr in Personal investieren zu können.

Die deutsche Zeitschrift „Stern”, die im Rahmen der Artikelserie „Verdienste” Umfragen unter Fahrern durchgeführt hat, schreibt über die Gehälter von Lkw-Fahrern in Deutschland.

Das Gehalt eines LKW-Fahrers hängt von seiner Erfahrung, seinem Arbeitsplatz und dem Firmensitz ab – lesen wir in der deutschen Zeitschrift. Ein Anfänger-Fahrer verdient in der Regel weniger als 1,8 Tausend Euro Basis. Ein erfahrener Lkw-Fahrer, der Ferntransporte mit Gefahrgut durchführt, erhält monatlich bis zu 4,5-5 Tausend Euro. Solche Einnahmen kommen jedoch nicht oft vor – das sind Ausnahmen. Nach Angaben des Beratungsunternehmens Compensation Partner belief sich die durchschnittliche Jahresvergütung eines Lkw-Fahrers in Deutschland im Jahr 2016 auf 28,7 Tausend Euro (d.h. etwa 2,4 Tausend Euro pro Monat).

Zum Vergleich, das Gehalt eines unerfahrenen Reinigers, der ohne Ausbildung und Führerschein für einen Lastwagen Müll herausnimmt, beträgt laut der Zeitschrift „Stern” 1,5-2,2 Tausend Euro. Ein Arbeitnehmer mit Befugnissen, schwere Nutzfahrzeuge zu fahren, kann zwischen 3 und 3,5 Tausend Euro verdienen und kehrt jede Nacht nach Hause zu seiner Familie zurück.

Im Transport können Gehaltserhöhungen erwartet werden

Laut Martin Wolak von der Rekrutierungsplattform TransJobs.eu ist eine Erhöhung des Gehalts der Fahrer unvermeidlich. Auf unserer Plattform beobachten wir, was auf dem Arbeitsmarkt in der Transportbranche passiert und wenn die Löhne nicht erhöht werden, kann man keine Wunder erwarten. Ohne Lohnwachstum werden die Fahrer nicht ankommen, insbesondere angesichts der aktuellen niedrigen Arbeitslosigkeit – sagt Martin Wolak.

– Natürlich wird es am Ende die gesamte Wirtschaft betreffen, weil zusammen mit den Löhnen auch die Transportkosten erhöht werden müssen. Deshalb müssen die Verlader höhere Raten akzeptieren, die es erlauben, die Löhne in der Industrie zu erhöhen – prognostiziert er.

Fot: Trans.INFO

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