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Elektroflaute auf Europas Fernstraßen: Warum 93 % aller neuen LKW noch immer mit Diesel fahren

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Trotz ambitionierter Klimaziele bleibt der europäische LKW-Markt 2025 fest in Dieselfahrzeug-Hand. Die Zulassungszahlen sinken und der Wandel zur E-Mobilität stockt.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

2025 war kein leichtes Jahr für den europäischen Straßengüterverkehr. Die LKW-Neuzulassungen in der EU gingen um 6,2 % zurück. Grund dafür: angespannte wirtschaftliche Rahmenbedingungen, hohe Betriebskosten und vorsichtige Investitionsentscheidungen vieler Transportunternehmen.

Während politisch viel über Elektromobilität diskutiert wird, erzählt die Realität eine andere Geschichte: Über 93 % aller neuen mittelschweren und schweren LKW in Europa fuhren auch 2025 wieder mit Diesel.

Investitionen auf Sparflamme – Diesel als bewährter Standard

Die sinkende Nachfrage bei LKW-Neuzulassungen ist kein Ausdruck technischer Trägheit, sondern ein Ergebnis ökonomischer Vorsicht. Unternehmen verlängern zunehmend die Lebensdauer ihrer Fahrzeuge, statt auf neue Technologien zu setzen, deren Praxistauglichkeit und Infrastruktur nicht überall gegeben sind.

Ein genauer Blick auf die Länderdaten macht klar: Der Diesel bleibt europaweit die dominierende Kraft, alternative Antriebe sind vielerorts kaum mehr als Pilotprojekte.

Länder im Überblick – dieselgeprägt mit Nuancen

Ein genauerer Blick auf einzelne Länder zeigt: Europas stark dieselgeprägter LKW-Markt ist nicht einheitlich, doch auch der Wandel hin zu alternativen Antrieben verläuft nicht gleichmäßig.

Deutschland: Europas größter LKW-Markt, vorsichtige Elektrifizierung

Deutschland blieb 2025 der größte Lkw-Markt der EU, mit 77.431 neu zugelassenen mittelschweren und schweren Lkw. Diesel dominierte weiterhin und machte 71.342 Fahrzeuge aus, während 4.766 elektrisch aufladbare Lkw in Betrieb gingen.

Die E-Zulassungen konzentrierten sich auf das Segment der mittelschweren LKW, in dem elektrische Modelle einen spürbaren Anteil an den Zulassungen erreichten. In der Klasse der schweren LKW blieben Elektrofahrzeuge hingegen marginal – was unterstreicht, wie schwierig die Elektrifizierung des Fernverkehrs selbst in Europas fortschrittlichstem Markt ist.

Vereinigtes Königreich: Wachstum bei E-Lkw durch mittelschwere Fahrzeuge getrieben

Im Vereinigten Königreich wurden 2025 54.119 neue LKW zugelassen, wobei Diesel mehr als 92 % der Gesamtzahl ausmachte. Elektro-LKW erreichten 3.023 Einheiten, doch fast alle davon waren mittelschwere Fahrzeuge.

Im Segment der schweren Lkw blieben die E-Zulassungen äußerst begrenzt, während alternative Antriebe, die unter „Sonstige“ zusammengefasst werden – vor allem Hybride –, 929 Fahrzeuge ausmachten. Das deutet auf gezielte Einsatzfälle statt auf eine breite Flottentransformation hin.

Frankreich: höherer Anteil an Alternativen, Diesel weiterhin zentral

Frankreich verzeichnete 2025 46.079 Neuzulassungen. Diesel blieb dominant, doch Frankreich stach durch seine vergleichsweise höhere Zahl an LKW hervor, die unter „Sonstige“ Antriebe zugelassen wurden (4.025 Einheiten), neben 1.713 Elektro-LKW.

Diese Vielfalt veränderte die Marktstruktur jedoch nicht grundlegend. Schwere Lkw setzten weiterhin überwiegend auf Diesel, während alternative Antriebe weitgehend auf bestimmte Segmente und geförderte Projekte beschränkt blieben.

Spanien: begrenzte Elektrifizierung, Diesel fest in der Hand

Spanien registrierte 30.989 neue LKW, wobei Diesel nahezu den gesamten Markt ausmachte. Lediglich 502 Elektro-LKW wurden über beide Gewichtsklassen hinweg zugelassen, ein sehr geringer Anteil am Gesamtvolumen.

Selbst im mittelschweren Segment blieben Elektro-LKW die Ausnahme, was das langsame Tempo des Wandels in einem Markt unterstreicht, der von Fernverkehr und preissensitiven Gütertransporten geprägt ist.

Polen: Wachstumsmarkt, fast vollständig Diesel

Der polnische LKW-Markt erreichte 2025 29.946 Zulassungen, wobei Diesel 29.554 Fahrzeuge ausmachte. Elektro-Lkw blieben vernachlässigbar, mit lediglich 178 Einheiten in beiden Segmenten.

Die Zahlen unterstreichen einen breiteren Trend in Mittel- und Osteuropa: Die Flottenerneuerung setzt sich fort, jedoch fast ausschließlich mit konventionellen Antrieben.

Italien: Elektro-Präsenz auf Nischenanwendungen beschränkt

Italien registrierte 2025 27.709 neue LKW. Diesel machte mehr als 96 % der Gesamtzahl aus, während Elektro-LKW 600 Einheiten erreichten, hauptsächlich im mittelschweren Segment.

In der Klasse der schweren LKW blieben Elektrofahrzeuge marginal, was die strukturelle Herausforderung bei der Einführung emissionsfreier Lösungen im Fernverkehr zusätzlich verdeutlicht.

Rumänien und Ungarn: in der Praxis Diesel-only-Märkte

Rumänien registrierte 8.703 neue LKW, fast ausschließlich schwere Diesel-Fahrzeuge, mit nur 55 Elektro-LKW. Ungarn registrierte 5.353 LKW, darunter nur 54 Elektrofahrzeuge.

In beiden Märkten bleiben Elektro-LKW statistisch unbedeutend – was geringere Margen, längere Strecken und eine begrenzte Ladeinfrastruktur widerspiegelt.Diesel bleibt das Rückgrat des Straßengüterverkehrs.

Diesel dominiert – nicht aus Trotz, sondern aus Notwendigkeit

Die strukturellen Anforderungen im Güterverkehr Reichweite, Taktung, Tankstellennetz, Nutzlast – machen Diesel für viele Flottenbetreiber alternativlos. Der technologische und wirtschaftliche Spagat für einen realistischen Umstieg ist groß, insbesondere im Fernverkehr.

Selbst in fortschrittlichen Märkten wie Deutschland bleibt der Wandel langsam und segmentiert.

Elektro-LKW: Wachstum ja, Durchbruch nein

Insgesamt legten elektrisch betriebene LKW zwar in Stückzahlen zu, doch ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau. Der Marktanteil in Deutschland lag 2025 bei etwas über 6 %, im Vereinigten Königreich bei rund 5,5 %. In vielen anderen Ländern deutlich darunter.

Die Zahlen zeigen: Wir erleben keinen Durchbruch, sondern frühe Tests in Pilotregionen. Eine echte Umstellung des Fernverkehrs ist noch nicht in Sicht.

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