Ein LKW-Fahrer machte am Samstagabend an einer Tankstelle in Bockenem (Niedersachsen) eine kurze Pause, kurz darauf war seine Geldbörse um eine erhebliche Summe leichter. Die Täter, die sich als Polizisten ausgaben, handelten schnell und entschlossen. Die echte Polizei ruft nun zur erhöhten Wachsamkeit auf und erinnert Berufskraftfahrer daran, wie sie echte Beamte zuverlässig identifizieren können.
Überfall unter dem Deckmantel einer „Kontrolle“
Der Fahrer parkte sein Fahrzeug auf einem Seitenstreifen der Tankstelle. Ein PKW hielt neben dem LKW, ein Mann stieg aus und gab sich als Polizeibeamter aus. Unter dem Vorwand eines behördlichen Eingriffs verwickelte er den Fahrer in ein Gespräch und nahm ihm dabei die Geldbörse ab. Daraus verschwand ein vierstelliger Bargeldbetrag. Die Täter flüchteten anschließend in östlicher Richtung.
Die Polizei bestätigte inzwischen, dass es sich bei den Männern nicht um echte Beamte handelte. Die Ermittlungen laufen, Spuren wurden gesichert, und Zeugen werden gesucht. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte es sich bei dem Fluchtfahrzeug um einen Mercedes gehandelt haben.
Uniform ohne Abzeichen – klassische Tätermasche
Nach Erkenntnissen der Polizei trug einer der Betrüger eine dunkelblaue Jacke mit dem Schriftzug „Polizei“, jedoch ohne amtliche Kennzeichnungen, eine Baseballkappe und einen leichten Schnurrbart. Er war etwa 180 cm groß, wog rund 85 kg und hatte ein europäisches Erscheinungsbild.
Das ist ein klassischer Modus Operandi, der den Behörden seit Jahren bekannt ist: eine nachgemachte Polizeikleidung, ein selbstsicherer Ton und schnelles Handeln, das dem Opfer keine Zeit zum Nachdenken lässt. Für Berufskraftfahrer kommt als zusätzlicher Faktor Müdigkeit hinzu sowie der Druck, an einem unbekannten Ort anzuhalten.
Wie erkennt man einen echten Polizeibeamten?
Die Polizei erinnert Fahrer daran, dass jeder Beamte verpflichtet ist, einen offiziellen Dienstausweis vorzulegen. In Deutschland gibt es derzeit zwei Versionen: eine ältere und eine neuere, die schrittweise eingeführt wird.
Es ist sinnvoll zu wissen, wie der Ausweis aussieht und dass es derzeit zwei gültige Versionen gibt. Neben dem Foto des Beamten enthält er unter anderem Vor- und Nachname sowie Dienstgrad. Auf dem alten Ausweis steht „Dienstausweis“ (service ID), auf dem neuen „Polizeidienstausweis“ (police ID). Der neue Ausweis verfügt über mehrere Sicherheitsmerkmale: Der Polizeistern ist vorne als Hologramm aufgedruckt, es gibt eine erhabene Prägung, und das Foto des Beamten ist als schräg gestelltes Bild angeordnet. Auf der Rückseite ist die Nummer 110 in optisch variabler Tinte gedruckt. Für blinde und sehbehinderte Menschen befindet sich auf der Rückseite der Karte das Wort „Polizei“ in Brailleschrift.
Fehlender Ausweis, Eile, Unwillen, das Dokument zu zeigen, oder Ausreden wie „Ich bin gleich wieder vom Streifenwagen zurück“ sollten sofort misstrauisch machen.
Was ein Fahrer im Zweifel tun sollte
Die Polizei empfiehlt ausdrücklich, dass bei jedem Verdacht die zuständige Dienststelle selbst kontaktiert oder die 110 gewählt werden sollte. Wichtig ist, die Telefonnummer selbst herauszusuchen, statt Angaben der angeblichen Beamten zu verwenden.
Die Beamten betonen, dass ein echter Polizeibeamter kein Problem damit hat zu warten, bis der Fahrer seine Identität bestätigt hat. Jeder Versuch, Druck auszuüben, mit Konsequenzen zu drohen oder die sofortige Herausgabe von Bargeld zu verlangen, sollte als Alarmsignal gewertet werden.
Wachsende Gefahr in Parkbereichen
Der Fall aus Bockenem zeigt, dass Parkplätze an Tankstellen weiterhin Orte mit erhöhtem Risiko sind, insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit. Lkw-Fahrer, die oft mit Bargeld und Dokumenten unterwegs sind, sind ein leichtes Ziel für Betrüger.
Wachsamkeit, Kenntnis der Abläufe und das Prinzip eines begrenzten Vertrauens gegenüber Personen, die sich als Dienste ausgeben, können helfen, schmerzhafte Verluste zu vermeiden. In diesem Fall reichten nur wenige Minuten, damit der Fahrer eine erhebliche Geldsumme verlor.
Die Polizei appelliert eindringlich, solche Vorfälle zu melden und Informationen über Täter oder Fahrzeuge weiterzugeben. Ziel sei es, durch präventive Aufklärung künftige Taten zu verhindern.
Auch bei Kontrollen sind mittlerweile digitale Nachweise wie eFTI von Bedeutung, neben physischen Dokumenten gewinnen standardisierte digitale Prozesse an Relevanz für Berufskraftfahrer und Behörden gleichermaßen.









