Sixfold ist eine Plattform für Real-Time-Visibility. Das Start-up arbeitet mit weltbekannten Marken wie Nestlé und Coca-Cola zusammen. Weitere Zielkunden sind globale Verlader, Logistikanbieter und Spediteure in Sektoren wie FMCG, Einzelhandel, Bau- und Baumaterialien und Fertigung.  In unserem Kurzinterview erklärt der Co-Founder und CEO des jungen Unternehmens, warum Real-Time-Visibility an sich nur ein Werkzeug ist und woraus sich das wahre Nutzen ergibt.

Natalia Jakubowska, Trans.INFO: Was genau macht Ihr Unternehmen?

Wolfgang Wörner ist Co-Founder und CEO von Sixfold: Sixfold ist die führende Plattform für Real-Time-Visibility in Europa. Wir arbeiten mit Spediteuren und Frachtführern zusammen, die täglich Tausende von Transporten in ganz Europa durchführen. Vor dem Einsatz von Sixfold waren weder sie noch ihre Kunden in der Lage zu sagen, wann genau eine Sendung abgeholt wird, wo sie sich zu einem bestimmten Zeitpunkt befindet und wann sie ihr Ziel erreichen wird. Wir machen die Supply Chain für alle Beteiligten transparent. Darüber hinaus ermöglicht der konstante Daten- und Informationsfluss unseren Kunden, ihre Logistikprozesse weiter zu digitalisieren und von manueller Arbeit auf Automatisierung umzustellen. Logistikabteilungen können sich auf verspätete Sendungen konzentrieren, Einkaufsteams haben Zugang zu historischen Performance-Daten zur Unterstützung der Entscheidungsfindung, besser informierte Kundendienstmitarbeiter können proaktiv auf die Kunden zugehen, und die Disposition in den Lagern wird automatisiert. Insgesamt führt dies zu mehr Effizienz und höherer Kundenzufriedenheit. Wir machen nicht nur die aktuelle Situation auf der Landkarte sichtbar – wir prognostizieren die Zukunft mithilfe von Data Science und Machine-Learning-Algorithmen, mit hoher Genauigkeit. Eine konstante, vorausschauende Sichtbarkeit über die Supply Chain hinweg ist der Schlüssel, um diese Vorteile für unsere Kunden tatsächlich nutzbar zu machen.

Wann und wie sind Sie auf die Idee für Sixfold gekommen?

Meine Mitbegründer hatten in ihrem vorherigen Start-up, Palleter, einen datengesteuerten digitalen Logistik-Marktplatz entwickelt. Als wir uns kennenlernten, hatten sie bereits eine brillante Technologie entwickelt (dynamische Anpassung der Nachfrage an Überkapazitäten), waren aber pessimistisch in Bezug auf die Tragfähigkeit ihres Geschäftsmodells (digitaler Spot-Marketplace). Wir beschlossen, unsere Kräfte zu vereinen und ein neues Unternehmen zu gründen, das auf der bestehenden Basistechnologie aufbaut, um eine viel marktfähigere Lösung zu schaffen, die großen Spediteuren in Echtzeit Sichtbarkeit verschafft. Wir sicherten uns die Finanzierung durch die Investoren von Transporeon, die uns zudem eine ausgezeichnete Go-to-Market-Strategie zur Verfügung stellten und uns dabei halfen, den Service im größten Logistiknetzwerk Europas einzuführen.

Sie haben 2017 mit Sixfold gestartet. Was war damals Ihre Vision für das Unternehmen und wie hat sich diese Vision in den letzten drei Jahren entwickelt?

Als meine Co-Founder und ich Sixfold vor drei Jahren gründeten, bestand unsere Vision darin, das führende RTV-Netzwerk in Europa aufzubauen. Die Ineffizienzen in der Transportlogistik aufgrund von Problemen wie Fragmentierung und mangelnder Digitalisierung können negative finanzielle Folgen haben und die Umwelt belasten. Wir waren der Meinung, dass die Zeit reif war für ernsthafte Veränderungen. In der Zwischenzeit hat sich die Verbesserung der Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Teil unserer Vision entwickelt. Es ist bekannt, dass die Supply Chain häufig nicht effizient genug ist und eine enorme Menge an CO2-Emissionen verursacht – etwa 25% aller in Europa gefahrenen Lkw-Kilometer werden leer gefahren. Doch durch einen tieferen Einblick in die Supply Chain und in die Funktionsweise von Transportnetzwerken können Unternehmen ihre Leerkilometer reduzieren, Kapazität und Nachfrage besser aufeinander abstimmen und ihren Carbon Footprint verringern.

Was macht Ihr Produkt so einzigartig?

Wie gesagt, der wahre Nutzen ergibt sich aus der Sichtbarkeit in Echtzeit, insbesondere wenn man sie mit Transportmanagement und anderen logistischen Kernprozessen kombiniert. Keiner unserer Wettbewerber hat eine nahtlose Symbiose mit einer Transportmanagement-Plattform wie wir sie mit Transporeon haben. Unsere gemeinsamen Kunden erhalten eine End-to-End-Erfahrung in der Transportausführung, bei der RTV mehr als nur ein Schritt im Workflow ist. Die aus Echtzeitdaten gewonnenen Erkenntnisse helfen, die Entscheidungsfindung in verschiedenen Prozessen zu automatisieren und mit Informationen anzureichern, von Procurement und Planung bis hin zur Zuweisung und Abrechnung. Das Netzwerk von Transporeon – jetzt mit Real-Time-Visibility durch Sixfold als Kernfunktionalität erweitert – ist das größte RTV-fähige Netzwerk in Europa, das unseren Kunden die Vorteile von Netzwerkeffekten und Größenvorteilen bietet. Jeder Neukunde, der heute einen Vertrag mit Transporeon abschließt, wird feststellen, dass ein großer Teil seiner Carrier bereits an unser System angeschlossen ist und für bessere Sichtbarkeit der Transporte sorgen können.

Darüber hinaus zeichnet uns unser Data-Science-orientierter Ansatz aus, der für die effiziente Lösung von Problemen in der realen Welt und in großem Maßstab unerlässlich ist. Infolgedessen verfügt unsere Plattform über eine ausgezeichnete ETA-Genauigkeit, bereinigt Daten wie z.B. fehlerhafte Adressen, passt die Geofence-Größen auf der Grundlage der Topografie an und prognostiziert den Kapazitätsbedarf.

Schließlich hat uns ein hoch automatisierter Onboarding-Prozess in Verbindung mit leistungsstarken Machine-Learning-Algorithmen als Kernstück unserer Plattform dabei geholfen, schnell über das Transporeon-Netzwerk mit 100.000 Spediteuren und 1.200 Frachtführern auf der ganzen Welt zu skalieren.

Was ist ihre Zielgruppe und welche Geschäftsprobleme lösen Sie für sie?

Wir arbeiten mit Unternehmen zusammen, die unglaublich komplizierte internationale Supply Chains betreiben, darunter weltbekannte Marken wie Nestlé und Coca-Cola. Weitere Zielkunden sind globale Verlader, Logistikanbieter und Spediteure in Sektoren wie FMCG, Einzelhandel, Bau- und Baumaterialien und Fertigung. Diese Art von Unternehmen wurde lange Zeit durch einen Mangel an Transparenz in der Supply Chain behindert. Dies beeinträchtigt nicht nur ihre Fähigkeit, genaue Einblicke in den Standort und Status von Sendungen zu erhalten. Es führt auch dazu, dass die gesamte Lieferkette nicht effizient genug arbeitet, was die Nachhaltigkeit negativ beeinträchtigt, die Kosten erhöhen und sich auf die Kundenzufriedenheit auswirken. Kurz gesagt, es kann einen großen Einfluss auf den langfristigen Erfolg eines Unternehmens haben.

An dieser Stelle kommen wir ins Spiel. Durch die Integration mit Transportmanagement- und Telematiksystemen wirft unsere Plattform ein Licht auf alles, was in der Supply Chain eines Kunden passiert. Auf diese Weise können Unternehmen ihre Prozesse optimieren, um effizienter zu werden und wichtige Herausforderungen zu meistern. Kunden müssen sich keine Sorgen mehr darüber machen, dass ihnen wichtige Dinge entgehen, ohne große Datenmengen durchforsten zu müssen. Unsere durch KI- und prädiktiven Analysefähigkeiten gesammelten Daten – wie Telemetrie-, Karten-, Verkehrs- und Wetterdaten – bekommen unsere Kunden in Echtzeit Einblick in ihre Supply Chain. Dadurch können Transportverzögerungen proaktiv vorhergesagt und wertvolle Geschäftsinformationen geliefert werden können.

Was waren die größten Herausforderungen, denen Sie bei der Gründung von Sixfold gegenüberstanden?

Es gab zwar verschiedene Hürden im Zusammenhang mit der Skalierung eines Start-ups über mehrere Länder hinweg, aber wir empfanden den Carrier Buy-in immer als die schwierigste Herausforderung, die es zu überwinden galt. Der Carrier-Markt ist stark fragmentiert mit Hunderttausenden kleinen Unternehmen. Gleichzeitig ist es aufgrund der begrenzten Digitalisierung sehr komplex und kostspielig, die Daten aller Akteure zu konsolidieren. Daher mussten wir Wege finden, das Carrier-Onboarding sehr einfach, kostengünstig und hoch skalierbar zu gestalten. Da wir uns von Anfang an so sehr darauf konzentriert haben, das Carrier-Problem zu lösen, konnten wir es ziemlich erfolgreich angehen. Der Anteil des automatisierten, self-serving Carrier-Onboarding liegt bereits bei über 60% und wächst weiter.

Wo sehen Sie Sixfold in 5 Jahren?

Real-Time-Visibility an sich ist nur ein Werkzeug. Wir sehen, dass der größte Wert in der Kombination mit Transportmanagement, Kapazitätsplanung, Beschaffung und anderen bestehenden Logistikprozessen liegt, denen heute die RTV-Komponente fehlt. Genau darauf arbeiten wir jetzt als Teil der marktführenden Transporeon-Gruppe hin. Unsere Arbeit in den kommenden Jahren wird darauf ausgerichtet sein, die Dienstleistungen von Transporeon mit unseren datengestützten Insights zu verbessern und dabei die erste echte Real-Time-Execution-Plattform zu schaffen. Damit werden wir an vorderster Front und im Zentrum des größten Wandels von Logistik in Europa und darüber hinaus sein. Wir haben also eine Menge Arbeit vor uns!

Welchen Ratschlag würden Sie anderen Gründern geben, die ganz am Anfang der Gründungsphase stehen?

Ausschlaggebend ist die Go-to-Market-Strategie. Ein großartiges Team und Produkt allein reicht nicht aus, wenn man keinen Weg findet zu skalieren oder wenn es keine vielversprechenden Vertriebskanäle gibt, an die man verkaufen kann. Außerdem braucht ein Unternehmen einen felsenfesten USP, um Kunden zu überzeugen und zu gewinnen. Aber natürlich müssen Sie das GTM-Problem nicht lösen, bevor Sie ein MVP zum Testen haben. Eine zu frühe Skalierung oder die Skalierung des falschen Produkts muss um jeden Preis vermieden werden. Aber letzten Endes ist es die GTM-Strategie, die einen ansonsten erfolgreichen Start entscheiden kann.

Foto: Sixfold

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