Die Reformpläne des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) zielen zunächst auf die Klasse B. Die durchschnittlichen Kosten für den PKW-Führerschein liegen laut Ministerium bei rund 3.400 Euro, in vielen Regionen inzwischen deutlich höher. Ziel sei es, die Ausbildung bezahlbarer zu machen, ohne die Verkehrssicherheit zu gefährden.
Die Eckpunkte wurden seit Oktober 2025 gemeinsam mit den Ländern erarbeitet und sollen Grundlage für die Verkehrsministerkonferenz im März 2026 sein. Rechtliche Änderungen könnten noch im ersten Halbjahr 2026 auf den Weg gebracht werden.
Für die Transportbranche entscheidend: Mehrere Reformansätze sollen ausdrücklich auch auf andere Fahrerlaubnisklassen übertragen werden, also potenziell auf C und CE.
Weniger Sonderfahrten – spürbare Entlastung für LKW?
Ein zentraler Kostentreiber sind die verpflichtenden Sonderfahrten. Aktuell müssen bei schweren LKW über 7,5 Tonnen zehn Sonderfahrten absolviert werden.
Nach dem Diskussionsstand der Arbeitsgruppe sollen künftig gelten:
- Fahrzeuge bis 7,5 t (z. B. C1): drei Sonderfahrten
- LKW über 7,5 t: sechs Sonderfahrten (je zwei Überland-, Autobahn- und Dunkelfahrten)
Das wäre eine deutliche Reduzierung. Für Unternehmen, die Nachwuchsfahrer ausbilden, könnte das mehrere hundert Euro pro Ausbildung sparen.
Simulatoren sollen für alle Klassen rechtlich verankert werden, allerdings ohne Nutzungspflicht.
Kürzere Prüfungen, mehr Kapazität
Auch die praktische Prüfung soll effizienter werden. Für LKW-Klassen sieht der Vorschlag vor:
- Mindestfahrzeit: 45 Minuten (bisher 50 Minuten)
- Prüfungsdauer insgesamt: 70 Minuten (bisher 85 Minuten)
Ziel ist es, mehr Prüfungen pro Tag zu ermöglichen und Wartezeiten zu verkürzen ein Problem, das viele Fahrschulen und Betriebe seit Jahren beklagen.
Zudem sollen die Zugangsvoraussetzungen für Fahrerlaubnisprüfer gelockert werden. Künftig soll kein Ingenieurstudium mehr erforderlich sein, und Prüfer müssten nicht mehr alle Führerscheinklassen besitzen, sondern nur die jeweils zu prüfende Klasse. Das könnte zusätzliche Kapazitäten schaffen.
Digitalisierung und weniger Bürokratie
Die Theorieausbildung soll vollständig digital möglich werden. Präsenzunterricht wäre nicht mehr verpflichtend. Gleichzeitig sollen detaillierte Vorgaben zu Unterrichtsräumen, Lehrmitteln und Dokumentationspflichten entfallen.
Diese Entbürokratisierung soll für alle Fahrerlaubnisklassen gelten.
Für angehende LKW-Fahrer bedeutet das mehr Flexibilität in der Theoriephase und für Fahrschulen geringere Fixkosten. Ob diese Einsparungen vollständig bei den Fahrschülern ankommen, bleibt abzuwarten.
Bedeutung für die Transportbranche: Hohe Einstiegskosten als strukturelles Problem
Die Reform kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Branche unter massivem Fahrermangel leidet und der Einstieg in den Beruf teuer ist.
Für den kombinierten Erwerb der Klassen C und CE fallen – sofern Klasse B bereits vorhanden ist, laut einer Beispielrechnung einer nordrhein-westfälischen Fahrschule rund 4.300 Euro an. Darin enthalten sind Grundbetrag, Theorie, Praxisstunden inklusive Sonderfahrten sowie Prüfungsgebühren. Hinzu kommt die gesetzlich vorgeschriebene „beschleunigte Grundqualifikation“ mit 140 Unterrichtsstunden, die laut Branchenangaben weitere 3.000 bis 4.000 Euro kostet.
Damit summieren sich die Gesamtkosten für den Einstieg in den gewerblichen LKW-Verkehr in Deutschland auf bis zu 8.000 bis 8.500 Euro.
Im europäischen Vergleich liegen die Einstiegskosten spürbar niedriger:
- Polen: meist zwischen 1.500 und 3.000 Euro
- Frankreich: rund 6.000 bis 8.000 Euro
- Italien: etwa 4.000 bis 6.000 Euro
- Spanien: häufig 3.500 bis 5.500 Euro
Vor diesem Hintergrund sind die Reformpläne für die Branche mehr als eine verwaltungsrechtliche Anpassung. Sollten zentrale Elemente auf LKW-Klassen übertragen werden, könnten sie Ausbildungskosten senken, Prüfkapazitäten erhöhen, Wartezeiten verkürzen und den Zugang zum Beruf erleichtern.
Noch befindet sich vieles im Verfahren. Klar ist jedoch: Gelingt die Übertragung auf die LKW-Klassen gemeinsam mit den Ländern, könnte die Reform zu einem spürbaren Baustein im Kampf gegen den Fachkräftemangel werden.











