Kurzinterview: „Das öffentliche Bild der Logistik bleibt leider oftmals noch hinter ihrem umfangreichen Engagement für Nachhaltigkeit zurück”

In unserer Kurzinterview-Reihe präsentieren wir, was Unternehmen aus der Transport-und Logistikbranche gegen den Klimawandel tun. Heute spricht Martin Königstein von pfenning logistics, darüber, für wie realistisch er die Klimaziele hält und was sich noch ändern muss.

Kurzinterview: „Das öffentliche Bild der Logistik bleibt leider oftmals noch hinter ihrem umfangreichen Engagement für Nachhaltigkeit zurück”
Foto: pfenning logistics

Natalia Jakubowska, Trans.INFO: Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral sein. Halten Sie dieses Zeitmaß in der Transport-und Logistikbranche für realistisch?

Martin Königstein, Geschäftsführer von pfenning logistics: Es ist unmöglich, für eine ganze Branche pauschale Aussagen zu treffen oder sogar ein Jahr zu nennen, bis wann eine gesetzte Zielgröße erreicht sein soll. Grundsätzlich würde ich eine Unterscheidung zwischen dem Lager- und dem Transportwesen empfehlen. Der Bau und Betrieb der Logistikimmobilien haben in der Regel den größten Anteil an Emissionen im Lagerwesen. Deshalb achten wir bei pfenning logistics darauf, diese Aspekte so nachhaltig wie möglich zu gestalten und haben dafür in 2012 unser multicube-Konzept ins Leben gerufen. Dadurch können wir unsere CO2-Emissionen bereits erheblich reduzieren und könnten gegebenenfalls auch eine Klimaneutralität bis 2045 erreichen.
Im Transportwesen, das nun mal einen zentralen Bestandteil von Logistik und Lieferketten ausmacht, gestaltet sich die Sache allerdings schwieriger. Es gibt zwar bereits mehrere alternative und umweltfreundliche Antriebstechnologien für LNG- und E-Fahrzeuge, die auch bei pfenning logistics bereits zum Einsatz kommen. Allerdings sehen wir hier die Problematik der fehlenden Ladeinfrastruktur, die beispielsweise die Versorgung im ländlichen Raum oder auf Langstrecken erheblich erschwert. Es besteht in Deutschland leider auch noch keine Klarheit darüber, auf welche Technologie wir uns fokussieren sollen, Innovationen werden durch Bürokratie und Auflagen eher behindert als gefördert. Wir wünschen und als Kontraktlogistikdienstleister mehr konstruktiven Austausch mit den verschiedenen Stakeholdern in den Kommunen und gehen hier auch schon aktiv auf die Entscheidungsträger zu. In der Kooperation zwischen den einzelnen Teilnehmern der Lieferkette sehe ich die beste Möglichkeit, auch das Transportwesen umfassend und langfristig nachhaltiger zu machen. Das gilt für die ganze Lieferkette, von der LKW-Rampe bis zur Feinverteilung auf der letzten Meile.

Wie hat sich in letzter Zeit das Verständnis von Nachhaltigkeit in der Branche verändert?

Es hat in den letzten Jahren stark an Relevanz gewonnen. Logistik ist volkswirtschaftlich unabdingbar für Produktion, Handel und die Wirtschaft im Allgemeinen. Das bedeutet auch, dass sie viele Transportkapazitäten und auch Lagerflächen benötigt, zwei vergleichsweise emissionsintensive Sparten. Viele Logistikdienstleister und Speditionsunternehmen haben sich daher frühzeitig damit auseinandergesetzt, wie sie durch den Einsatz moderner Technologie und Effizienzgewinnen in den Logistikprozessen die Logistik nachhaltiger machen können. Schon 2013 bestätigte eine durch PWC durchgeführte Studie, dass eine Mehrheit der untersuchten Logistikdienstleister Nachhaltigkeit durch eigens geschaffene Stellen und Strategien fest in den Unternehmenszielen verankert.

Welchen Stellenwert haben Klimaneutralität und Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen? Welche Maßnahmen haben Sie bereits umgesetzt?

Wir bei pfenning logistics entwickeln unser Immobilienkonzept multicube seit 2011 nach Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und Innovativität. Das beginnt bereits vor den eigentlichen Bauarbeiten, indem wir unsere Standorte so auswählen, dass sie uns möglichst günstige Verkehrsanbindungen ermöglichen und so unnötige Transportkilometer gespart werden. Im Bau verwenden wir möglichst umweltschonende und zertifizierte Materialien, achten auf eine ausgezeichnete Dämmung und die Produktion beziehungsweise den Bezug von Ökostrom. Unsere umfangreichen Bemühungen werden auch in der Branche wahrgenommen und honoriert, so streben wir für unsere Neuentwicklungen ebenfalls das Platin-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) an.

Was waren die größten Herausforderungen? Welche Fehler sollte man vermeiden?

Grundsätzlich sollte die Möglichkeit von Fehlern nicht davon abhalten, Innovationen und neue technische Lösungen zu implementieren. Nur durch Ausprobieren kann eine Organisation lernen. Wir prüfen derzeit den Einsatz von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben, insbesondere mit Flüssiggas betriebene LKW. Die aktuell angespannte Preisentwicklung bei den Treibstoffen erschwert allerdings den großflächigen Umbau in der Logistik. Gleichzeitig ändern sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen ständig weiter, zuletzt durch die neue EU-Taxonomie, die sich auf die Bereiche ESG (Environmental, Social, Governmental) konzentriert und uns bei unseren Projektentwicklungen vor neue Herausforderungen stellt. So haben wir beispielsweise davon abgesehen, an unserem Standort eine LKW-Tankstelle zu errichten, weil diese gemäß den neuen Richtlinien nicht ESG-konform ist. Gleichzeitig bedeutet das allerdings, dass unsere Fahrer:innen auf ihren Touren extra Stopps fürs Tanken einplanen müssen.
Allgemein gesprochen müssen wir den Behörden und unseren Geschäftspartnern klarmachen, dass zusätzliche Nachhaltigkeitsmaßnahmen einerseits nicht zur Disposition stehen – andererseits mit höheren Kosten verbunden sind. Zukünftig wird es daher umso wichtiger werden, gemeinsame Maßnahmen zu entwickeln und Synergieeffizienzen zu generieren.

Wie sensibilisieren Sie Kunden und Partner für das Thema?

Unserer Wahrnehmung nach stoßen wir mit unseren Bemühungen für mehr Nachhaltigkeit inzwischen auf offenere Ohren bei unseren Partnern und Lieferanten. Dass alle Bereiche der Wirtschaft und Gesellschaft dazu aufgerufen sind, sich für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu engagieren, ist mittlerweile zu allen durchgedrungen. Es herrscht eine große Bereitschaft, gemeinsam zu prüfen und Konzepte zu entwickeln, wie die Warenströme und Lieferketten emissionsärmer gestaltet werden können.
Gleichzeitig achten wir darauf, insbesondere im Austausch mit Kommunen und Behörden darüber aufzuklären, welchen Stellenwert Nachhaltigkeit für unser Wirtschaften hat. Das öffentliche Bild der Logistik bleibt leider oftmals noch hinter ihrem umfangreichen Engagement für Nachhaltigkeit zurück.

Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Transport und Logistik

 

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