Wichtige Punkte:
- Der SafeDrive-Test startete im Juli 2026 und ist auf 90 Tage angelegt.
- Das System erkennt Fahrer, die ein Smartphone nutzen oder nicht angeschnallt sind.
- Die automatische Kennzeichenerfassung kann den Versicherungsstatus und die Gültigkeit der technischen Prüfung abgleichen.
- Das Gerät überwacht mehrere Fahrspuren gleichzeitig in beiden Fahrtrichtungen.
- Während des Testlaufs führen erkannte Verstöße nicht zu Bußgeldern.
- Nach den geltenden italienischen Vorschriften müssen bestimmte Verstöße von Einsatzkräften vor Ort festgestellt werden.
- Bei positiven Ergebnissen könnten Hinweise künftig an Streifen in der Nähe übermittelt werden.
- Auch Katalonien entwickelt Werkzeuge, um Fahrzeuge automatisch für Kontrollen auszuwählen.
Herkömmliche Blitzer messen vor allem die Geschwindigkeit. SafeDrive soll dagegen das Verhalten am Steuer bewerten, Fahrzeugdaten prüfen und Verstöße erkennen, die technische Anlagen am Straßenrand bislang nicht automatisch feststellen konnten. Der italienische Testlauf macht zugleich eine rechtliche Lücke sichtbar: Zwar kann die Technik einen mutmaßlichen Verstoß erkennen, doch die geltenden Vorschriften erlauben nicht in jedem Fall, daraus automatisiert ein Bußgeldverfahren einzuleiten.
Mehrere Fahrspuren gleichzeitig im Blick
Der Test wurde von den zuständigen Behörden der Metropolregion Florenz genehmigt und findet auf der Schnellstraße Firenze–Pisa–Livorno statt – einer der wichtigsten und am stärksten belasteten Verkehrsachsen der Toskana. Installiert wurde die Anlage nahe Lastra a Signa. Von dort aus kann sie den Verkehr in Richtung Florenz ebenso überwachen wie die Fahrzeuge in Richtung Pisa und Livorno.
SafeDrive kombiniert hochauflösende Kameras mit Infrarotbeleuchtung. Dadurch entstehen bei Tag, bei Nacht und unter wechselnden Lichtverhältnissen klare Aufnahmen. Die Algorithmen analysieren mehrere Fahrspuren und sich bewegende Fahrzeuge gleichzeitig. Sie erkennen, ob Fahrer während der Fahrt ein Smartphone in der Hand halten oder keinen Sicherheitsgurt angelegt haben.
Mithilfe der automatischen Kennzeichenerkennung lässt sich außerdem prüfen, ob für ein Fahrzeug Versicherungsschutz besteht und die technische Prüfung noch gültig ist.
Gesichter werden zum Schutz der Privatsphäre unkenntlich gemacht
Da die Kameras auch Aufnahmen aus dem Fahrzeuginnenraum erfassen, spielt der Datenschutz im Testlauf eine zentrale Rolle. Noch vor der Speicherung der Aufnahmen macht das System die Gesichter der Insassen automatisch unkenntlich.
Entwickelt wurde das Gerät vom toskanischen Unternehmen Sodi Scientifica. Das Unternehmen hatte zuvor bereits ein Radar für dieselbe Strecke geliefert, das mit Laser-Laufzeitmessung arbeitet. Diese Anlage ist seit 2025 zwischen Montelupo und Empoli Est im Einsatz.
Im 90-Tage-Test gibt es keine Bußgelder
Die von SafeDrive erkannten Verstöße bleiben während des Testlaufs folgenlos. Das liegt nicht allein am experimentellen Charakter des Projekts. Nach dem geltenden italienischen Recht müssen Verstöße wie die Handynutzung am Steuer oder ein fehlender Sicherheitsgurt direkt von einem Polizeibeamten vor Ort festgestellt werden.
Die Technik kann daher einen möglichen Verstoß melden, erlaubt aber noch keine vollständig automatisierte Ahndung. Sollte der Test positive Ergebnisse liefern, könnte eine erste praktische Anwendung darin bestehen, Informationen zu einem mutmaßlichen Verstoß an eine Streife in der Nähe zu übermitteln. Die Beamten könnten das Fahrzeug anschließend anhalten und die Situation vor Ort überprüfen.
Für eine vollständig automatisierte Verhängung von Bußgeldern wären Änderungen der gesetzlichen Grundlagen notwendig.
Auch Lkw werden überwacht
Die Wahl der Strecke Firenze–Pisa–Livorno erfolgte bewusst. Auf der Route kommen dichter Personenverkehr sowie ein hohes Industrie- und Transportaufkommen zusammen. Damit bietet sie anspruchsvollere Testbedingungen als die Stadtstraßen, auf denen frühere Versuche stattfanden. SafeDrive wird auch schwere Nutzfahrzeuge erfassen, die auf dieser Route unterwegs sind.
Für Transportunternehmen geht es damit um mehr als um Geschwindigkeitskontrollen. Das Gerät kann während derselben Fahrt die Nutzung eines Telefons, fehlende Sicherheitsgurte und mögliche Unstimmigkeiten bei den Fahrzeugdokumenten erkennen.
Auch Katalonien testet KI gegen Handy- und Gurtverstöße
Katalonien verfolgt bei der Verkehrskontrolle einen ähnlichen Ansatz. Im Juni und Juli 2026 wurde dort ein mobiles KI-System auf den Autobahnen A-2 und AP-7 getestet. Während des Testlaufs meldete die Anlage mehr als 8.500 mögliche Fälle von Handynutzung und rund 4.500 mögliche Fälle, in denen Fahrer ohne Sicherheitsgurt unterwegs waren.
Demnach könnten durchschnittlich 4,3 Prozent der überprüften Fahrer ein Telefon benutzt haben. Auf der A-2 lag der Anteil bei etwa 5 Prozent, auf der AP-7 bei 3,6 Prozent.
Die Erkennungsgenauigkeit des Algorithmus lag insgesamt bei mehr als 70 Prozent. Bei der Erkennung von Handynutzung wurden 84 Prozent erreicht. Die Ergebnisse sollen dabei helfen zu entscheiden, ob die Technik in den katalanischen Verkehrssicherheitsplan für 2027–2030 aufgenommen wird.
Kontrollen beginnen zunehmend schon vor dem Anhalten
Die Tests in Italien und Katalonien stehen für einen größeren Wandel bei der Durchsetzung von Verkehrsregeln. Eine Kontrolle muss nicht mehr damit beginnen, dass ein Fahrzeug herausgewunken wird. Systeme können zunächst Bilder, Kennzeichen, Fahrzeuggewicht oder Tachografendaten auswerten und anschließend gezielt ein Fahrzeug für eine genauere Prüfung auswählen.
Für Transportunternehmen bedeutet das: Bei der Einhaltung von Vorschriften geht es inzwischen um mehr als Fahrzeiten und Fahrzeuggewicht. Auch das Verhalten des Fahrers und die Gültigkeit wichtiger Dokumente können überprüft werden, während sich das Fahrzeug noch auf der Straße befindet.
Die Technik ermöglicht die Überwachung einer größeren Zahl von Fahrzeugen und kann die Zahl zufälliger Kontrollen verringern. Vollautomatisierte Sanktionen bleiben jedoch von den nationalen Gesetzen und den Anforderungen des Datenschutzes abhängig.









